Fussball
Astrit Kryeziu und die fliegenden Eagles – der Aufsteiger mischt die Liga auf

Die Vorrunde in der 2. Liga interregional ist vorbei. In der Gruppe 5 sind 6 von 14 Teams aus dem Aargau. Am meisten zu überzeugen vermag ausgerechnet der Aufsteiger: der FC Eagles Aarau.

Stefan Salzmann
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Astrit Kryeziu, Eagles Aarau
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Seither hat Kryeziu und sein Team einige Aufstiege hinter sich. Von der fünften bis in die 2. Liga interregional.
Obwohl sich Kryeziu nicht als "feiner" Techniker sieht, hat er andere Qualitäten.
Viel macht er mit seiner starken Physis wett. Kryeziu ist neben einem weiteren Teamkollegen, der einzige, welcher alle Spiele für die Eagles gespielt hat.
Astrit Kryeziu, der Captain der Eagles Aarau ist überrascht wie gut er und sein Team sich in der höheren Liga zurechtgefunden haben.
Dem Captain, Astrit Kryeziu, ist die Harmonie in der Mannschaft sehr wichtig. Deshalb unternimmt das Team auch sehr oft Dinge neben dem Fussballplatz zusammen.
Gespannt ist Kryeziu wie es seinem Team in der Rückrunde läuft, wenn die Saisonvorbereitung besser eingehalten werden kann als im Sommer.
Astrit Kryeziu ist der Captain der Eagles Aarau - Aufsteiger in die 2. Liga interregional.
Astrit Kryeziu weiss, dasss das Team in jedem Spiel das Maximum herausholen muss. Sonst verliert man schnell mal ein Spiel auf diesem Niveau.
Astrit Kryeziu, hat mit seinen Eagles noch viele Ziele...
Beispielsweise würde er gerne längerfristig in der 1. Liga spielen.

Astrit Kryeziu, Eagles Aarau

Claudio Thoma

Astrit Kryeziu ist überrascht. Überrascht von der Leistung seines Teams. Denn die Eagles Aarau stehen als Aufsteiger nach der Vorrunde auf Rang 3 der Gruppe 5 in der 2. Liga interregional. 8 Siege, 2 Unentschieden, 3 Niederlagen – so liest sich die Statistik. Als Aufsteiger eine mehr als akzeptable Bilanz. «Wenn uns das jemand vor dem ersten Saisonspiel angeboten hätte, wir hätten unterschrieben», sagt der 25-jährige Captain der Eagles lächelnd.

Überrascht ist Kryeziu nicht nur von der Leistung seines Teams, sondern auch von sich persönlich. Der linke Aussenverteidiger bringt zusammen mit Atdhe Kadrijai am meisten Einsatzminuten seiner Mannschaft auf das Fussballfeld und hat sich schnell ans höhere Niveau gewöhnt. Und obwohl er, wie er ehrlich zugibt, kein «feiner» Fussballer sei, macht er diese Schwäche mit Laufbereitschaft, Schnelligkeit und viel Einsatzwillen wett. «Schlussendlich muss die Mischung in der Mannschaft stimmen», ist er überzeugt. Und das sei bei den Eagles der Fall.

Und nochmals überraschender wirkt die Leistung der Eagles, wenn man zum einen den Saisonverlauf der Vorrunde anschaut: Zwar konnte der Aufsteiger mit einem Sieg starten, danach war aber vom viel zitierten Aufsteigerbonus in den ersten Spielen nicht viel zu spüren. Nur einen Punkt holten sich die Eagles in den anschliessenden drei Begegnungen. Kryeziu betont: «Gegen Muri kamen wir voll auf die Welt und hätten auch deutlich höher als nur mit 1:3 verlieren können.» Dafür trumpften Kryeziu und seine Kollegen in den folgenden sechs Partien auf: 16 von 18 möglichen Punkten erspielte sich der Aufsteiger zuletzt.

Zusammengehörigkeit als Stärke

Zum anderen überraschend, wenn man dem Captain zuhört, wie die Saisonvorbereitung verlaufen war: «Wir haben erst zwei Wochen vor Saisonstart richtig begonnen zu trainieren. Vorher waren viele von uns in den Ferien, an Hochzeiten oder sonstigen Festen. Solche Veranstaltungen sind uns Albanern sehr wichtig», sagt Kryeziu lachend. Und da der FC Eagles Aarau vor sechs Jahren aus einer Gemeinschaft von Freunden und Verwandten entstanden ist und die Zusammensetzung der Spieler auch heute noch so ist, fehlt aufgrund solcher Feste jeweils fast die ganze Mannschaft in den Trainings.

