In den ersten Minuten ist die Nervosität beim HSC Suhr Aarau angesichts des prominenten Gastes fast schon greifbar. Das äussert sich vor allem in der Person von Milan Skvaril, der sich in den ersten 150 Sekunden einen technischen Fehler und zwei parierte Schüsse notieren lassen muss. Die Rhein-Neckar Löwen lassen sich nicht zwei Mal bitten und legen erst einmal vor. Nach fünfeinhalb Minuten ist der Fehlstart aber ausgemerzt, es steht 3:3.

Nach 6:43 Minuten ist es dann so weit: Das Schweizer Handball-Aushängeschild Andy Schmid verbucht seinen ersten persönlichen Treffer und bringt seine Löwen wieder mit zwei Toren in Führung (5:3). Dass aber auch dem bald 36-Jährigen nicht alles gelingt, zeigt sich in der 11. Minute, als er seinen Wurf von HSC-Torhüter Dragan Marjanac pariert sieht.

Nach Ablauf der Startviertelstunde führen die Löwen mit 8:4. Die Mannheimer zeigen sich im Angriffsspiel etwas effizienter als die Gastgeber. Gleichwohl vermag sich nun auch die HSC-Defensive immer wieder positiv in Szene zu setzen.

Die Nervosität beim HSC legt sich langsam

Kurz vor Ablauf der 20. Spielminute verkürzt Raphael Rohr für den HSC auf 7:10. Immer noch leistet sich der Aussenseiter den einen oder anderen Fehler zu viel. Allerdings scheint sich die Nervosität aus den Startminuten langsam aber sicher zu legen.

Bis fünf Minuten vor der Pausensirene kommt Suhr Aarau bis auf zwei Treffer an die Rhein-Neckar Löwen heran. Torhüter Marjanac mit fünf Paraden und einer Abwehrquote von gut 33 Prozent hat seinen Anteil daran, dass es zu diesem Zeitpunkt nur noch 8:10 steht.

In der 27. Minute kassiert HSC-Kreisläufer Martin Slaninka bereits seine zweite persönliche Zweiminuten-Strafe. Die Löwen bauen in Überzahl ihre Führung auf zwischenzeitlich fünf Treffer aus. 15 Sekunden vor Ablauf der ersten Halbzeit korrigiert Kreisläufer Lukas Laube das Skore nach einer herrlichen Kombination auf 9:13. Allerdings: Mittels sieben Meter sorgen die Löwen in der 30. Minute für die 14:9-Pausenführung des Favoriten.

Durchzogener Auftakt in die zweite Halbzeit

Was für ein Einstand in diese Partie für HSC-Torhüter Dario Ferrante! Der 25-Jährige wird für die zweite Halbzeit eingewechselt und pariert nach nur wenigen Sekunden einen Siebenmeter von Jerry Tollbring. Danach entwickelt sich die Partie – trotz Überzahl des Gastgebers – aber durchzogen und so liegt der HSC nach etwas mehr als 35 Spielminuten erstmals mit sechs Treffern im Rückstand (11:17).

Ferrante sorgt auch in der Folge für HSC-Erfolgsmomente. Dank seiner weiteren Paraden, unter anderem auch gegen Andy Schmid, verkürzt Suhr Aarau kurz vor Ablauf der 40. Minute durch Flügelspieler David Poloz auf 15:19.

In den darauffolgenden fünf Minuten leistet sich der HSC dann technische Fehler, Wurffehler und parierte Abschlüsse gleich im Multipack. Das führt dazu, dass der Gast aus Mannheim seine Führung (16:23) auf sieben Treffer ausbaut.

Mit sechs Treffern Rückstand in die Schlussphase

Knapp zehn Minuten vor der Schlusssirene sieht das Skore immerhin schon wieder ein ganz kleines bisschen besser aus: Der HSC ist nach einem Treffer von Martin Slaninka wieder auf sechs Tore an den Löwen dran – es steht 18:24.

In der 53. Minute zeigt Andy Schmid, was einen Ausnahmekönner eben auch ausmacht: Trotz komfortabler Sechs-Tore-Führung rettet er seinen Mitspieler mit einer Gleiteinlage vor einem technischen Fehler – und verhindert damit gleichzeitig den HSC-Gegenstoss. Sechs Minuten vor Schluss bezieht HSC-Trainer Misha Kaufmann sein drittes und letztes Team-Timeout. Nur Sekunden zuvor war Raphael Rohr nach einer herrlichen Kombination an Löwen-Keeper Appelgren gescheitert, weshalb es beim 18:26 blieb.

Kurz vor Ablauf der 57. Minute liegt der HSC Suhr Aarau erstmals mit zehn Treffern im Hintertreffen. Die Löwen lassen in der Schlussphase noch einmal die Muskeln spielen und sorgen so für ein standesgemässes Schlussresultat.

Den letzten Treffer der Partie besorgt Andy Schmid mit seinem dritten persönlichen Erfolgserlebnis zum 30:20 für die Löwen.

Schmid: «Wir haben alle gewonnen»

«Das war ein schöner Event», sagt Andy Schmid nach der Partie. «Der HSC spielt einen sehr guten Handball. Sie haben sehr viele junge und talentierte Spieler in ihren Reihen. Das Konzept des Vereins hat Hand und Fuss. Man sieht die Handschrift von Trainer Misha Kaufmann.»

Der 35-jährige Luzerner bewies auch, dass er den Schweizer Handball auch aus seinem Exil in Mannheim eng verfolgt: «Der HSC hat in den vergangenen Jahren viele Schritte nach vorne gemacht.»

Das Endresultat von 30:20 zu Gunsten seiner Rhein-Neckar Löwen will Schmid gar nicht weiter kommentieren: «Darüber zu diskutieren ist müssig. Wichtig ist, dass im Endeffekt heute alle gewonnen haben. Die Jungen beim HSC haben eine Erfahrung fürs Leben gemacht und wir haben einen Ernstkampf bestritten, bei dem wir ans Limit gehen mussten.»

Kaufmann: «Wir haben besser gespielt, als es das Resultat zeigt»

Testspiel hin oder her, ärgerte sich HSC-Trainer Misha Kaufmann nach der Schlusssirene ein wenig über das Endresultat: «Wir haben besser gespielt, als es das Resultat zeigt», sagt er. «Zehn Tore sind für mich zu viel, aber wenn wir so viele 100-prozentige Chancen vergeben, dann ist das klar. Wir wissen, woran wir arbeiten müssen.»

Vom Resultat einmal abgesehen, war er mit dem Auftritt seiner Mannschaft durchaus zufrieden: «In der Defensive sind wir gut gestanden, konnten gut dagegenhalten. Das Problem lag heute sicher im Angriff. Das hat den Unterschied gemacht.»

Zufrieden waren am Ende auch die 1500 Zuschauerinnen und Zuschauer in der Aarauer Schachenhalle. Sie hatten ein Handball-Highlight geboten bekommen und wer wollte, konnte sich im Anschluss auch noch als Autogrammjäger betätigen.

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