Ob schwergewichtige Routiniers oder fliegengewichtige Jungtalente. Die 300 Zuschauer in der Kasernenturnhalle Aarau bekamen am Boxmeeting in Aarau die ganze Palette, von kraftvoll bis elegant, von ungestüm bis behäbig zu sehen.

Für einige Athleten war der Auftritt beim Meeting der erste Ernstkampf überhaupt. So auch für Jonas Nyfeler vom gastgebenden Boxclub Aarau. Die Premiere des 18-Jährigen fand allerdings ein frühzeitiges Ende. In der dritten und letzten Runde warf sein Trainer Cheibar Dadmal das Handtuch. Nyfelers Gegner, Marco Carvalho vom Box-Center Wallisellen, ebenfalls ein Neuling im Ring, war schlicht zu überlegen.

«Als ich das Handtuch fliegen sah, war ich frustriert, es hat mich richtig angeschissen», sagte Nyfeler, «gerne hätte ich den Kampf zu Ende geboxt. Aber wer weiss: Morgen bin ich vielleicht dankbar für den Entscheid des Trainers. Er weiss schliesslich, was er macht.»

Vorstoss in eine neue Dimension

Es ist ein grosser Schritt vom Trainingskeller in den Boxring. Das Duell Mann gegen Mann ist wie das Vorstossen in eine neue Dimension. «Sämtliche Vorsätze waren nach dem ersten Schlag wie weggeblasen», beschreibt der Sanitär-Lehrling seine Erfahrung. Nyfeler wollte seinen Grössenvorteil ausnutzen, auf Distanz boxen. «Doch Carvalho ist immer in mich reingelaufen. Der Plan war weg. Es war wie im Tunnel. Ich sah nur noch den Gegner vor mir.»

Sieben Jahre lang hat der Rohrer wettkampfmässig Schwimmsport betrieben. Als er vor einem Jahr mit dem Schwimmen aufhörte, wechselte er ins Fitnessboxen, das von seinem Vater Röbi geleitet wird. Röbi Nyfeler ist Sozialdiakon in Staufen. Er führt Gottesdienste durch und kümmert sich um die Jugendarbeit. «Du bist unschlagbar», lautet sein Programm zur Gewaltprävention.

Trotz dem Segen von oben: Unschlagbar war Jonas Nyfeler im Ring nicht, dennoch darf er sich auch als Sieger fühlen. Die Angst vor den Schlägen, die Nervosität vor dem Kampf – das alles hat Nyfeler überwunden. Erst vor vier Wochen hat er sich durchgerungen, mal in den Ring zu steigen. «Im Hinterkopf habe ich schon länger mit dem Gedanken gespielt. Es hat mich einfach mal gereizt.» Als dann vor einer Woche die Boxlizenz eintraf, wurde er sich erstmals der Tragweite seines Entscheids bewusst. Als Nyfeler am Morgen des Kampftags die Halle betrat, erreichte die Nervosität ihren Siedepunkt. «Als ich dann in den Ring stieg, fragte ich mich: Warum mache ich das?»

Nase und Oberarme schmerzen

Und Nyfelers Fazit? «Die drei Minuten pro Runde kamen mir unendlich lange vor. Die Wirkung der Schläge habe ich mir schlimmer vorgestellt, obwohl jetzt die Nase und die Oberarme schmerzen. Es war eine gute Erfahrung – für das nächste Mal.» Nyfeler will den eingeschlagenen Weg fortsetzen.