Fussball
Auf Urs Meiers Spuren: So werden Aargauer Schiris auf Leistung getrimt

Der Aargauische Fussballverband (AFV) lässt seine Schiedsrichtertalente neu von Fachärzten professionell untersuchen und begleiten. Ein Konzept, das schweizweit auf positive Reaktionen stösst.

Jonas Manouk
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Schiedsrichter-Talent Johannes von Mandach im Leistungscheck.

Schiedsrichter-Talent Johannes von Mandach im Leistungscheck.

Die Diskussion über eine mögliche Professionalisierung der Schiedsrichter in der Schweiz ist schon etliche Jahre im Gange – gleichzeitig wurde die Kritik der Öffentlichkeit an den Leistungen der Spielleiter tendenziell lauter. Diesem negativen Trend möchte nun der Aargauische Fussballverband (AFV) mit einer neuen Initiative entgegenwirken.

Im vergangenen Winter rief Luigi Ponte, Präsident der Aargauer Schiedsrichterkommission, ein Projekt ins Leben, welches die Leistung der Aargauer Schiedsrichter künftig markant steigern soll. «Die Meinung der breiten Öffentlichkeit ist noch immer die, dass ein Schiedsrichter nicht wirklich intensiv trainiert, 90 Minuten etwas herumjoggt und sich dann wieder eine Woche ausruht», betont Ponte. «Mit dem Projekt wollen wir unter anderem auch diese Wahrnehmung verändern.»

Praktiken wie in der Super League

12 ausgewählte Schiedsrichtertalente aus dem Aargau wurden in der vergangenen Woche in der Rehaklinik Bellikon intensiv auf ihre Kraft-, Ausdauer-, Schnelligkeits- und Koordinationsfähigkeiten durchgecheckt.

Koordiniert wird das Projekt von der renommierten Leiterin der Sportmedizin und Rehabilitation, Regina Schelble. Mit den Erkenntnissen aus dieser Leistungsdiagnostik werden die Schiedsrichter in den kommenden drei Monaten in ihrem individuellen Training von Schelble und ihrem Team aus Sportphysiotherapeuten und Bewegungswissenschaftlern begleitet, sodass ein möglichst grosser Fortschritt erzielt werden kann.

Dabei werden die Talente in jedem Training Pulsuhren tragen, damit ihre Leistungen stets überwacht werden können.

«Eine tolle Sache»

Auch beim Schweizerischen Fussballverband (SFV) findet die Idee von Luigi Ponte grossen Anklang. Daniel Käser, Leiter des Schiedsrichterdepartements des SFV, schwärmt: «Ich finde das eine tolle Sache. Es zeigt auf, dass die Verantwortlichen erkannt haben, dass vor allem auch im Bereich Leistung Verbesserungspotenzial vorhanden ist.»

In der Super League (SL) absolvieren die Schiedsrichter ebenfalls regelmässige medizinische Tests. «Pierre-Etienne Fournier, Chefarzt der Suva-Klinik in Sion, koordiniert und überwacht diese Aktivitäten», erklärt Käser. «Zudem haben wir einen Fitnesscoach, der wöchentlich die Trainingsdaten der SL-Schiedsrichter auswertet. Diese erhalten vom Coach individuelle Trainingspläne und Vorschläge, wie sie sich weiter verbessern können.»

Schritt in die richtige Richtung

Die Aargauer Fussballgemeinde lechzt geradezu nach einem neuen Topschiedsrichter, der in die Fussstapfen von Persönlichkeiten wie Urs Meier oder Kurt Röthlisberger treten kann. Mit der Lancierung des Leistungsdiagnostikprojekts ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung gemacht worden.