FC Aarau
Ammeter greift erneut daneben, Neumayr scheitert vom Punkt: Der FC Aarau schlägt sich gegen Schaffhausen wieder einmal selber

Nach einer starken ersten Halbzeit herrscht am Ende im Brügglifeld doch Katerstimmung statt neuer Euphorie: Beim 1:2 gegen das vorletzte Schaffhausen liefert der FC Aarau eine weitere Demonstration der Selbstzerstörung.

Sebastian Wendel
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Ze Turbo freut sich über den Sieg nach dem Schlusspfiff.
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FCS-Assistenztrainer Hakan Yakin kann mehr als zufrieden sein mit dem Ergebnis.
Hart geführter Zweikampf zwischen Marco Schneuwly und Yves Kaiser.
Nicolas Schindelholz ärgert sich über eine verpasste Chance.
Viele Fouls prägen die zweite Halbzeit.
Donat Rrudhani bringt Paulinho zu Fall.
Grosse Freude bei den Schaffhausen-Spieler nach dem Spiel.
Schaffhausen-Goalie Amir Saipi sichert den Gästen den Sieg.
Grosser Jubel beim Schaffhausen-Goalie.
Saipi hält in der 87. Minute den Penalty von Markus Neumayr.
Markus Neumayr verschiesst in der 87. Minute einen Penalty.
Yvan Alounga wird im Strafraum gefoult und kriegt erhält dafür einen Penalty.
Helios Sessolo bejubelt das Führungstor für Schaffhausen.
Fussball, Challenge League, 20. Runde, FC Aarau – FC Schaffhausen
Raoul Giger muss gegen Aly Coulibaly hart einstecken.
Marco Schneuwly legt sich mit Schiedsrichter Luca Piccolo an.
Der FCA rennt ab der 79. Minute einem Rückstand hinterher.
Viel Kampf im zweiten Abschnitt der Partie.
Der FC Aarau dominiert die erste Halbzeit.
Marco Thalers Abwehrkünste werden in der ersten Halbzeit nur selten gebraucht.
Grosser Jubel bei den FCA-Spielern über die frühe Führung.
Balaj setzt sich gegen Schaffhausen-Goalie Amir Saipi durch.
Erster Treffer im Trikot des FC Aarau: Liridon Balaj bringt den Gastgeber in Führung.
Luca Piccolo muss in den ersten 45 Minuten auf beiden Seiten eine Gelbe Karte austeilen.

Ze Turbo freut sich über den Sieg nach dem Schlusspfiff.

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Aus Elsad Zverotic, dem Captain des FC Aarau, spricht die Fassungslosigkeit: «Immer der gleiche Mist: Wir schlagen uns selber und kommen nicht vom Fleck. Ich verstehe, dass die Zuschauer unzufrieden sind, wir sind es genauso. Unsere Aufgabe ist es, positiv zu bleiben, aber es fällt schwer. Wenn wir immer wieder durch solch krasse Fehler Punkte herschenken, haben wir es nicht verdient, den Anschluss nach vorne zu schaffen.»

Sehr gut möglich, dass sich die Aarauer Ende Saison über diese Heimpleite gegen Schaffhausen grün und blau ärgern werden. Erstens, weil sie von der absolut unnötigen Sorte war. Zweitens, weil der FCA die ideale Ausgangslage herschenkte, in Tuchfühlung zum Barrage-Platz zu kommen. Ob so eine Gelegenheit in den verbleibenden 16 Partien nochmals kommt?

Bis zur Halbzeitpause ist im Brügglifeld alles angerichtet für eine neu aufkeimende Euphorie: 17:1 Torschüsse, 5:0 Eckbälle - der FC Aarau dominiert in den ersten 45 Minuten die Gäste nach Belieben, steht defensiv stabil und gefällt mit ansehnlichem Offensivfussball. Einziger Kritikpunkt: Es steht nur 1:0 statt 3:0 oder 4:0.

