FC Aarau
Bachmann entmachtet? Der FC Aarau zieht seine Lehren

Die Infrastruktur wird verbessert und Raimondo Ponte rückt nahe ans Team. Wird dadurch auch FCA-Sportchef Urs Bachmann entmachtet?

François Schmid-Bechtel
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Sportchef Urs Bachmann (links) und sein neuer Chefscout Raimondo Ponte.

Sportchef Urs Bachmann (links) und sein neuer Chefscout Raimondo Ponte.

KEYSTONE

«Ja, wir haben uns ungenügend verhalten», sagt Aaraus Vizepräsident Roger Geissberger und spricht damit die Organisation um das erste Saisonspiel gegen Wohlen an. Lange Warteschlangen an den Kassenhäuschen, etliche Zuschauer, die deswegen die ersten 15 Spielminuten verpassten, keine Würste ab Mitte zweiter Halbzeit: das 1:1 gegen den Kantonsrivalen war nicht nur sportlich ernüchternd. «Weil wir im Vorverkauf nur 1982 Tickets abgesetzt haben, sind wir von maximal 4000 Zuschauern ausgegangen», sagt Geissberger. Gekommen sind aber fast 5000. Deshalb das Chaos. Deshalb der Ärger vieler Fans.

Doch Geissberger verspricht für das Heimspiel gegen Biel (Sonntag, 15 Uhr) Besserung. «Wir werden die Infrastruktur auf Super-League-Niveau hochfahren. Ich kann versprechen, dass genügend Kassenhäuschen offen sein werden. Auch an Würsten soll es nicht fehlen.»

Ponte arbeitet nahe mit Bordoli zusammen

Die Konsequenzen aus dem Abstieg hat der FC Aarau gemäss Geissberger auch im Bereich Sport gezogen. Diese betreffen zwei Personen: Urs Bachmann und Raimondo Ponte. Letzterer, als Trainer mit Aarau abgestiegen, wurde nach Ablauf des Vertrags wieder eingestellt. Als Verstärkung für den Sportausschuss. «Aber wenn Ponte schon ein 50-Prozent-Pensum hat, reicht es nicht, wenn er nur einmal im Monat an der Sportausschuss-Sitzung teilnimmt», so Geissberger. Deshalb wurde Ponte die Aufgabe des Chefscouts übertragen. Mehr noch. Ponte soll nahe an der Mannschaft sein und zusammen mit Trainer Livio Bordoli und Nachwuchs-Chef Sascha Stauch die Aufgaben betreffend Kaderzusammenstellung übernehmen.

Eine Bevormundung des Sportchefs? Oder gar eine Entmachtung? «Nein», wehrt Geissberger ab. «Das ist eine pragmatische Lösung. Denn Bachmann hat seine Stärken in den Vertragsverhandlungen und pflegt gute Beziehungen zu Präsidenten und Sportchefs anderer Klubs. Ponte hat das Auge für die richtigen Spieler.» Wie geht Bachmann damit um? «Gut», sagt Bachmann. Schliesslich bleibt er der Verantwortliche für den Bereich Sport.

Das Prinzip Hoffnung

Noch sind es höchstens Konturen, die Ponte bewirken konnte. Sein Wesen und Wirken würde aber in der nächsten Saison, vielleicht schon in der Rückrunde sichtbar werden, glaubt Geissberger. Trotzdem denkt der 54-Jährige, dass die aktuelle Mannschaft gut genug ist für einen der beiden vordersten Plätze in der Challenge League. Dies, obwohl man im Angriff das Prinzip Hoffnung bemühen muss.

Gewiss ist Marvin Spielmann (19) ein hoffnungsvolles Talent und Ridge Mobulu (24) ein trickreicher Unruhestifter. Aber beiden mangelt es noch an der Effizienz. Petar Sliskovic (24) hat den Nachweis noch nicht erbracht, ein Skorer zu sein. Was auch für den neu verpflichteten Holländer Mart Lieder (56 Spiele/7 Tore) gilt. Kurz: Beim FCA hofft man auf eine Leistungsexplosion des einen oder anderen Offensivspielers. Was, wenn das Prinzip Hoffnung nicht funktioniert? Wird dann der FC Aarau nochmals aktiv auf dem Transfermarkt? «Nein», sagt Geissberger.

Zurück zum Fiasko rund um den Wohlen-Match, der die sowieso schon angespannte Stimmung auf der Geschäftsstelle weiter verschlechtert hat. Simon Fuchser, der für das Ticketing verantwortlich ist, hat bereits gekündigt. Andere könnten ihm folgen. Geissberger relativiert: «Erstens: Fuchser hatte ein super Angebot. Zweitens: Nach dem Abstieg war klar, dass wir den Betrieb der sportlichen Realität anpassen müssen.» Die Administration soll von 4,5 auf 3,2 Stellen reduziert werden. «Wenn man Mitarbeiter mit Sparmassnahmen konfrontiert, drückt das natürlich auf die Stimmung. Mit einer Kündigungswelle rechne ich aber nicht.»

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