Fussball
Bäbele war nie ihr Ding - tschutten schon

Claudia Lüscher hat elf Spiele für die Schweizer Nachwuchsnati bestritten. Mit 16 Jahren gab sie ihr Debüt in der NLA. Am Samstag tritt sie mit Aaraus Frauen zum Spitzenspiel in der NLB an.

Andreas Fretz
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Aaraus Mittelfeldspielerin Claudia Lüscher aus Muhen.

Aaraus Mittelfeldspielerin Claudia Lüscher aus Muhen.

Andreas Fretz

«Sie spielt Fussball seit sie laufen kann», steht in einem Artikel, der vor sechs Jahren im Vereinsheft des SC Schöftland erschienen ist. Und wenn man den Worten der heute 20-Jährigen lauscht, weiss man: «Da muss was dran sein.» Früher habe sie mit ihrem Bruder André auf dem elterlichen Bauernhof gekickt. Vom FC Muhen, dem sie später beigetreten ist, habe die Familie zwei alte Tore geschenkt bekommen. «Bäbele» war nie ihr Ding, «Bällele» viel eher. «Ich hatte schon immer gerne Action», sagt Claudia Lüscher. Dazu passt auch, dass sie eine Lehre als Automobil-Fachfrau absolviert hat. «In der Schule habe ich gemerkt, dass ich nicht den ganzen Tag still sitzen kann. Bei mir muss immer etwas laufen, auch auf dem Platz.» Dort gibt sie gerne den Ton an, macht den Mund auf, wenn es sein muss, treibt die Mitspielerinnen an und liebt das Spiel nach vorne.

Muhen, Schöftland, Luwin, Zuchwil, GC und Aarau lauten die fussballerischen Stationen Lüschers. In sämtlichen Regionalauswahlen hat sie gespielt, für die Nachwuchsnati hat die zentrale Mittelfeldspielerin elf Partien absolviert. Den einzigen Titel ihrer Karriere hat sie mit einer Bubenmannschaft gewonnen. Mit den C-Junioren des SC Schöftland wurde Lüscher Aargauer Cupsieger.

Fussball kommt nicht zu kurz

Früher, da träumte Claudia Lüscher noch von einem Engagement im Ausland und von Auftritten mit dem A-Nationalteam. Doch fünf Bänderrisse im Sprunggelenk innert nur vier Jahren haben sie zurückgeworfen. Die nackten Resultate auf dem Spielfeld haben an Bedeutung verloren. Verletzungsfrei zu bleiben und die Freundschaft innerhalb des Teams seien ihr heute wichtiger, sagt Lüscher. Auch den Aufwand früherer Jahre mag sie nicht mehr betreiben. Aus diesen Gründen hat sie im letzten März nach drei Jahren vom NLA-Club GC zu Aarau gewechselt. «In Aarau kannte ich fast alle, auch die Wege sind durch den Wechsel kürzer geworden», sagt Lüscher, die seit August als Kaufmännische Angestellte für den Familienbetrieb arbeitet und eine Weiterbildung für das Handelsdiplom absolviert.

Obwohl sie Vollzeit arbeitet, kommt der Fussball nicht zu kurz. Dafür sorgt auch Freund José, der beim zürcherischen SC Veltheim als Trainer tätig ist. «Seine Familie stammt aus Portugal, da ist Fussball fast immer Thema Nummer 1», sagt Lüscher.

Ein Thema könnte auch wieder die Nationalliga A werden. Angebote von Spitzenteams erhält Lüscher noch immer. Doch vielleicht ist dazu nicht einmal ein Vereinswechsel notwendig. Aaraus Frauen haben durchaus das Potenzial, den Sprung in die höchste Liga zu schaffen. Am Samstag (20 Uhr) empfangen sie das Team vom FC Neunkirch zum NLB-Spitzenspiel.