Die FCA-Spieler in der Einzelkritik

Nicholas Ammeter: Note 2,5 - Beim 1:1 trifft ihn keine Schuld. Beim 1:2 greift er fatal daneben und kostet den FCA mindestens einen Punkt.
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Raoul Giger: Note 2,5 - Am 1:2 mitschuldig, indem er Torschütze Sessolo den Ball in den Lauf köpfelt. Beim 1:1 lenkt er den Ball unhaltbar ab.
Nicolas Schindelholz: Note 4 - Defensiv eine solide Leistung. Spielerisch in der ersten Halbzeit wirkungsvoller als gewohnt.
Marco Thaler: Note 3,5 - Ist beim 1:1 einer jener drei Aarauer, die sich von Zé Turbo austanzen lassen. Im Aufbauspiel mit zu vielen langen Bällen.
Jerome Thiesson: Note 4,5 - In der starken ersten Halbzeit einer der Auffälligsten. Danach weiterhin oft vorne anzutreffen, aber ohne Gefahr zu erzeugen.
Olivier Jäckle: Note 4 - Für ihn gilt, was für die meisten Feldspieler gilt: Was vor der Pause klappte, gelang in der zweiten Halbzeit nicht mehr.
Elsad Zverotic: Note 4 - Kämpferisch einmal mehr tadellos. Aber um das negative Szenario abzuwenden, war sein Einfluss zu gering.
Liridon Balaj: Note 5 - Das zweite Mal in der Startelf: Verdient sich sein Premierentor mit einer wirbligen ersten Halbzeit. Macht er so weiter, ist er ein Versprechen für die Zukunft.
Markus Neumayr: Note 3 - Nach der Machtdemonstration gegen Ouchy beginnt er erneut stark, baut dann aber ab und verschiesst einen Penalty.
Donat Rrudhani : Note 4,5 - Uneigennützig sein Rückpass auf Balaj, der zum 1:0 trifft. Die kosovarische Flügelzange mit ihm und Balaj ist ein Lichtblick.
Marco Schneuwly: Note 4 - Starker Pass auf Rrudhani vor dem 1:0. Sündigt im Abschluss.
Petar Misic: Note 3 - Kommt in der 66. Minute für Rrudhani. Eine Enttäuschung.
Ivan Alounga: Note - Kommt in der 76. Minute für Balaj. Ohne Note.
Damir Mehidic: Note - Kommt in der 81. Minute für Schindelholz. Ohne Note.
Giuseppe Leo: Note - Kommt in der 89. Minute für Thaler. Ohne Note.

Nicholas Ammeter: Note 2,5 - Beim 1:1 trifft ihn keine Schuld. Beim 1:2 greift er fatal daneben und kostet den FCA mindestens einen Punkt.

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Trotz knappem Skore: Wer den FCA an diesem Sonntag erstmals in dieser Saison spielen sieht, für den ist in der Pause angesichts des Klassenunterschieds eine Wende unvorstellbar. Für alle anderen nicht. Regelmässige Matchbesucher erinnern sich: Im letzten Match vor der Winterpause gab Aarau mit zwei Gegentoren in der Nachspielzeit den sicher geglaubten Sieg gegen Chiasso aus der Hand – Endstand 3:3. Oder im August das Gastspiel im Tessin, als der FCA 2:0 führte und am Ende 2:4 verlor.

Kurzum: Aarau hat sich zum Spezialisten im Herschenken von guten Ausgangslagen gemausert und bestätigt dies gegen Schaffhausen auf eindrückliche Art und Weise: Gut vier Minuten alt ist die zweite Halbzeit, als sich der eingewechselte Zé Turbo im FCA- Strafraum um die eigene Achse dreht und zum 1:1 einschiesst – mit drei Aarauern in der Zuschauerrolle.

