DER WEG NACH TOKIO

Auf den Goodwill der anderen angewiesen

Olympia-Kolumne «Der Weg nach Tokio», Michelle Heimberg

Michelle Heimberg peilt die Olympischen Spiele an.

Olympia-Kolumne «Der Weg nach Tokio», Michelle Heimberg

Die Olympischen Sommerspiele 2020 sind das grosse Ziel der vier Aargauer Athleten Oliver Hegi (Kunssturnen), Aline Seitz (Rad Bahn), Ciril Grossklaus (Judo) und Michelle Heimberg (Wasserspringen). In ihrer wöchentlich erscheinenden Kolumne geben sie abwechselnd Einblicke in ihren Alltag auf dem Weg nach Tokio. Diesmal Michelle Heimberg.

Das Wasserspringen ist bekanntlich in der Schweiz eine ziemliche Randsportart. Das äussert sich darin, dass man häufig zuerst einmal erklären muss, was das Wasserspringen überhaupt ist. Zudem sind auch die Unterstützung von extern sowie die verfügbaren finanziellen Mittel oftmals sehr begrenzt.

In den grösseren Verbänden ist es häufig so, dass alle Trainings­lager sowie Wettkampfreisen vom Verband bezahlt sind, die medizinische Betreuung gewährleistet ist und die Sportler dazu Erfolgsprämien erhalten. Im Wasserspringen bleibt das ein Traumszenario.

Fehlender Physiotherapeut

Bis auf die grösseren Wettkämpfe, Weltmeisterschaften und Europameisterschaften, werden die Wettkämpfe und Trainingslager grösstenteils durch die Athleten finanziert. Bei rund zehn Wettkämpfen pro Jahr, kommt da eine ordentliche Summe zusammen.

Ohne die Unterstützung Dritter könnte ich meinen Sport schon lange nicht mehr auf diesem Niveau ausüben. Die Unterstützung zeigt sich jedoch nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern durchaus im reinen Goodwill anderer.

An Wettkämpfen ist man oftmals in der Situation, dass der Körper durch die Reise, den hohen Druck aber auch den Wettkampfstress viel stärker beansprucht wird als im normalen Trainingsalltag. Unter diesen Gegebenheiten ist ausreichende Erholung besonders wichtig, um am Wettkampftag eine optimale Leistung zu erbringen. Vieles kann mit genügend Schlaf kompensiert werden, jedoch bei Weitem nicht alles. Denn die verspannten Muskeln oder die schmerzenden Schultern lösen sich nicht von selbst.

Da unsere Nationalmannschaft nur sehr selten die finanziellen Mittel hat, einen eigenen Physiotherapeuten mitzunehmen, müssen wir bei Bedarf bei den anderen Nationen vorstellig werden und uns eine physiotherapeutische Behandlung erbitten. Diese Behandlungen sind nur möglich, weil bekannt ist, dass wir Schweizer zu 80 Prozent ohne Physiotherapeuten anreisen müssen.

Erholung an Wettkämpfen verschlechtert sich

Je näher die Olympischen Spiele rücken, desto schwieriger wird es jedoch länderübergreifend Behandlungen zu erhalten. Denn jede Nation mobilisiert und nutzt sämtliche  zur Verfügung stehenden Ressourcen, um ihre eigenen Sportler optimal zu betreuen und so möglichst gut an die Olympischen Spiele zu bringen.

Folglich stehen uns keine Behandlungen mehr zur Verfügung und die Erholung an den Wettkämpfen verschlechtert sich ausgerechnet in dieser wichtigen Saison.

Diese Ausgangslage hat mich dazu gebracht, das Thema selber an die Hand zu nehmen, um meinen Traum auch weiterhin in Griffnähe zu halten. Mein Ziel ist es, über die für die Finanzierung von Schweizer Sportprojekten bekannte Crowdfunding-Plattform «I believe in you», 10000 Franken zu sammeln.

Mit diesem Betrag kann ich die medizinische Betreuung am Weltcup im April in Japan und dem vorangehenden Trainingslager gewährleisten.

Denn so kann ich mich voll und ganz dem Training widmen und dann – hoffentlich – diesen entscheidenden Qualifikationswettkampf erfolgreich bestreiten.

Hier können Sie Michelle Heimberg unterstützen.

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