Diese Zusammengehörigkeit – dass die Spieler auch neben dem Fussballplatz miteinander Zeit verbringen – schätzt Kryeziu als grösste Stärke ein. Und obwohl die 1. Mannschaft quasi nur aus Spielern mit albanischem Migrationshintergrund besteht (mit Ausnahme des Nigerianers Babatunde Luqmon), ist dies nicht so gewollt. Kryeziu betont: «Bei uns steht der Charakter des Spielers im Vordergrund und nicht seine Nationalität.»

Realistische Zielsetzungen

Obwohl Kryeziu vor sechs Jahren noch nicht bei den Eagles spielte, war er bei der Gründung des Vereins mit dabei. Jeden Sonntag trafen sich Freunde und Verwandte zum Fussballspielen. Kurz darauf hatte sein Cousin und aktueller Präsident, Faton Gashi, die Idee, den FC Eagles Aarau zu gründen. Der Start am Meisterschaftsbetrieb des Aargauischen Fussballverbandes in der 5. Liga folgte. Und seither gab es einen Aufstieg nach dem anderen zu verzeichnen. «Diese Erfolge machen mich extrem stolz», sagt der 25-Jährige.

Diese Erfolge und die gelungene Vorrunde lassen ihn und seine Teamkollegen aber nicht abheben. «Die Liga ist extrem ausgeglichen. Wir müssen in jedem Spiel unser Maximum abrufen, damit wir gewinnen können.» Und so bleibt der Captain realistisch, wenn es um Zielsetzungen geht. Trotz nur zwei Punkten Rückstand auf den Leader aus Dietikon will der Aufsteiger so schnell wie möglich die nötigen Punkte holen, damit auch rechnerisch ein möglicher Abstieg kein Thema mehr ist. «Vor allem fussballerisch wollen wir in der Rückrunde Fortschritte erzielen. Dabei im Ballbesitz noch dominanter auftreten, unsere Fans mit Offensivfussball verzücken und uns individuell verbessern. Dann werden wir auch in der Rückrunde viel Freude haben», sagt Kryeziu lächelnd.

So bewerten die Trainer der fünf weiteren Aargauer Teams die bisherige Saison

Ivan Barisic, NK Pajde; 2. Zwischenrang

«Die Vorrunde war nicht schlecht. Auswärts waren wir stark, zuhause hatten wir Mühe. Weil wir zu viel Offensivspektakel zeigen wollten. Das gab für den Gegner oft Kontertore. Es braucht eine bessere Mischung zwischen Offensive und Absicherung. Wenn das klappt, können wir Erster werden und auch in die 1. Liga aufsteigen.»

Beat Studer, FC Wettingen; 4. Zwischenrang

«Ich bin relativ zufrieden mit der Vorrunde. Wir haben in zwei Spielen nicht überzeugt, ansonsten wars gut. Offensiv waren wir mit 39 Toren das stärkste Team in der Gruppe. Für die Rückrunde wollen wir nun in allen 13 Spielen überzeugen. Und wir gehen in alle Partien, mit dem Ziel zu gewinnen. Ich bin überzeugt, dass das möglich ist.»

Alen Krizevac, FC Muri; 6. Zwischenrang

«Der 6. Rang ist nicht das, was wir erreichen wollten. Mit vier Siegen aus sechs Spielen sind wir zwar gut gestartet. Dann kam aber das Cup-Highlight gegen den FC St. Gallen und der Fokus auf den Liga-Alltag ging bei uns etwas verloren. Trotzdem: Unsere Mannschaft verfügt über genügend Qualität, um noch ganz oben mitzumischen.»

Vincenzo Salerno, SC Schöftland; 7. Zwischenrang

«Wir sind mit drei Siegen sehr gut gestartet, doch dann ereignete sich ein Todesfall in unserem Team. Wir brauchten Zeit, diese Tragödie zu verarbeiten. Und die neue Spielphilosophie, welche offensiver ausgerichtet ist, unser Spiel aber defensiv anfälliger macht, braucht Zeit. Nun wollen wir diese in der Rückrunde weiter verinnerlichen.»

Sasa Stankovic, FC Wohlen II; 9. Zwischenrang

«Wir sind mit einem Durchschnittsalter von 19,3 Jahren ein sehr junges Team. Vier bis fünf Punkte haben wir entsprechend nicht geholt, weil bei uns in entscheidenden Momenten die Routine gefehlt hat. Grundsätzlich bin ich aber zufrieden mit der Leistung. Trotzdem: Ein bis zwei erfahrene Spieler würden meinem Team guttun.»