Challenge League

Auswärtsspiel gegen Kriens: Ein Sekundarlehrer lässt den FC Aarau zittern

Das Aushängeschild des SC Kriens: Nico Siegrist.

Macht SC Kriens-Stürmer Nico Siegrist am Samstag (18.30 Uhr, im AZ-Liveticker) gegen seinen früheren Verein erneut den Unterschied aus? Drei Kapitel, die typisch sind für die Geschichte der Karriere des 28-jährigen Luzerners.

Das erste Kapitel: Am 1. Februar 2012 wechselt Siegrist mit einem Leihvertrag vom FC Luzern zu Aarau. Die «Aargauer Zeitung» schreibt vom besten Transfer in den vergangenen zehn Jahren. Einige Monate später ist an gleicher Stelle von einem Missverständnis die Rede. Siegrist sei nur noch ein Schatten seiner selbst. Schliesslich läuft seine Zeit beim FC Aarau Ende Saison 2011/12 ab.

Das zweite Kapitel: Am 4. August 2018 gastiert der SC Kriens im Brügglifeld. Der Aufsteiger schlägt den FC Aarau 2:0. Siegrist zeigt eine überragende Leistung und erzielt den ersten Treffer. Nach dem Schlusspfiff wird er zum Mann des Spiels gekürt und ist in aller Munde. Ein Knirps eilt zu Siegrist und bittet ihn um das Trikot. «Tut mir leid», sagt er. «Wir haben in Kriens gerade mal ein Trikot pro Saison zur Verfügung. Es ist besser, wenn du zu einem Spieler des FC Aarau gehst. Die Aarauer haben mehr Geld und mehr Trikots als die Krienser.»

Das dritte Kapitel: Während der Nacht des Schweizer Fussballs in Luzern Ende Januar 2019 wird Siegrist ins Dream Team der Challenge League 2018 gewählt. Die Wahl in die Top-Elf der zweithöchsten Spielklasse ist der Lohn für konstant starke Leistungen. Goalgetter Siegrist erzielt in der Saison 2018/19 sage und schreibe 16 Treffer und gibt elf Torvorlagen. Das Spezielle an seiner Person: Siegrist ist seit seinem Wechsel vom FC Biel zu Kriens 2015 kein Berufsfussballer mehr, sondern nur noch Amateur. Trotzdem heisst das Motto für den Kämpfer vom Dienst: je älter, je besser!

Nico Siegrist, welches der drei Kapitel ist Ihnen in Erinnerung geblieben? Der 28-Jährige lächelt schelmisch und sagt: «Ich erinnere mich an alle drei Kapitel. Aber ich gehe davon aus, dass Sie mit mir in erster Linie über meine Zeit beim FC Aarau sprechen möchten. Was ich im Brügglifeld erlebt habe, ist typisch für den Fussball. Es gibt wohl kein treffenderes Beispiel für die Schnelllebigkeit in diesem Geschäft als meines in Aarau.» Was ist damals passiert? «Am Anfang lief alles wie am Schnürchen», blickt Siegrist zurück. «Dann schoss ich zwei, drei Spiele keine Tore mehr. Plötzlich sass ich auf der Ersatzbank. Ich war damals gerade mal zwanzig Jahre alt und reagierte emotional. Und weil es im Fussball keine Sentimentalitäten gibt, war für mich das Kapitel FC Aarau Ende Saison schon zu Ende.»

80-Prozent-Pensum als Sekundarlehrer

Es ist etwas mehr als sieben Jahre her, seit Siegrist im Dress des FC Aarau gespielt hat. Nun kommt es morgen Samstag (Anpfiff: 18.30 Uhr) zum Wiedersehen. Siegrist trifft mit dem SC Kriens auf seinen früheren Verein. «Die Vorfreude ist gross», sagt er. «Die Spiele Kriens gegen Aarau sind etwas Besonderes. Ich habe an den FC Aarau zwar nicht die beste Erinnerung, aber es ist ein cooler Verein. Mit Markus Neumayr und Elsad Zverotic habe ich früher zusammengespielt. Stefan Maierhofer ist ein spezieller Typ. Und Trainer Patrick Rahmen kenne ich aus gemeinsamen Zeiten beim FC Biel. Mit ihm haben die Aarauer einen Trainer und Menschen der Extraklasse.»

Siegrist freut sich also auf den FC Aarau. Ob sich der FC Aarau auf Siegrist freut, ist fraglich. Es ist gut möglich, dass der torgefährliche Vollblutstürmer ein weiteres Mal den Unterschied ausmacht. In dieser Saison schoss der Luzerner trotz Verletzungspech schon zwei Tore. Siegrist brennt auf die Partie und wird Vollgas geben. Pikant: Beim 1:2 vor einer Woche gegen Aufsteiger Stade-Lausanne-Ouchy sass der 28-Jährige während 75 Minuten auf der Ersatzbank. Wetten, dass Trainer Bruno Berner sein Aushängeschild gegen den FC Aarau von Beginn an einsetzen wird?

Siegrist war Anfang der 2010er-Jahre eines der grössten Talente im Schweizer Fussball. Seit dem Transfer von Biel zum SC Kriens vor gut vier Jahren setzt der Stürmer allerdings nicht mehr voll auf die Karte Fussball. Oberste Priorität hat sein 80-Prozent-Pensum als Sekundarlehrer in Hitzkirch. Momentan schreibt er ausserdem an seiner Master-Arbeit für Sportwissenschaften. Ein Comeback als Profi ist in weite Ferne gerückt. An das Ende seiner aktiven Karriere denkt er momentan nicht. Dieses Thema kommt frühestens im März nächsten Jahres auf den Tisch. «Dann werde ich mit Kriens-Sportchef Bruno Galliker über meine Zukunft sprechen», sagt Siegrist.

Mal schauen, wie lange Nico Siegrist die Challenge League noch aufmischen wird. Bleibt bei allem Lob für den «Feierabendkicker» aber doch die Frage, ob der Stürmer aus seinem Talent in den vergangenen Jahren zu wenig gemacht hat. «Rein fussballerisch betrachtet hätte ich mit meinen Fähigkeiten mehr herausholen können, ja sogar müssen», gibt er sich selbstkritisch. «Trotzdem bin ich zufrieden. Ich bereue jedenfalls nichts, bin mir und meiner Art immer treu geblieben und kann jeden Morgen und jeden Abend in den Spiegel schauen.»

Neun Spiele, elf Punkte: Der FCA-Talk nach einem ernüchternden ersten Saison-Viertel – diesmal mit Sportreporter Ruedi Kuhn und AZ-Chefredaktor Rolf Cavalli.

Neun Spiele, elf Punkte: Der FCA-Talk nach einem ernüchternden ersten Saison-Viertel – diesmal mit Sportreporter Ruedi Kuhn und AZ-Chefredaktor Rolf Cavalli.

Autor

Ruedi Kuhn

Ruedi Kuhn

Meistgesehen

Artboard 1