Curling
Auf den Spuren der Weltmeisterinnen

Das Badener Nachwuchsteam um Skip Meico Oehninger plant den Angriff auf die Weltelite. Dafür hat sich das Quartett eine Baden-Regio-Identifikationsfigur als Trainer zugelegt.

Calvin Stettler
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Das neue Curling Team
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Djie jungen Wilden im Einsatz.
Die vier sind auch im Training stets konzentriert.
Kämpfen um jeden Stein.

Das neue Curling Team

Calvin Stettler

Vier Rinks zählt die Curlinghalle des CC Baden Regio. Auf dem Äussersten observieren wir vier Jungs, leidenschaftlich diskutierend. Der eine spielt den Stein – perfekt ins Haus. Genugtuung macht sich breit. Drei Rinks weiter links debattiert eine Schar Kinder um die Ausführung des nächsten Steins. Ein Mädchen lässt den Stein am Haus vorbeigleiten. Die Diskrepanz könnte grösser nicht sein.

Zwei Rinks trennen Freizeit und Spitzensport. Denn das eingangs erwähnte Quartett hat nur ein Ziel: die Etablierung in der Schweizer Curling-Elite. Ohne ihren Trainer absolvierte das Team um Skip Meico Oehninger eine ihrer letzten Übungseinheiten vor dem ersten Ernstkampf in der neu formierten Equipe.

Doch der Reihe nach: Schon früh in der letzten Spielzeit beschlossen Oehninger und Marcel Käufeler, im Hinblick auf die neue Saison eine Mannschaft zu formieren. Eine, die voll angreift. Nach ihrem Sabbatjahr, sprich einer Pause vom Spitzencurling, war der Erfolgshunger zurück. Das Sondieren des Marktes begann. Pro Jahr seien zirka zehn, zwölf Spieler verfügbar, um sich einem neuen Quartett anzuschliessen.

«Nur fünf bis sechs kommen dann auch wirklich infrage», erklärt Oehninger. Marc Wagenseil und Raymond Krenger sollten letztlich das Nachwuchsprojekt ergänzen. Man kennt sich aus der Juniorenzeit.

Gegenwärtig ist es im Curling ein Privileg, einen Trainer als Stütze zu wissen, der auch zeitlich viel Bereitschaft zeigt. Deshalb schätzen die Curling-Talente umso mehr, dass sie mit Hansjörg Bless einen solchen gefunden haben. Einer, der sich wie die Jungs mit dem CC Baden Regio identifiziert. «In dieser Funktion werde ich selbst aber fast kein Curling mehr spielen», sagt Bless.

Alina Pätz’ Weg inspiriert

Auch wenn die Anfrage überraschend kam, stimme der Zeitpunkt für Bless’ erstes Trainerengagement. Er sieht das Potenzial, das im Team schlummert. Ein Training ohne ihn sei übrigens kein Problem: «Die Jungs sind Profis.» Bless müsse sie zuweilen gar bremsen. Im zwischenmenschlichen Bereich nimmt Bless in hitzigen Momenten gar eine Diplomatenrolle ein. «Man darf im Training nicht zu lieb miteinander sein, das bringt uns nicht weiter», so Skip Oehninger.

Dennoch, die Teamchemie basiert auf Kollegialität. Eine Freundschaft verbindet das Quartett auch mit der amtierenden Weltmeisterin und Klubmitglied Alina Pätz. Im Schatten des Teams Pätz stünden sie aber nicht. Man profitiert vom Austausch. Drei Jahre nach ihrer Neuformierung war sie Weltmeister. «Das gibt uns Hoffnung, dass wir Ähnliches erreichen können.»

Die ersten Schritte auf Weltklasseniveau macht das Herren-Team dieses Wochenende am renommierten Baden Masters. Oehningers Team räumt man in der Gruppe mit dem aktuellen Weltmeister und der besten Schweizer Equipe nur Aussenseiterchancen ein. Man will im Hinblick auf das Saisonziel (Aufstieg in die Swiss Curling League) vor allem Erfahrungen sammeln. Ein Exploit scheint nicht ausgeschlossen.