Die Betroffenheit in der Handballszene über seinen Tod ist riesig: Mit Martin Pauli verliert die Sportart eine der prägendsten Figuren der letzten Jahrzehnte. Der in Erlinsbach wohnhafte Pauli starb diese Woche 67-jährig. Zu seinen Weggefährten zählte auch der frühere Trainer des TV Suhr und ehemalige Coach der Nationalmannschaft, Urs Mühletaler. «Martin war ein aussergewöhnlicher Mensch. Immer hart in der Sache, aber herzensgut. Er war, um es auf Berndeutsch auszudrücken, ‹en Siebesiech›.» Mühletaler und Pauli arbeiteten in der Nationalmannschaft, beim TV Suhr und den Spono Eagles zusammen.

Die Handballbegeisterung wurde Martin Pauli, der bis zu seiner Pensionierung als Sekundarlehrer in der Kreisschule Buchs-Rohr arbeitete, früh in die Wiege gelegt. Sein Vater Godi Pauli war Bezirkslehrer in Buchs und Mitgründer des HV Rotweiss Buchs. Vater Pauli, als Aktiver NLA-Grossfeldhandballer, amtete auch als Nationaltrainer. Martin stand im Tor des HV RW Buchs. Nach der Aktivkarriere war er beim TV Zofingen (damals noch in der Nationalliga A mit Spielern wie Zlatko Portner und Lukas Loretz) tätig, einen ersten Karrierehöhepunkt erlebte er beim TV Suhr, wo er mit dem koreanischen Nationaltorhüter Suik Huong Lee zwei Mal Schweizer Meister wurde. Unvergessen sei diese Zeit, sagt Michael Conde, der Sportchef des HSC Suhr Aarau. Ihn verband eine über 40-jährige Freundschaft mit Martin Pauli.

Durch «Paulis Schule» gingen auch andere bekannte Torhüter wie Claudio Boccarelli und Raphael Aeberhard, später ein starkes Duo beim TV Endingen, oder Andi Merz (Thun) und Tobias Wipf (Stäfa). Als Torhütertrainer der Nationalmannschaft betreute er den Suhrer Dani Lehmann, den Zofinger Patrick Bläuenstein, die Basler Pascal Stauber und Rolf Dobler sowie andere Grössen wie Christian Meisterhans oder Antoine Ebinger. «Die Qualität der Schweizer Handballgoalies wäre ohne Pauli nicht auf dem dem Stand, wie er heute ist», sagt Urs Mühletaler.

Seine letzte Station war der TV Endingen: Mit Zoltan Cordas war Pauli über sieben Jahre Torhütertrainer der 1. Mannschaft. Bei den Surbtalern begleitete und formte er Torhütergrössen wie Dominic Rosenberg oder Dario Ferrante. «Er hat sie unterstützt, gefördert und gefordert», sagt der Geschäftsführer des TV Endingen, Christian Villiger. Zusammen mit Cordas wechselte Pauli danach zum TV Möhlin. Nachdem Cordas nach Österreich ging, kehrte Pauli wieder zum TV Endingen zurück.

Schweigeminute vor dem Spiel

Die Mannschaft würdigt den Menschen Martin Pauli und sein Schaffen in einem rührenden Beitrag auf Facebook. «Wir sind unfassbar traurig», sagt Christian Villiger stellvertretend für den gesamten Verein. Obwohl Martin Pauli zuletzt von der Krankheit geschwächt war, verpasste er kein Training. «Er wollte die Playoffs noch unbedingt im Krankenbett mitverfolgen», so Villiger. «Sein letzter Wunsch wurde ihm nun nicht mehr vergönnt.» Für die Nationalliga-B-Partie am Samstag zwischen Endingen und Baden wird es vor dem Spiel eine Trauerminute geben.