Motorsport

Auf der Überholspur – Ricardo Feller hat in seiner ersten ADAC-GT-Masters-Saison überzeugt

Montag und Dienstag Berufsschule, Mittwoch bis Samstag arbeiten, am Sonntag Schularbeiten erledigen und nicht zu vergessen: die abendlichen Trainingseinheiten.

Klingt nicht gerade nach einem Zuckerschlecken – doch für Ricardo Feller ist dieses Mammutprogramm Alltag.

Wer jetzt aber denkt, der 17-jährige Aargauer sei deswegen gestresst, irrt sich gewaltig. Lässig schlendert er ins Autogeschäft seiner Eltern, begrüsst als erstes seinen Bobtail-Rüden Fritz und begibt sich dann ins Büro.

Rüde Fritz, gemäss Ricardo Feller der Familienmittelpunkt, ist an jedem seiner Rennen mit dabei, genau wie seine Eltern. Die ganze Familie steckt viel Herzblut in den Rennsport – das zeigen auch die riesigen Poster und Fotos von Sohn Ricardo im Büro der Eltern, die einem direkt ins Auge springen.

Ein überwältigendes Gefühl

Der Stolz ist verständlich, denn Ricardo ist der jüngste Fahrer in den ADAC GT Masters. Das letzte Rennen der Saison beendete er auf dem zwölften Schlussrang, seine bisherige Bestleistung. Doch für ihn ist das noch nicht genug – sein Ziel für die nächste Saison: die Top Ten, und das regelmässig.

Der Aargauer wirkt trotz seines jungen Alters abgeklärt und fast schon wie ein Profi. Sachlich analysiert er seine Saison: «Mein Team und ich haben viel gelernt. Die guten Trainingsansätze und Rennresultate gilt es mitzunehmen in die kommende Saison.» Diese Bescheidenheit ist typisch für Ricardo und wird auch von seinem Team geschätzt, sagt seine Mutter Senta. «Bei Ricardo stimmt einfach das Gesamtpaket.»

Nur zehn Trainingstage auf der Rennstrecke

Nur zehn Trainings absolvierte Ricardo Feller in dieser Saison auf der Rennstrecke. Dass er trotz dieser bescheidenen Anzahl gute Leistungen in den Rennen abrufen konnte, zeigt, wie viel Potenzial in ihm steckt.

Denn wohlgemerkt: Feller kam zur «Audi Sport racing academy» um von den Erfahrungen der anderen Fahrer zu profitieren. Dass er selbst zum «Teamleader» und somit zum Vorreiter werden würde, damit hatte niemand gerechnet. Ob er auch die neue Saison mit seiner schwedischen Rennpartnerin Mikaela Ahlin-Kottulinsky bestreiten wird, steht noch nicht fest.

Feller lebt für seinen Sport, das wird im Gespräch mit ihm sofort klar. «Ich geniesse jede Sekunde in meinem Auto, es ist ein überwältigendes Gefühl», sagt der 17-Jährige. Auch wenn er dafür in anderen Lebensbereichen einen Schritt zurückmachen muss. «Ich habe ein paar Kollegen, mit denen ich schon seit längerem wieder etwas unternehmen möchte, doch leider nicht die Zeit finde.» Seine Freunde zeigen jedoch viel Verständnis und unterstützen ihn.

Ebenso seine Sponsoren. «Mein Ziel ist es, dass alle Kosten die in der nächsten Saison anfallen, von Sponsorengeldern getragen werden. Ich will meine Familie nicht in den Ruin treiben», sagt Ricardo Feller lachend. Denn er ist sich bewusst, dass seine Eltern viel Zeit und Geld in ihn investieren.

Autogramme geben

Seine Sportlehre absolviert Feller in der Autogarage seiner Eltern. «Es ist nicht immer einfach, bei den Eltern zu arbeiten. Sie verlangen einiges mehr von mir, als sie von einem anderen Lehrling erwarten würden. Denn ich bin ihr Sohn, aber das ist normal.» Doch man merkt schnell, wie dankbar er seinen Eltern für diese Möglichkeit ist.

Der Rummel um seine Person hält sich (noch) in Grenzen. «Das ist auch gut so», sagt Ricardo. Trotzdem schätzt er die Autogrammstunden nach den Rennen. «Obwohl ich ein kleiner Schweizer bin, wollen Fans in Deutschland Autogramme von mir, das ist schon cool.»

«Möglichst schnell die Autoprüfung machen»

Feller hat als Rennfahrer klare Ziele. Wie es in seinem «normalen» Berufsleben nach der Lehre weitergehen wird, weiss er noch nicht. Private Pläne hat er aber bereits: «Ich will so schnell wie möglich die Autoprüfung machen», sagt der 17-Jährige, der auf öffentlichen Strassen noch nicht Autofahren darf.

«Es wäre eine Entlastung für meine Eltern. Sie müssten mich nicht mehr immer zu den Rennen chauffieren.» Bis es soweit ist, wird Ricardo nur auf den Rennstrecken unterwegs sein – in einem weissen Audi R8 LMS.

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