Fussball

Badens Trainer Jent: «So etwas kommt nur im Aargau vor»

Grosse Enttäuschung auf der Badener Spielerbank nach der 2:4-Niederlage in Muri.

Grosse Enttäuschung auf der Badener Spielerbank nach der 2:4-Niederlage in Muri.

Ausgerechnet Kantonsrivale und 1.-Liga-Absteiger Muri versalzt dem FC Baden am letzten Spieltag die Aufstiegssuppe. Wegen der 2:4-Niederlage verpassen die Badener die Teilnahme an der Finalrunde auf der Ziellinie.

Böse Zungen behaupten, ein Holländer stosse den Aargauer Fussball ins Elend. Zuerst coacht René van Eck als Nothelfer den FC Muri zum definitiven Abstieg, dann verhindert er mit seiner Abschiedsvorstellung einen möglichen Aufstieg von Kantonsrivale Baden.

Verabschieden wir uns von polemischen Thesen und wenden uns der Realität zu. Der FC Baden hat vor der letzten Runde in der 1. Liga die sechste Teilnahme an den Aufstiegsspielen in sieben Jahren in den eigenen Füssen. Doch das bereits abgestiegene Muri spuckt den Badenern mächtig in die Suppe und gewinnt ein aus seiner Sicht mathematisch bedeutungsloses Spiel verdient mit 4:2. Dreimal trifft Starstürmer Cristian Ianu.

Lesen Sie hier den Matchbericht des Spiels zwischen Baden und Muri.

Anstatt am Mittwoch gegen Yverdon sein Glück zu versuchen, fällt damit auch beim FC Baden der Vorhang hinter dieser emotionalen und in der Gesamtbilanz trotz tragischem Finale höchst erfreulichen Saison.

Baden ist mit einem Durchschnittsalter von 22 Jahren nach den sieben U21-Mannschaften das jüngste Team der gesamten 1. Liga. Und in den letzten sieben Jahren in der Summe das erfolgreichste. Sechsmal in Serie klassiert man sich in den Top 3, zweimal gewinnt man die Gruppe, fünfmal versucht man sich in den Aufstiegsspielen. Nur mit dem Sprung in die Promotion League will es einfach nicht klappen.

Fehlende Lockerheit und Cleverness 

In dieser Saison war dies zum ersten Mal seit langem gar nicht das Ziel des Vereins. Man spricht vor der Saison von einem kontrollierten Neuaufbau, einer Klassierung im ersten Drittel der Rangliste. Doch mit dem Essen kommt der Appetit und spätestens nach fünf Siegen in Serie in diesem Frühling wird der sehnsüchtige Wunsch vieler Spieler tatsächlich greifbar.

Die Türe in die höchste Amateurklasse vor Augen, ist bei den Badenern aber auf einmal die ganze Lockerheit weg. Mit unerwarteten Niederlagen gegen Sursee und Zug rutscht man wieder aus der Komfortzone der Tabellenspitze in eine Zitterpartie.

„Wir hatten heute unsere Nervosität nicht im Griff. Uns fehlte im entscheidenden Moment die Routine und die Cleverness“, analysiert ein bitter enttäuschter FCB-Trainer Thomas Jent die in der Konsequenz verheerendste Negativüberraschung dieses Jahres. Immerhin hat Muri bis zu diesem Zeitpunkt in der Rückrunde kein einziges Spiel gewonnen.

So herrscht im Stadion Brühl nach 90 Minuten eine beinahe bizarre Stimmung. Aus der Garderobe des FC Muri ertönen Freudengesänge, als wiege ein Sieg gegen den Kantonsrivalen mehr als ein historischer Abstieg. Vor der Haupttribüne entschuldigt sich Muri-Präsident Jörg Weiss bei seinem Badener Amtskollegen Thomi Bräm für den Sieg und abseits dieser eigentümlichen Murianer Partymeile sitzt Thomas Jent wie ein geprügelter Hund.

Emotionaler FCB-Trainer

Es dauert eine ganze Weile, bis sich Badens Trainer überwinden kann, die Ereignisse der letzten zwei Stunden zu bilanzieren. „Wenn ich alles erzählen würde, was mir derzeit durch den Kopf geht, dann wäre es nicht gut“, sagt er. In der ganzen Enttäuschung, die über ihn hereinbricht, wird auch Jent neben seiner blitzsauberen, sachlichen Analyse bisweilen ein wenig polemisch.

Einerseits begreift er es nicht, dass der Verband ein solch entscheidendes Spiel dazu benutzt, um einen langjährigen Schiedsrichter zu verabschieden. Andererseits schüttelt er den Kopf über die spezielle Konsequenz dieses vorerst letzten Kantonsderbys: „Ich bin jetzt seit 15 Jahren Trainer im Fussball. So etwas kommt nur im Aargau vor. Wir sind der einzige Kanton, der es immer wieder schafft, uns selber kaputt zu machen.“

Aargauer Schützenhilfe für Berner Konkurrenten und holländische Qualitätsarbeit im Suppe versalzen hin oder her -  zum Schluss findet sich im allgemeinen Badener Katzenjammer doch noch eine einigermassen zufriedene Gestalt. Langzeit-Präsident Thomi Bräm weiss, dass sein Klub einmal mehr den Beweis erbracht hat, ein exzellenter Ausbildungsverein zu sein.

Und er weiss, dass seine Mannschaft auch in der nächsten Saison ein ganz heisser Kandidat für den Sprung in die Promotion League bleibt. In jenes Schaufenster, das es ermöglichen soll, wieder einmal einen Spieler gewinnbringend in den Profifussball zu verkaufen. Auch darum geht es beim FC Baden.        

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