Er gilt als vielversprechendes Talent, vollbringt momentan einen Balanceakt zwischen seiner KV-Lehre und der angestrebten Karriere als Werksfahrer und reist von Rennen zu Rennen – Ricardo Feller führt wortwörtlich ein Leben auf der Überholspur. Im Sommer soll dieses Hin und Her ein Ende finden, dann, wenn der 18-Jährige seine Lehrabschlussprüfung hoffentlich erfolgreich bestanden hat.

Zuvor soll ihm aber noch ein ganz anderer Erfolg gelingen. Am Wochenende startet Feller in Oschersleben in die ADAC-GT-Masters-Saison der Supersportwagen. Es ist seine dritte Saison, an sich ist eigentlich alles wie immer, Feller ist im Motorsportzirkus angekommen.

Wäre da nur nicht der grün-weisse Montaplast Audi R8 LMS. In genau diesem Gefährt wird Feller zum ersten Mal für «Land Motorsport» eine ADAC-GT-Masters-Saison fahren. Für den jungen Feller das Nonplusultra.

Eine Riesenchance

«Es war schon immer mein Traum, es in dieses Team zu schaffen. Dass ich nun hier mitfahren darf, ist für mich eine Riesenchance. Um es kurz und knapp auf den Punkt zu bringen: Es ist das beste Audi-Team überhaupt.»

Mühen und Kosten werden für «das beste Team» keine gescheut. Neben Max Hofer (AUT) und Christopher Mies (GER) wird auch Dries Vanthoor (BEL) bei «Land Motorsport» mitmischen. Zusammen mit Feller wird er sich ein Auto teilen.

Eine explosive Kombination, wie Feller sagt: «Dries ist wahnsinnig talentiert und sogar schon Werksfahrer. Wir sind ein gutes Duo, wenn zwei so junge Fahrer aufeinandertreffen, will jeder natürlich der Schnellere sein.»

Titelgewinn als Hauptziel

Schnell sein, das müssen sie alle. Die Fahrer, die sich schon länger kennen, mal Konkurrenten und mal Verbündete sind, kennen nur ein Ziel: den Titelgewinn. Im verlässlichen Audi-Modell, das gerade auf der Strecke in Oschersleben ein wichtiger Gefährte ist, sollen die Fahrer aus den 585 PS das Optimum herausholen.

Der Leistungsdruck ist hoch, der Sponsor verlangt viel. «Dieses Team soll um jeden Preis gewinnen, aber bei einem derart hohen finanziellen Aufwand ist dieser Anspruch unseres Sponsors auch gerechtfertigt. Letztlich will ich ja auch als Nummer 1 zurückkehren», sagt Feller.

Chancen auf den Titelgewinn sind vorhanden. Im vergangenen Jahr wurde «Land Motorsport» Vizemeister und auch Feller konnte damals noch für das Team «Mücke» fahrend, auf sich aufmerksam machen.

Wichtiger Wendepunkt

Im Januar trat er zum ersten Mal für «Land Motorsport» an und hätte ohne eine nachträgliche Strafversetzung am 24-Stunden-Rennen in Daytona (USA) den zweiten Platz geholt. Nicht nur deswegen lastet Druck auf Feller. Die dritte Saison stellt für viele Fahrer einen wichtigen Wendepunkt dar, an dem es sich nach der überdauerten Eingewöhnungsphase zu beweisen gilt.

Trotzdem behält Feller einen klaren Kopf. Er bleibt realistisch, weiss, dass die Konkurrenz stark ist. Dass am Schluss nur der Renntag zählt und ein gutes Resultat nicht nur von den Fahrern, sondern auch von der Leistung der Mechaniker und Ingenieure abhängt.

Aber Erfolg ist meistens doch planbar. Im Wohnmobil, mit dem er mit seiner ganzen Familie nach Deutschland fährt, werde er noch einmal die Reports der letzten Testfahrten durchgehen, sagt Feller.

Er lässt sich nicht durch den blossen Erfolg zufriedenstellen, will auch genau wissen, wie dieser entstehen kann. Wie und warum Autos überhaupt fahren, wie sie eben fahren. Aus diesem Grund hat er sich auch für eine Lehre in der Autogarage seiner Eltern entschieden. Doch das «normale Leben» ist für Feller eher zweitrangig. Die kommende Saison und das Leben auf der Überholspur haben erste Priorität.