FC Aarau

Auch das dritte Testspiel verloren, zu dünnes Kader und die nächsten Verletzten: Der FC Aarau hat mehrere Baustellen

Sportchef Sandro Burki (links) und Trainer Patrick Rahmen haben bis zum Saisonstart noch viel Arbeit vor sich

Sportchef Sandro Burki (links) und Trainer Patrick Rahmen haben bis zum Saisonstart noch viel Arbeit vor sich

Der Ausgang des Testspiels in Luzern (0:3) ist noch das geringste der Probleme, die den FC Aarau plagen: Die Goaliefrage ist weiterhin ungeklärt, Pepsi und Spadanuda fallen wochenlang aus und das Kader muss verstärkt werden, um die hohen Ambitionen zu gerechtfertigen.

Drittes Testspiel gegen einen Super-Ligisten, dritte Niederlage. Für den FC Aarau verläuft die Vorbereitung bislang diametral anders als vor einem Jahr. Damals gelang es, alle drei Vergleiche gegen Teams aus der höchsten Spielklasse zu gewinnen (GC, Thun, Basel). Heuer aber verliert der FCA nach den beiden Niederlagen am Samstag gegen Thun (0:1, 0:2) auch am Mittwochabend in Luzern.

Mit dem 0:3 in der Swisspor-Arena waren die Gäste gut bedient: Die je eine Halbzeit eingesetzten Jung-Goalies Marvin Hübel (16 Jahre alt) und Nicholas Ammeter (18 Jahre alt) verhinderten mit starken Paraden weitere Gegentore. Apropos Goalies: Bekanntlich steht noch nicht fest, wer in der nächsten Saison das FCA-Tor hüten wird. Erst wenn es eine Antwort gibt auf die Frage, ob Djordje Nikolic ein weiteres Jahr vom FC Basel ausgeliehen werden kann, wird Bewegung in die Sache kommen. Bis Ende dieser Woche wird eine Entscheidung in der Causa Nikolic fallen. Der 22-jährige Serbe möchte nach Aarau zurückkehren. Der FCB hat ihn jedoch noch nicht freigegeben, weil noch kein neuer Ersatzgoalie gefunden ist. FCA-Sportchef Sandro Burki beziffert die Chancen auf einen Nikolic-Verblieb auf 50 Prozent. Im Fall, dass Nikolic nicht nach Aarau kommt, wird Stand heute einer aus dem Duo Steven Deana/Nicholas Ammeter FCA-Stammgoalie.

Zurück zum Testspiel in Luzern: Dieses offenbarte, dass die Kader-Qualität noch nicht mit der externen und internen Erwartungshaltung übereinstimmt. Ein Platz in den Top 3 soll es mindestens sein in der nächsten Saison, doch natürlich liebäugelt man im Brügglifeld wieder mit dem Barrage-Platz, wenn nicht sogar vom Direktaufstieg. Von solchen Begriffen war der FCA in Luzern jedoch weit entfernt: In der Offensive mangelte es an Überraschungsmomenten und Einzelaktionen, wie sie dem zu Servette abgewanderte Varol Tasar in der vergangenen Saison gelangen. Defensiv wirkte die Mannschaft alles andere als sattelfest. Auf der Linksverteidiger-Position plant der FCA momentan mit Damir Mehidic als Stammkraft - doch den Beweis, ein Ersatz für Linus Obexer (zu Lugano) zu sein, muss der Bosnier noch erbringen. Er zog in Luzern einen schwachen Tag ein.

Im Klartext: Um die hohen Ziele zu rechtfertigen, sind die Künste von Sportchef Sandro Burki gefragt. Ein sogenannter Entscheidungsspieler in der Offensive muss noch her, mindestens einer. Und auch die Abwehr muss in der Breite noch verstärkt werden. Doch wer sollen diese Neuverpflichtungen sein? Aktuell ist der Markt ausgetrocknet und die Spieler, die zu haben wären, wie Yannis Tafer und Andreas Wittwer (beide Ex-St. Gallen), kann der FCA (noch) nicht finanzieren. 