Als wäre der Ausgleich nicht Demonstration der Selbstzerstörung genug, setzt das Heimteam in der 79. Minute noch einen drauf: In der Person von Rechtsverteidiger Raoul Giger und Goalie Nicholas Ammeter. Ersterer verliert nach einem Auskick von Schaffhausens Schlussmann Saipi die Orientierung und köpfelt den Ball statt ins Aus dem heransprintenden Sessolo in den Lauf. Dessen Schuss aus spitzem Winkel scheint harmlos und eine sichere Beute für Ammeter - denkste: Der 19-Jährige lässt den Ball unter dem Bauch durchrutschen.

Es ist Ammeters dritter Fehler in dieser Saison, der zu einem Gegentor führt: Zwei davon kosteten den FCA Punkte. Nach dem neusten Bock werden die Zweifel über das juvenile Alter und die Qualitäten Ammeters wieder lauter. Auch intern: Ammeters Leistungen in der Rückrunde werden der Massstab für die Beurteilung sein, ob er als Stammgoalie in einer aufstiegsfähigen Mannschaft taugt, die Aarau in der kommenden Spielzeit stellen will.

Neumayr lässt Penaltygeschenk liegen

Dilettantisch im Abwehrverhalten, zahnlos wie ein Neugeborenes in der Offensive: Aarau ist zwar auch in der zweiten Halbzeit optisch überlegen, kommt aus dem Spiel heraus aber zu keinen Chancen mehr. Der Wind, gegen den der FCA nach dem Seitenwechsel spielt, erschwert die Angriffsbemühungen, darf aber keine Ausrede sein für die Ideenlosigkeit. Und schon gar nicht für die 87. Minute, in der Markus Neumayr ein Penalty-Geschenk der Gäste liegen lässt.

So passt am Ende das Fazit eines Matchbesuchers ganz gut: «Dieses Spiel hat Schaffhausen nicht gewonnen, sondern der FC Aarau verloren.» Den Gästen wird das Zustandekommen egal sein: Sie distanzieren sich mit dem ersten Sieg seit dem 5. Oktober 2019 um sieben Punkte vom Abstiegsrang. Und sie schliessen eine aufregende Woche, in der sie wegen fragwürdiger Arbeitslosengeld-Zahlungen für Assistenztrainer Hakan Yakin in negative Schlagzeilen geraten sind, versöhnlich ab. Wer weiss, vielleicht übernimmt das RAV ja auch Yakins Siegprämie...

Telegramm

Aarau – FC Schaffhausen 1:2 (1:0)

Brügglifeld. – 2’561 Zuschauer. – SR: Piccolo. – Tore: 16. Balaj (Rrudhani) 1:0. 50. Zé Turbo 1:1. 79. Sessolo 1:2.

Aarau: Ammeter; Giger, Schindelholz (81. Mehidic), Thaler (89. Leo), Thiesson; Jäckle, Zverotic; Balaj (76. Alounga), Neumayr, Rrudhani (66. Misic); Schneuwly.

Schaffhausen: Saipi; Menezes, Kaiser, Mujcic, Belometti; Bunjaku; Lika (76. Müller), Breitenmoser (46. Sessolo); Imeri (46. Zé Turbo, 61. Coulibaly), Barry, Del Toro.

Bemerkungen: Aarau ohne Corradi, Hübel, Spadanuda (alle verletzt), Gashi, Pepsi und Peralta (alle nicht im Aufgebot). Schaffhausen ohne Bislimi, Krasniqi, Nikci, Vitija (alle verletzt), Bajrami, Cooper, Djordjevic, Mevlja, Missi Mezu, Tanzillo und Tranquilli (alle nicht im Aufgebot). – 31. Kopfball von Schindelholz an den Aussenpfosten. 87. Saipi pariert Strafstoss von Neumayr. – Verwarnungen: 38. Jäckle, 45. Lika, 51. Schindelholz, 54. Balaj, 56. Mujcic, 74. Giger (alle Foulspiel), 92. Saipi (Unsportlichkeit).

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