«Was passiert mit diesen zwei FCA-Profis?» Diese Frage stellt die «Aargauer Zeitung» im Anschluss an das 0:3 des FC Aarau in Genf. Gemeint sind Zoran Josipovic und Alessandro Ciarrocchi, die zwei Stürmer, die im Stade de Genève trotz nur 13 gesunden Feldspielern auf der Bank sitzen und nach ihren Einwechslungen mehr Schaden anrichten, statt zu helfen.
Zwei Wochen sind seither vergangen. Und in den Personalien Josipovic und Ciarrocchi ist tatsächlich viel passiert.

Der eine, Zoran Josipovic, verlässt den FC Aarau vergangene Woche. Ein Abgang mit Ansage und einer, der ihm von der sportlichen Führung nahe gelegt wurde: Denn Josipovic war im Sturmzentrum nur noch vierte Wahl. Bei den Versuchen, ihn auf dem Flügel einzusetzen, hat er nichts zustande gebracht. Schade um das Talent des 22-Jährigen, der den FCA mit etwas mehr Ernsthaftigkeit bei der Berufsausübung hätte bereichern können. Für eine kleine Ablösesumme (Sportchef Sandro Burki: «Für uns ein guter Deal») schliesst sich Josipovic seinem Stammklub FC Chiasso an. Bei den Tessinern dürfte er vorerst als Sturmspitze gesetzt sein und am 20. September ausgerechnet im Heimspiel gegen den FC Aarau sein Debüt im Chiasso-Dress feiern.

«Charakter gezeigt»

Auch im Fall von Alessandro Ciarrocchi steht in der ersten Woche der Länderspielpause ein Wechsel im Raum. «Ja, das war ein Thema», bestätigt der Winterthurer gegenüber der «AZ», fügt aber sogleich an: «Für mich jedoch nicht! Ich habe dem Trainer und dem Sportchef gesagt, dass ich die Zeichen erkannt habe und mich durchbeissen wolle.»

Vor der Länderspielpause ist Ciarrocchi ein Sinnbild für die schwachen und sieglosen Auftritte des FC Aarau: Dem bulligen und grossgewachsenen Stürmer verspringen reihenweise die Bälle, weder ein Assist geschweige denn ein Tor gelingen ihm. Ciarrocchi, in der Blütezeit ein Stürmer mit viel Wasserverdrängung, wirkt wie aus der Zeit gefallen.

Alessandro Ciarrocchi

Alessandro Ciarrocchi war gegen Wohlen die grosse Figur

Alessandro Ciarrocchi

Und dann steht dieser Ciarrocchi im Derby gegen den FC Wohlen in der Startaufstellung! Der Mann, der zuvor im Ernstkampf so enttäuscht hat, soll Marinko Jurendic in diesem auch für den Trainer kapitalen Spiel zum Befreiungsschlag verhelfen. Jurendic wird nach dem Spiel sagen: «Bobo (Ciarrocchis Spitzname; d. Red.) hat Charakter gezeigt und hervorragend trainiert, darum hat er gespielt.»

Das Tor für FC Aarau zum 2:0 von Alessandro Ciarrocchi

  

FC Aarau: Erlösung nach Katastrophen-Saisonstart

Ein diskutables Foul verschafft den Aarauern die Chance zum Vorsprung – und die nutzen sie voll. Mit einem 2:0 verweisen die Jungs den FC Wohlen in die Schranken.

Trotzdem: Ein gewagter Schachzug von Jurendic! Doch einer, der sich auszahlt. In der ersten Halbzeit ist Ciarrocchi noch der Beste einer schwachen Aarauer Mannschaft, nach dem Seitenwechsel dreht er auf und wird zum Matchwinner: Ciarrocchi hält und verlängert Bälle, er feuert an, spielt hervorragende Pässe, ihm gelingen zahlreiche Dribblings – und er trifft: In der 80. Minute zieht er nach Garats Zuspiel vom rechten Flügel nach innen, hält sich Wohlen-Verteidiger Elvedi vom Leib und trifft mit einem harten und präzisen Flachschuss in die nahe Ecke zum 2:0.

Gute Aussichten

«Die letzten Wochen waren für die Mannschaft schwierig, aber auch für mich persönlich», sagt Ciarrocchi nach dem Schlusspfiff. Er steht vor der Garderobe im Stadionbauch, jeder der vorbeigehenden Teamkollegen klopft ihm auf die Schultern. Alle gönnen dem in der Mannschaft sehr geschätzten Ciarrocchi diesen Auftritt.

Von Ciarrocchis Schultern ist ein grosser Stein gefallen

Von Ciarrocchis Schultern ist ein grosser Stein gefallen

Der 29-Jährige sagt: «Den FC Aarau verlassen, das wollte ich auf keinen Fall. Ich fühle mich hier wohl und will unbedingt mithelfen bei der Wiedergutmachung des Schadens, den wir angerichtet haben. Und das heisst: Bis zur Winterpause wollen wir aus dem Tabellenkeller raus sein.» Ihm sei nach der Reise vor zwei Wochen nach Genf klar geworden, dass er mehr machen müsse. «Ich sagte mir: Nur wenn ich meinen Willen beweise, habe ich noch eine Chance. Ich habe in der Länderspielpause alle Energie reingeworfen. Das Tor im Derby ist eine schöne Belohnung.»

Ein Extralob gibt es vom Trainer: «Er hat die richtige Antwort auf die Kritik gegeben und in unserer Situation die richtige Mentalität gezeigt.» Marinko Jurendic weiss: Erreicht ist nach dem Derbysieg noch nichts. Nur mit Spielern, die nach dem ersten Saisonsieg auf dem Boden bleiben und sich der immer noch bedrohlichen Tabellensituation bewusst sind, findet der FC Aarau zeitnah aus der Abstiegszone. Gute Aussichten für Alessandro Ciarrocchi, der allem Anschein nach die Zeichen der Zeit erkannt hat.