Fussball
Aus der Bundesliga in den Aarauer Schachen

Aarau Vivien Wagner kämpft mit den FC-Aarau-Frauen um den Aufstieg in die Nationalliga A.

Fabio Baranzini
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Vivien Wagner fühlt sich im Team der Frauen des FC Aarau wohl. Fabio Baranzini

Vivien Wagner fühlt sich im Team der Frauen des FC Aarau wohl. Fabio Baranzini

Fabio Baranzini

Vivien Wagner hat bereits in der Bundesliga gespielt. Trotzdem sieht die 19-jährige Deutsche den Wechsel nach Aarau nicht als Rückschritt. Die 1. Bundesliga in Deutschland ist das Nonplusultra im Frauenfussball. Die Besten der Besten geben sich dort die Ehre. Es erstaunt daher nicht, dass es für viele Schweizer Fussballerinnen ein grosser Traum ist, die heimische Liga verlassen zu können und dafür in der Bundesliga aufzulaufen. Umso merkwürdiger ist es daher, dass Vivien Wagner den umgekehrten Weg eingeschlagen hat. Bereits im Alter von 17 Jahren hatte sie nämlich den Sprung in die 1. Bundesliga geschafft. Beim Aufsteiger SC Sand absolvierte sie in der Saison 2014/15 mehrere Spiele in der obersten Spielklasse.

Und jetzt – ein Jahr später – spielt Vivien Wagner bei den FC-Aarau-Frauen und kämpft mit dem jungen Team um den Aufstieg in die Nationalliga A. Doch wie um alles in der Welt kommt eine talentierte Fussballerin aus Deutschland, die bereits in der besten Liga der Welt gespielt hat, auf die Idee, bei einem Schweizer Nationalliga-B- Team anzuheuern?

«Das ist eine etwas komplizierte Sache», sagt Vivien Wagner lachend und beginnt zu erzählen. Nachdem beim Aufsteiger Sand nach einer schwachen Vorrunde der Trainer entlassen wurde, teilte ihr der neue Mann an der Seitenlinie zum Ende der letzten Saison mit, dass ihr Niveau noch nicht ausreiche, um sich in der 1. Bundesliga durchzusetzen. Wagner suchte sich einen Club in der zweithöchsten Spielklasse und wurde beim TSV Crailsheim fündig. Doch glücklich wurde sie dort nicht. «Der Leistungsunterschied zur 1. Bundesliga war enorm. Ich konnte mich dort schlicht nicht verbessern», so Wagner. Bereits nach wenigen Monaten war für sie klar: Sie will so schnell wie möglich den Verein wechseln.

Überrascht vom Niveau

Da kam das Angebot aus Aarau genau zum richtigen Zeitpunkt. Die Aarauer hatten bereits vor zwei Jahren erstmals Kontakt mit Vivien Wagner, die damals mit der südbayrischen Auswahl ein Testspiel in Aarau gegen die FCA-Frauen bestritten hatte, und luden sie zu zwei Probetrainings ein. Wagner war sofort begeistert von der Qualität der Mannschaft und der Trainings. «Ich war echt überrascht. Das Team ist sehr talentiert und das Niveau ist besser als jenes in der 2. Bundesliga», sagt Wagner. Dennoch fiel ihr der Entscheid, nach Aarau zu wechseln, nicht leicht. «Sportlich war ich mir sicher, dass Aarau die richtige Adresse ist, aber die Frage, ob ich wirklich ins Ausland wechseln sollte, bereitete mir anfänglich etwas Bauchschmerzen», so Wagner.

Am Ende überwogen die sportlichen Argumente und Wagner entschied sich für den Wechsel in die Aargauer Kantonshauptstadt. Nicht zuletzt auch wegen ihren neuen Teamkolleginnen. «Für mein erstes Probetraining sind sieben Spielerinnen extra wegen mir gekommen, damit ich sehen kann, wie gut in Aarau Fussball gespielt wird. Das hat mich begeistert», so Wagner, die in Erlinsbach wohnt und neben den sechs Trainings pro Woche bei einer Firma in Rothrist ein 60-Prozent-Pensum bestreitet.

Ziel: Rückkehr in Bundesliga

Die 19-Jährige ist zufrieden mit ihrem Entscheid, nach Aarau zu kommen. «Ich habe noch nie einen so guten Teamzusammenhalt erlebt wie hier und auch die Trainings sind super», sagt Wagner. «Ich war mir anfangs sicher, dass ich nach einem halben Jahr wieder zurück in die Bundesliga wechseln werde, aber mittlerweile gefällt es mir echt gut und wenn ich hier weiter Fortschritte machen kann, kann ich mir vorstellen, länger zu bleiben.» Dennoch ist klar: Die Rückkehr in die 1. Bundesliga bleibt das grosse Ziel von Vivien Wagner.