Angesichts des weit weniger breiten Kaders als in der vergangenen Saison fallen die Verletzungen folgender zwei Spieler stark ins Gewicht: Gezim Pepsi (zentrales Mittelfeld) hat sich im Training das Knie verdreht, Kevin Spadanuda (Flügel) erlitt ebenfalls im Training einen Muskelbündelriss. Pepsi wird mindestens drei Wochen ausfallen, Spadanuda gar fünf bis sechs Wochen. 

Doch es gab in Luzern auf Aarauer Seite auch Lichtblicke: Neben den erwähnten Goalies gefiel auch das 17-jährige Sturm-Eigengewächs Yvan Alounga mit seinem Tempo, seiner Physis und seiner Spielfreude. Im Mittelfeld-Zentrum zeigten Olivier Jäckle und Elsad Zverotic, dass sie in den Ferien nichts von ihrer Harmonie verloren haben. Und Patrick Rossini deutete im Sturm nach seiner Einwechslung an, dass er für den FCA in der nächsten Saison eine wichtige Rolle spielen könnte. Und das Resultat verheimlicht, dass Aarau in Luzern sehr wohl hätte Tore erzielen können, ja müssen: Doch Zverotic und Stefan Maierhofer trafen jeweils aus zehn Metern das freistehende Tor nicht.

Trainer Patrick Rahmen sagte nach dem 0:3: "Man hat gesehen, dass wir wegen der Barrage später in die Vorbereitung gestartet sind, Luzern ist weiter. Trotzdem war nicht alles schlecht. Es gilt jetzt, das Bewusstsein in die Spielerköpfe zu bringen, dass der Saisonstart nicht mehr weit entfernt ist. Wir müssen aggressiver und hungriger werden. Spielerisch müssen wir an der Genauigkeit im Passspiel arbeiten und defensiv an der Organisation." 

Viel Arbeit auf allen Ebenen für den FC Aarau. Bleibt zu hoffen, dass die gut zwei Wochen bis zum Saisonauftakt in Winterthur am 20. Juli genug Zeit sind, um die Baustellen zu beheben.

Das Telegramm zum Testspiel in Luzern:

FC Luzern – FC Aarau 3:0 (2:0)

Swissporarena. – 1‘235 Zuschauer. – SR: Fähndrich. – Tore: 5. Tia Chef 1:0. 20. Tia Chef 2:0. 84. Salah 3:0.

Luzern: Jacot (46. Enzler); Grether (64. Karrer), Alves (64. Knezevic), Cirkovic (64. Burch), Sidler (64. Wolf); Voca (64. Arnold), Ndenge (64. Mistrafovic); Tia Chef (46. Males, 81. Salah), Schneuwly (46. Schulz) , Schürpf (46. Eleke); Demhasaj (46. Margiotta).

Aarau: Hübel (46. Ammeter); Thiesson (60. Giger), Thaler (60. Leo), Schindelholz (83. Randjelovic), Mehidic (83. Lujic); Zverotic (83. Hajdari), Jäckle (83. Lüscher-Boakye); Alounga (46. Rrudhani), Neumayr (60. Hammerich), Misic (46. Rossini); Schneuwly (60. Maierhofer).

Bemerkungen: Luzern ohne Schwegler (verletzt) und Kakabadze (abwesend). Aarau ohne Corradi, Pepsi, Peralta und Spadanuda (alle verletzt), dafür mit den Nachwuchsspielern Ersan Hajdari, Noah Lüscher-Boakye und Matija Randjelovic sowie Testspieler Donat Rrudhani (FC Black Stars). – Offizieller Testlauf für den Video Assistent Referee (VAR). – Verwarnungen: 52. Neumayr, 88. Mistrafovic (beide Foulspiel).

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