Basketball
Alte Kanti Aarau von finanziellen Sorgen geplagt

Der Aargauer Spitzenklub Alte Kanti Aarau braucht dringend Geld, ansonsten muss eine der beiden erfolgreichen NLB-Mannschaften aufgelöst werden.

Fabio Baranzini
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Frauen, Männer oder weiterhin beides? Dem BC Alte Kanti Aarau stehen wegweisende Wochen bevor.

Frauen, Männer oder weiterhin beides? Dem BC Alte Kanti Aarau stehen wegweisende Wochen bevor.

Baranzini

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Der BC Alte Kanti Aarau ist sportlich zu erfolgreich, um mit den vorhandenen Mitteln so weiter zu spielen wie bisher. Als eines von nur vier Teams in der Schweiz stellen die Aarauer sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen eine Equipe in der Nationalliga B.

Beide Mannschaften haben nach der Hälfte der Meisterschaft noch die Chance, den Aufstieg zu schaffen. Und trotzdem steht der Verein in den kommenden Wochen vor der wohl schwierigsten Entscheidung seiner Geschichte. Die Aarauer müssen eine Antwort auf die Frage finden, in welcher Form sie den Spielbetrieb ab der kommenden Saison weiterführen wollen.

Wo liegt das Grundproblem?

Dem BC Alte Kanti Aarau fehlen 50 000 Franken und je ein Assistenztrainer für die erste Frauen- und Männermannschaft, um in der kommenden Saison mit zwei Teams in der NLB antreten zu können.

«Wir führen intensive Gespräche mit unseren bisherigen und potenziellen Sponsoren, aber es ist eine sehr schwierige Ausgangslage», sagt Vereinspräsident Christian Roth. Bereits jetzt müssen die Aarauer jährlich rund 195›000 Franken für die beiden Fanionteams aufwenden (siehe Tabelle).

Was geschieht, wenn die zusätzlichen Ressourcen nicht beschafft werden können?

Bis Ende März haben die Verantwortlichen Zeit, um die personellen und finanziellen Mittel aufzutreiben. Gelingt dies nicht, werden die Aarauer eines ihrer beiden Teams aus der zweithöchsten Spielklasse zurückzuziehen müssen. Neben dem Vorstand werden auch die Spielerinnen und Spieler der betroffenen Equipen in den Entscheidungsprozess miteinbezogen.

Was spricht für den Erhalt des Männerteams?

Innerhalb von fünf Jahren haben sich die Männer aus den Niederungen der 2. Liga in die Nationalliga B gespielt und sich mit zwei Meistertiteln an der absoluten Spitze etabliert. «Wir haben mit diesem Team in der Telli eine Euphorie ausgelöst, grosse Erfolge gefeiert und bieten den Zuschauer attraktiven Sport», so Roth.

Das Männerteam des BC AKA mit der dazugehörigen Show nach fünf Jahren aufzulösen, wäre ein herber Verlust für den Verein und die Schweizer Basketballszene.

Was spricht für den Erhalt des Frauenteams?

Obwohl Frauenbasketball – was Physis und Intensität anbelangt – weniger attraktiv ist, und obwohl die Mannschaft erst die zweite Saison in der Nationalliga B bestreitet, gibt es gute Gründe, die für eine Weiterführung der Frauenequipe sprechen:

Gleich sieben Spielerinnen der ersten Mannschaft stammen aus dem eigenen Nachwuchs und aus dem erfolgreichen U19-Team, das letzte Saison Vize-Schweizermeister wurde, rücken in den nächsten Jahren weitere Spielerinnen nach. «Wir haben bei den Frauen schweizweit das wohl grösste Potenzial», glaubt Trainer Milenko Tomic. Die Zukunft ist also gesichert, zumal die zweite Mannschaft vor dem Aufstieg in die 1. Liga steht.

Auf externe Kräfte angewiesen

Weniger vielversprechend präsentiert sich die Lage bei den Männern. Der Nachwuchs ist zwar vorhanden, jedoch in naher Zukunft noch nicht bereit für den Sprung in die erste Mannschaft. Die Aarauer sind also weiterhin auf externe Kräfte angewiesen.

Dies entspricht einerseits nicht der ursprünglichen Idee von Präsident Christian Roth und belastet andererseits die Klubkasse enorm. «Das Männerteam kostet beinahe doppelt so viel, wie die Frauenmannschaft», so Roth. Kommt hinzu, dass die Frauen im Verein wesentlich aktiver sind. Sie stellen die Mehrheit der Funktionäre (20 von 26) und leisten mehr als 70 Prozent der Offiziellen-Einsätze. Und das, obwohl sie gesamthaft nur 35 Prozent des Mitgliederbestandes ausmachen.

Über eine Tendenz, in welche Richtung die Entscheidung gehen könnte, kann Präsident Roth noch keine Angaben machen. Ihm schwebt ohnehin ein anderes Szenario vor: «Ich träume noch immer davon, dass wir künftig mit beiden Teams in der NLB spielen.»