Badminton
Ayla Husers Lust und Frust vor ihrer EM-Premiere in Russland

Die 21-jährige Ayla Huser vom Team Argovia zählt an den Europameisterschaften in Kasan zum fünfköpfigen Schweizer Kader. Im Doppel tritt sie mit Sabrina Jaquet an, mit der sie den Schweizer Meistertitel geholt hat.

Andreas Fretz
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Die 21-jährige Ayla Huser vom Team Argovia.

Die 21-jährige Ayla Huser vom Team Argovia.

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Ayla Huser weiss nicht so recht, ob sie sich auf das bevorstehende Ereignis freuen soll, oder ob doch die Enttäuschung in ihr überwiegt. Freuen, weil sie am Mittwoch im russischen Kasan erstmals an einer Elite-EM an den Start geht. Oder ärgern, weil es nicht für die Qualifikation im Einzel gereicht hat. Nach dem verletzungsbedingten Out ihrer Natikollegin Nicole Schaller machte sich die 21-Jährige Hoffnungen, als zweite Schweizerin ins Einzelfeld nachzurücken. Doch dann erfuhr Huser, dass ihr Ranking dafür nicht ausreicht. Ein Platz in den Top 150 der Welt wäre gefordert gewesen. Die Spielerin vom Team Argovia ist die Nummer 173. «Den frei gewordenen Platz erbt nun eine andere Nation. Leider», seufzt Huser.

Gemeinsam mit Sabrina Jaquet

Dennoch zählt Huser zum fünfköpfigen Schweizer Kader, das am Montag in die russische Millionenstadt gereist ist, wo am Mittwoch die Europameisterschaften beginnen. Im Frauendoppel tritt sie gemeinsam mit Sabrina Jaquet, der Schweizer Nummer 1, an. Seit dem vergangenen Sommer spielen die beiden zusammen, sind amtierende Schweizer Meister und haben sich in der Weltrangliste auf Position 83 hochgekämpft, obwohl beide Einzelspezialistinnen sind. In der ersten Runde wartet das Duo Nelte/Herttrich aus Deutschland auf die Eidgenossinnen. «Sie liegen in der Weltrangliste 40 Ränge vor uns. Aber nichts ist unmöglich», sagt Huser. Eines werde sie bestimmt nicht tun: Mit einer negativen Einstellung in ihre erste EM-Partie gehen.

Mit 16 Jahren ausgezogen

Dass vor der ersten EM-Teilnahme auch etwas Frust über die verpasste Einzel-Qualifikation mitschwingt, zeigt, wie ambitioniert die junge Frau ihren Weg geht. Bereits mit 16 Jahren zog die Buochserin NW von zu Hause aus, um auf die Karte Badminton zu setzen. Dieser Schritt in die Selbstständigkeit forderte viel Mut. Auch, weil ihr Vater eine konventionelle Laufbahn bevorzugt hätte. «Aber ich habe meinen Kopf durchgesetzt», sagt Huser. Sie zügelte nach Bern, weil dort der Stützpunkt der Nationalmannschaft ist und weil sie am Gymnasium Neufeld den Stundenplan ihren Bedürfnissen anpassen konnte.

Konzentration auf den Sport

Seit der Saison 2011/12 gehört Huser dem Elite-Kader der Nationalmannschaft an. Im Sommer 2013 schloss sie das Gymnasium ab und beschloss, ein Jahr voll auf die Karte Badminton zu setzen, bevor sie das Sportstudium an der Uni Bern in Angriff nimmt. Ende Saison will Huser, die vor Jahresfrist mit dem Team Argovia Schweizer Meister wurde, in den Top 150 der Welt angekommen sein. Längerfristig sollen es die Top 50 und die Teilnahme bei den Olympischen Spielen 2020 sein. Ihren Zielen ordnet sie vieles unter. Als sie in Bern in einer WG mit lauter Nichtsportlern lebte, wurde ihr bewusst, wie anders ihr Leben ist, auf wie viel Freizeit sie verzichtet. Die WG harmonierte nicht, nun lebt sie mit einem Teamkollegen vom Team Argovia zusammen.

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