Fussball
Andreas Hilfiker hat im Land der Goalies sein Glück gefunden

Seit fünfeinhalb Jahren trainiert Andreas «Hausi» Hilfiker beim VfL Wolfsburg die Torhüter. Für den Kölliker ist in Deutschland ein Traum in Erfüllung gegangen.

Markus Brütsch
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Schweizer unter sich: Andreas Hilfiker (rechts) versucht, Weltklassegoalie Diego Benaglio täglich noch ein klein wenig besser zu machen. Keystone

Schweizer unter sich: Andreas Hilfiker (rechts) versucht, Weltklassegoalie Diego Benaglio täglich noch ein klein wenig besser zu machen. Keystone

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Es gibt in Wolfsburg Menschen, die Andreas Hilfiker seit fünfeinhalb Jahren kennen. Seit er im Januar 2008 aus beruflichen Gründen in die Autostadt gekommen ist. Nicht, um Volkswagen zu bauen, sondern Torhüter auszubilden. Und diese Leute sagen, sie hätten Hilfiker in all dieser Zeit noch kein einziges Mal schlecht gelaunt gesehen.

«Ich bin sehr glücklich in Wolfsburg», sagt der 44-Jährige. Beruflich und privat. Mit seiner Frau und den beiden Kindern lebt er in einem Wolfsburger Quartier mit tollen Nachbarn. «Viele sind zugezogen und wir pflegen einen guten Kontakt», sagt Hilfiker. Weil sich seine Familie hier ausgesprochen wohl fühlt, hat das Oberhaupt 2009 sogar darauf verzichtet, nach dem sensationellen Meistertitelgewinn der «Wölfe» mit Felix Magath zum FC Schalke 04 zu gehen. Mit jenem Trainer, unter dem er 1998 mit dem 1. FC Nürnberg in die Bundesliga aufgestiegen war. Und der ihn, fast zehn Jahre später, zum VfL Wolfsburg und zurück nach Deutschland gelockt hatte.

Vor ein paar Wochen hat Hilfiker einen zusätzlichen Motivationsschub erhalten. Die Wolfsburger Verantwortlichen haben seinem Wunsch entsprochen und die Ausbildung der Goalies weiter professionalisiert. «Wir haben jetzt drei Torhütertrainer im Vollamt», sagt Hilfiker stolz. Einer kümmert sich um die Keeper des U23-Teams, einer um jene des Nachwuchsleistungszentrums und er selber um die Goalies des Bundesligakaders. Der Kölliker ist der Kopf dieses Dreierteams.

Hilfiker sagt, er habe einen Traumjob. «Meine Leidenschaft ist der Sport, und hier kann ich sie voll ausleben», sagt der Mann, der selber viele Jahre als Profi das Tor gehütet hat, auch acht Mal jenes der Schweizer Nationalmannschaft und der 1993 mit Aarau Meister geworden war. «Ich freue mich auf jedes einzelne Training.» Genauso wie auf jedes Spiel. «Die Bundesliga ist wunderbar, jede Partie ein Erlebnis», sagt Hilfiker. Und Deutschland ist ein Goalieland. «Torhüter müssen mental stark sein. Die Deutschen bringen das nötige Selbstvertrauen mit.»

Benaglio und Hitz gefordert und gefördert

Aber auch einige Schweizer. Hilfiker hat das grosse Glück gehabt, dass exakt zur selben Zeit, als er in Wolfsburg anfing, mit Diego Benaglio ein Landsmann und absoluter Könner seines Fachs anheuerte. «Diego ist ein kompletter Goalie und hat von Natur aus die besten Voraussetzungen für diesen Job», sagt Hilfiker, der bis zum Ende der letzten Saison mit Marwin Hitz noch einen zweiten Schweizer trainierte und diesen so weit brachte, dass der Ostschweizer nun beim FC Augsburg die Chance bekommt, die Nummer 1 zu werden.

Keine Abnützungerscheinungen

Obwohl er nun schon jahrelang mit Benaglio zusammenarbeitet – Hilfiker: «Ich bin mehr mit meinen Torhütern zusammen als mit der Familie» – spürt er keinerlei Abnützungserscheinungen. Auch Benaglio nicht. «Hausi hat die Qualität, mich noch weiter zu bringen», sagt der Schweizer Nationalkeeper. «Ich versuche, immer wieder neue Reizpunkte zu setzen», sagt Hilfiker, dem Cheftrainer Dieter Hecking viele Freiheiten zugesteht.

Hilfiker ist sich bewusst, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, einer von 18 Goalietrainern in der Bundesliga zu sein. Wo jeder Keeper, der seine Karriere beendet, als Torhütertrainer arbeiten will. Wo jede Vertragsverlängerung Ausdruck von Anerkennung ist. Wo Hilfiker für weitere drei Jahre unterschrieben hat.