Der Satz kam überraschend: Die gegenwärtige Euphorie, sie störe ihn, sagte Wohlen-Trainer Francesco Gabriele während des Trainingslagers im spanischen Campoamor. Überraschend darum, weil sie für ihn doch so eine Genugtuung hätte sein können: die kurzfristige Rettung des FC Wohlen.

Der Italiener kam im Herbst, um die Freiämter zu reanimieren. Erst verschärfte sich die Krise. Dann: ein Befreiungsschlag nach dem anderen. Neun Punkte Vorsprung auf das Schlusslicht hatte der FC Wohlen plötzlich, als Gabriele den eingangs genannten Satz formulierte.

Heute, etwas mehr als einen Monat später, ist die Euphorie weg. Gabriele lehnt sich im Kabinentrakt an eine Wand und arbeitet die jüngste Darbietung seiner Mannschaft auf. 0:2 gegen Servette. Es ist die fünfte Niederlage in Serie. «Ich habe diesen Satz damals gesagt, weil ich die Situation realistisch einschätzen konnte», sagt der Italiener. Er erinnert, dass die siegreichen Spiele vor der Winterpause ähnlich knapp gewesen seien wie jene, die der FC Wohlen zuletzt verlor.

«Ich blende die Entwicklungen in Wil aus.»

Francesco Gabriele blickt dem Challenge-League-Derby gegen Aarau gespannt entgegen.

«Ich blende die Entwicklungen in Wil aus.»

Viel fehle nicht, sagt der Trainer. Zudem müsse man beachten, wer die letzten Gegner waren. Ja, der FC Wohlen spielte gegen die vier besten Mannschaften der Challenge League. Deren Auftritte gegen die Freiämter waren aber alles andere als unwiderstehlich. Wohlens Polster auf den Abstiegsplatz ist mittlerweile auf einen Zähler geschmolzen. Panik? Nein. Da ist ja auch in dieser Spielzeit ein Team, das dem FC Wohlen hilft, sein Saisonziel zu erreichen: der FC Wil.

Wegen finanzieller Probleme droht in der Ostschweiz bereits in dieser Woche das Lichterlöschen. Gleichbedeutend mit dem Wegfall eines sportlichen Absteigers. «Ich blende die Entwicklungen in Wil aus», sagt Trainer Gabriele.

Der FC Wohlen wolle seine Ligatauglichkeit auf dem Rasen beweisen. Einer, der zugibt, dass man den designierten Absteiger Wil nicht gänzlich ausblenden kann, ist Goalie Joël Kiassumbua. Er sagt, dass man nicht darum herumkomme. Dennoch sei das Risiko zu gross, sich auf den FC Wil zu verlassen.

Die Freiämter hatten in der Rückrunde noch nicht viel zu bejubeln.

Die Freiämter hatten in der Rückrunde noch nicht viel zu bejubeln.

Aufstehen will der FC Wohlen nun, sich nach der Krise im Spätsommer ein zweites Mal in dieser Saison von einer einschneidenden Niederlagenserie rehabilitieren. Der Druck, Punkte liefern zu müssen, könnte nächstes Wochenende in Chiasso vielleicht schon weg sein. Wils Kapitulation wird in dieser Woche erwartet. Doch für den FC Wohlen geht es um mehr als nur den Ligaerhalt. Um ziemlich viel Geld genau genommen.

Ab diesem Sommer werden den Challenge-League-Klubs dank den neuen TV- und Marketingverträgen insgesamt 6,5 Millionen Franken ausgeschüttet. Also mehr als doppelt so viel wie bis anhin. Die Entschädigungen setzen sich aus drei Säulen zusammen: einem solidarischen Sockelbetrag, der allen Klubs 500 000 Franken einbringt, einer abgestuften Ranglistenprämie und einer weiteren Entschädigung, wenn die technischen Vorgaben eingehalten werden.

Heute für morgen spielen

Wird der Wiler Konkurs also Tatsache, stehen die Freiämter vor allem für ihren Buchhalter auf. Je besser die Rangierung, desto höher wäre dieser Zuschuss. Bliebe Wohlen bis zum Ende der Saison auf Rang acht, so gäbe es maximal eine Entschädigung von 600 000 Franken. Scheidet Wil wie erwartet aus dem Meisterschaftsbetrieb aus, wäre bei einer idealen Restsaison Platz fünf noch möglich.

Das würde dann eine Entschädigung von 650 000 Franken bedeuten. 50 000 Franken Unterschied also. Eine beachtliche Summe, die sich der FC Wohlen für die nächste Saison sichern könnte. Heute schon für morgen spielen, so lautet deshalb die neue Devise. Dasselbe gilt für Trainer Francesco Gabriele.

Der 40-Jährige weiss, dass die kommenden Wochen auch darüber entscheiden, ob er über den Sommer hinaus im Freiamt walten darf. Entscheidend wird neben der Meinung von Ehrenpräsident René Meier auch jene von Präsident Lucien Tschachtli sein, dem Buchhalter des Klubs.