Fussball
Auf Schultern durchs Wankdorf: Aleksandrovs denkwürdigster Moment

Ex-Aarau-Stürmer Petar Aleksandrov spricht in der Rubrik «Spiel des Lebens» über seine vier Tore 1993 gegen YB in der viertletzten Meisterschafts-Runde.

Jan Arnet (aufgezeichnet)
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Drei Runden nach dem Spiel in Bern gabs im Brügglifeld kein Halten mehr: Meisterfeier von 1993 mit Trainer Rolf Fringer und Kultfigur Petar Aleksandrov.

Drei Runden nach dem Spiel in Bern gabs im Brügglifeld kein Halten mehr: Meisterfeier von 1993 mit Trainer Rolf Fringer und Kultfigur Petar Aleksandrov.

KEYSTONE

«Es war die viertletzte Runde der Nationalliga-A-Finalrunde im Jahr 1993. Wir Aarauer waren im Wankdorf zu Gast bei den Young Boys. Vor dem Spiel hatten wir in der Liga als Tabellenführer drei Punkte Vorsprung auf den Zweitplatzierten aus Bern. Bei einer Niederlage wäre YB nochmals bis auf einen Punkt – da damals noch die Zweipunkteregelung galt – an uns herangekommen. Ein Sieg jedoch hätte für uns die Vorentscheidung in der Meisterschaft bedeutet.

Wassmers Flanke zum Glück

Das Wankdorf war proppenvoll, auch sehr viele Aarau-Fans waren vor Ort. Unsere Mannschaft war topmotiviert, Rolf Fringer hat uns sehr gut auf die Aufgabe vorbereitet – wir wollten umsetzen, was ein ganzer Kanton von uns erwartet hatte.

Und wir starteten furios: Angetrieben vom Publikum gingen wir in der 21. Minute mit 1:0 in Führung – nach einer Flanke von Uwe Wassmer musste ich nur noch einnicken.

Nachdem die Berner kurz vor der Pause ausgleichen konnten und nach dem Seitenwechsel mit einem Pfostenschuss dem 2:1 näher standen als wir, kamen wir zu einem Entlastungsangriff. Rolf Meier lief über rechts, flankte in die Mitte und ich traf zur neuerlichen Führung.

Der Auswärtssektor bebte und auch ich war völlig aus dem Häuschen, sodass ich auf den Zaun kletterte und mich an der Hand verletzte. Nach einer kurzen Behandlungspause konnte ich aber weiterspielen.

Das schönste Tor ist das letzte

Nur drei Zeigerumdrehungen später war es wiederum Wassmer, der es aus der Distanz versuchte. Den Abpraller von YB-Torhüter Kobel konnte ich ungehindert abstauben – 3:1. Das Spiel war entschieden und wird konnten kurz vor Schluss gar noch zum 4:1 erhöhen.

Ryszard Komornicki war es, der mich nach einem YB-Corner mit einem langen Ball lancierte. Ich hatte nur noch Verteidiger Weber vor mir, umdribbelte ihn und schloss mit links ab. Das letzte Tor war auch der schönste meiner vier Treffer.

Nach Abpfiff nahm mich Torwart Hausi Hilfiker auf die Schultern und lief so durchs ganze Wankdorf. Die Aarau-Fans feierten uns und für mich war dies der schönste Moment meiner Karriere.

Für uns war nach dem Spiel klar, dass wir dem FC Aarau den ersten Meistertitel seit 1914 bescherten, auch wenn uns für die definitive Entscheidung noch zwei Punkte fehlten. Gefeiert haben wir diesen Sieg – wie immer, wenn es was zu feiern gab – in der Discothek «Concorde» im Aarauerhof.

Die zwei Punkte, die uns zum Titelgewinn noch fehlten, fuhren wir bereits beim nächsten Heimspiel gegen Sion ein. An dieses Spiel vom 25. Mai 1993 in Bern denke ich immer wieder gerne zurück.»

In der Rubrik « Spiel des Lebens » erzählen Persönlichkeiten aus der regionalen Sportszene von ihrem denkwürdigsten Wettkampf. Heute: Petar Aleksandrov (51), Fussballer, Aarau-Kultfigur in der Meistersaison 1993, 26-facher bulgarischer Nationalspieler.

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