Schwingen
Am 64. Weissenstein-Schwinget brachte ein Rinds-Tatar unverhofftes Glück

Die Baselbieter Andreas Henzer und Roger Erb mussten den Sieg auf dem Solothurner Hausberg dem «Stucki Chrigu» überlassen - trotzdem hatten die Freunde Grund zum Feiern: Sie waren stark genug, um den ersten Kranz auf dem Weissenstein zu ergattern.

Michael Schenk
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Andreas Henzer (rechts) durfte Eichenlaub nach Hause tragen.

Andreas Henzer (rechts) durfte Eichenlaub nach Hause tragen.

Keystone

Bereits am Mittag, nachdem sich das Unwetter vom Morgen verzogen hatte, stand fest, dass weder der Einheimische vom gastgebenden Schwingklub Solothurn, Bruno Gisler, noch der andere Nordwestschweizer Trumpf, Christoph Bieri, den Schlussgang am eigenen Bergkranzfest auf dem Weissenstein erreichen würde. Die beiden NWS-Protagonisten lagen in dem Moment mit je zwei Gestellten bereits zu weit zurück.

Vorteile für die Berner Schwinger

Die Berner, die nicht wirklich mit ihrem «Sonntagsanzug» antraten, bei denen also etliche «Stars» fehlten, hatten so unerwartet leichtes Spiel. Am Ende gingen sechs der nur elf vergebenen Kopfschmucke an sie.

Den Nordwestschweizern blieben durch den auftrumpfenden Andreas Henzner (Schönenbuch), dessen Kollegen Roger Erb (Metzerlen) und Bruno Gisler deren drei. Zweimal Eichenlaub ging an die Südwestschweizer. Den rein bernischen Final zwischen Christian Stucki und Bernhard Kämpf entschied der Kilchberg-Sieger von 2008 mittels Kurz zu seinen Gunsten.

Für das überragende Ergebnis aus NWS-Sicht zeichnete wie erwähnt der Baselbieter Andreas Henzer verantwortlich. Nach für ihn schon fast unzähligen Anläufen holte sich der 36-jährige Turnerschwinger seinen ersten Kranz am eigenen Bergfest. Zeit seis geworden für einen von seinem Stand. Mit 65 Kränzen ist Henzer diesbezüglich einer der «Chefs» der NWS-Truppe. «Man ist nie zu alt, um noch etwas zu schaffen, was einem vorher nicht gelungen ist», kommentierte er seinen Gala-Auftritt.

Er, der schon dabei war, als es auf dem Weissenstein noch keine Kränze gab. Letzteres ist erst seit dem Jahr 2000 so. Oft habe er das so sehr ersehnte Eichenlaub nur knapp verfehlt. «Umso glücklicher bin ich, dass es jetzt geklappt hat.»

Die Baselbieter nutzten die Kraft des Rindes

Das Rinds-Tatar, das er jeweils traditionell am Vorabend eines Schwingfests zusammen mit seinem Kollegen Roger Erb im Restaurant isst, muss diesmal von einem besonders steif-strammen Rinde gekommen sein. Denn auch der 22-jährige Landmaschinenmechaniker eroberte sich seinen ersten Weissenstein-Kranz. «Wir haben beim Essen am Freitag noch gesagt, dass wir diesmal doch beide den Kranz holen könnten», so Henzer. Nun – gesagt, getan.

Für das dritte Eichenlaub der Nordwestschweizer zeichnete letztlich doch noch Routinier Bruno Gisler verantwortlich. Nachdem der Lokalmatador und Sieger von 2003 und 2013 zum Festauftakt gegen den Berner Eidgenossen Thomas Sempach stellte und dann überraschend auch Simon Röthlisberger stehen liess, war der Zug punkto Spitzenplatz praktisch abgefahren. Dafür hätte es schon einer gewaltigen Leistungssteigerung bedurft. Im fünften Gang musste Gisler indes auch noch Alexander Kämpf ein Remis zugestehen.

Aber nichtsdestotrotz: Den Kranz auf dem Weissenstein muss man erst einmal machen und Gisler hat dies heuer zum zehnten Mal getan. Den Kranz um das berüchtigte «Vierteli» verpassten die beiden Aargauer Nick Alpiger und Christoph Bieri.

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