Nein, so hatte sich Tennisprofi Amra Sadikovic ihren Auftritt an den Schweizer Meisterschaften in Biel garantiert nicht vorgestellt. Nach einem souveränen Sieg in ihrem ersten Match gegen Fiona Ganz musste die topgesetzte Sadikovic im Viertelfinal die Segel streichen.

Gegen die klare Aussenseiterin Nina Stadler – die Ostschweizerin belegt in der Weltrangliste Platz 756 und ist damit beinahe 600 Ränge hinter Sadikovic klassiert – unterlag die 27-Jährige nach gewonnenem Startsatz mit 7:6, 4:6, 5:7.

Zuerst war alles in Ordnung

Doch es gibt einen Grund für das überraschende Aus der Titelfavoritin: Bereits in den Wochen vor dem Turnier hatte Sadikovic mit einer Bauchmuskelzerrung zu kämpfen und liess daher bis zum Tag ihrer Erstrundenpartie offen, ob sie die nationalen Titelkämpfe überhaupt bestreiten soll. «Der Verband hat mich in diesem Jahr sehr stark unterstützt und ich wollte daher als Dankeschön unbedingt mitspielen», so die Birrerin. «Beim Einspielen vor meinem ersten Match war alles in Ordnung und auch die erste Partie war gut. Doch im Viertelfinal kehrten die Schmerzen zum Ende des ersten Satzes zurück.»

Sadikovic biss auf die Zähne und spielte die Partie zu Ende. Allerdings nicht mehr mit letzter Konsequenz. «Beim Aufschlag und bei der Vorhand verspürte ich starke Schmerzen. So konnte ich den Match nicht mehr gewinnen», sagt Sadikovic, die aufgrund der Probleme mit der Bauchmuskulatur nach ihrem Aus im Einzel die Teilnahme an der Doppelkonkurrenz absagte.

«Als wir die Eltern zu einem Match herausforderten»: Amra Sadikovic und ihre Kindheitserinnerungen an den Sportplatz Birr.

«Als wir die Eltern zu einem Match herausforderten»: Amra Sadikovic und ihre Kindheitserinnerungen an den Sportplatz Birr. (7. Juli 2016)

Physiotherapie statt Tennisplatz

Die aktuelle Nummer 184 der Weltrangliste muss sich nun in Geduld üben. Die nächsten acht Tage wird sie das Tennisracket nicht in die Hand nehmen und dafür intensiv mit dem Physiotherapeuten arbeiten. «Ich darf nichts machen, wo die Rotation ins Spiel kommt. Ich muss daher praktisch alle Trainings auslassen, ausser das Ausdauertraining. Aber in diesem Bereich muss ich sowieso noch arbeiten», beweist Sadikovic in der für sie unangenehmen Lage Galgenhumor. Trotzdem: «Die Verletzung macht mir schon etwas Sorgen, denn ich ziehe sie nun schon über einige Wochen mit. Eine solche Verletzung bin ich mir nicht gewohnt», so Sadikovic.

Kommt hinzu, dass der Zeitpunkt denkbar ungünstig ist. In den nächsten Tagen wären weitere intensive Trainings auf dem Tennisplatz auf dem Programm gestanden, um sich für die Qualifikation des Australian Open, das am 12. Januar beginnt, optimal in Form zu bringen. «Ich hoffe sehr, dass die Pause reicht, um die Bauchmuskelzerrung auszukurieren, denn ich möchte unbedingt fit nach Australien reisen», so Sadikovic. Für die Offensivspezialistin wäre es die erste Teilnahme überhaupt beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres. «Ich freue mich sehr auf das Turnier in Australien, da ich es noch nicht kenne. Das wird sicher speziell», blickt Sadikovic auf den Start in die neue Saison voraus.