FC Aarau

Ammeter greift erneut daneben, Neumayr scheitert vom Punkt: Der FC Aarau schlägt sich gegen Schaffhausen wieder einmal selber

Nach einer starken ersten Halbzeit herrscht am Ende im Brügglifeld doch Katerstimmung statt neuer Euphorie: Beim 1:2 gegen das vorletzte Schaffhausen liefert der FC Aarau eine weitere Demonstration der Selbstzerstörung.

Aus Elsad Zverotic, dem Captain des FC Aarau, spricht die Fassungslosigkeit: «Immer der gleiche Mist: Wir schlagen uns selber und kommen nicht vom Fleck. Ich verstehe, dass die Zuschauer unzufrieden sind, wir sind es genauso. Unsere Aufgabe ist es, positiv zu bleiben, aber es fällt schwer. Wenn wir immer wieder durch solch krasse Fehler Punkte herschenken, haben wir es nicht verdient, den Anschluss nach vorne zu schaffen.»

Sehr gut möglich, dass sich die Aarauer Ende Saison über diese Heimpleite gegen Schaffhausen grün und blau ärgern werden. Erstens, weil sie von der absolut unnötigen Sorte war. Zweitens, weil der FCA die ideale Ausgangslage herschenkte, in Tuchfühlung zum Barrage-Platz zu kommen. Ob so eine Gelegenheit in den verbleibenden 16 Partien nochmals kommt?

Bis zur Halbzeitpause ist im Brügglifeld alles angerichtet für eine neu aufkeimende Euphorie: 17:1 Torschüsse, 5:0 Eckbälle - der FC Aarau dominiert in den ersten 45 Minuten die Gäste nach Belieben, steht defensiv stabil und gefällt mit ansehnlichem Offensivfussball. Einziger Kritikpunkt: Es steht nur 1:0 statt 3:0 oder 4:0.

Die FCA-Spieler in der Einzelkritik

Trotz knappem Skore: Wer den FCA an diesem Sonntag erstmals in dieser Saison spielen sieht, für den ist in der Pause angesichts des Klassenunterschieds eine Wende unvorstellbar. Für alle anderen nicht. Regelmässige Matchbesucher erinnern sich: Im letzten Match vor der Winterpause gab Aarau mit zwei Gegentoren in der Nachspielzeit den sicher geglaubten Sieg gegen Chiasso aus der Hand – Endstand 3:3. Oder im August das Gastspiel im Tessin, als der FCA 2:0 führte und am Ende 2:4 verlor.

Kurzum: Aarau hat sich zum Spezialisten im Herschenken von guten Ausgangslagen gemausert und bestätigt dies gegen Schaffhausen auf eindrückliche Art und Weise: Gut vier Minuten alt ist die zweite Halbzeit, als sich der eingewechselte Zé Turbo im FCA- Strafraum um die eigene Achse dreht und zum 1:1 einschiesst – mit drei Aarauern in der Zuschauerrolle.

Als wäre der Ausgleich nicht Demonstration der Selbstzerstörung genug, setzt das Heimteam in der 79. Minute noch einen drauf: In der Person von Rechtsverteidiger Raoul Giger und Goalie Nicholas Ammeter. Ersterer verliert nach einem Auskick von Schaffhausens Schlussmann Saipi die Orientierung und köpfelt den Ball statt ins Aus dem heransprintenden Sessolo in den Lauf. Dessen Schuss aus spitzem Winkel scheint harmlos und eine sichere Beute für Ammeter - denkste: Der 19-Jährige lässt den Ball unter dem Bauch durchrutschen.

Es ist Ammeters dritter Fehler in dieser Saison, der zu einem Gegentor führt: Zwei davon kosteten den FCA Punkte. Nach dem neusten Bock werden die Zweifel über das juvenile Alter und die Qualitäten Ammeters wieder lauter. Auch intern: Ammeters Leistungen in der Rückrunde werden der Massstab für die Beurteilung sein, ob er als Stammgoalie in einer aufstiegsfähigen Mannschaft taugt, die Aarau in der kommenden Spielzeit stellen will.

Neumayr lässt Penaltygeschenk liegen

Dilettantisch im Abwehrverhalten, zahnlos wie ein Neugeborenes in der Offensive: Aarau ist zwar auch in der zweiten Halbzeit optisch überlegen, kommt aus dem Spiel heraus aber zu keinen Chancen mehr. Der Wind, gegen den der FCA nach dem Seitenwechsel spielt, erschwert die Angriffsbemühungen, darf aber keine Ausrede sein für die Ideenlosigkeit. Und schon gar nicht für die 87. Minute, in der Markus Neumayr ein Penalty-Geschenk der Gäste liegen lässt.

So passt am Ende das Fazit eines Matchbesuchers ganz gut: «Dieses Spiel hat Schaffhausen nicht gewonnen, sondern der FC Aarau verloren.» Den Gästen wird das Zustandekommen egal sein: Sie distanzieren sich mit dem ersten Sieg seit dem 5. Oktober 2019 um sieben Punkte vom Abstiegsrang. Und sie schliessen eine aufregende Woche, in der sie wegen fragwürdiger Arbeitslosengeld-Zahlungen für Assistenztrainer Hakan Yakin in negative Schlagzeilen geraten sind, versöhnlich ab. Wer weiss, vielleicht übernimmt das RAV ja auch Yakins Siegprämie...

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