Gigathlon
«Als Single-Frau spürt man extreme Anerkennung»

Barbara Cina und Ursula Müller aus Wölflinswil starten morgen zusammen mit 32 anderen Frauen ins Einzelrennen.

Fabian Kern
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Barbara Cina (links) und Ursula Müller simulieren beim Aufstieg auf das Benkerjoch die Inline-Strecke vom Freitag und Sonntag. Fabian Kern

Barbara Cina (links) und Ursula Müller simulieren beim Aufstieg auf das Benkerjoch die Inline-Strecke vom Freitag und Sonntag. Fabian Kern

bz Basellandschaftliche Zeitung

Was treibt eine Frau dazu, in 48 Stunden 340 Kilometer und 11111 Höhenmeter in fünf verschiedenen Disziplinen zurückzulegen? «Es ist die Herausforderung, die Freude am Sport und die einmalige Stimmung am Gigathlon», antworten Barbara Cina und Ursula Müller unisono. Dass die beiden im nur 34 Teilnehmerinnen umfassenden Feld der Kategorie «Single Woman» die 913-Seelen-Gemeinde Wölflinswil gleich doppelt vertreten, ist allerdings Zufall. Sowohl Cina als auch Müller waren schon mit dem «Gigathlon-Virus» infiziert, als sie einander in einer Schwimmgruppe kennenlernten. «Wir haben bald gemerkt, dass wir auf derselben Wellenlänge sind», sagt Cina. Von aussen werde man oft als fanatisch angesehen.

Angesichts des Pensums liegt denn auch das Klischee der verbissenen Sportlerinnen nah, die sich auf Inlineskates, Rennvelo, Mountainbike, in Laufschuhen und im Wasser schinden. Doch weder bei der diplomierten Pflegefachfrau Cina noch bei der biomedizinischen Analytikerin Müller kann man solches feststellen. «Ich muss mir die Trainingseinheiten dann nehmen, wenn ich kann», sagt die 42-jährige Müller, die an Triathlons in der ganzen Welt teilnimmt und vor zwei Jahren 11. wurde am Gigathlon. «Wenn ich mit dem Velo nach Frick zum Einkaufen fahre, habe ich eine Gratis-Einheit», beschreibt die dreifache Mutter ihren Alltag. Dennoch schafft sie es, die Wochenenden für die Familie freizuhalten.

Platz 16 trotz Knochenbruchs

Etwas einfacher hat es Barbara Cina. Ihr Mann Guido, selbst ehemaliger Profiläufer, ist gleichzeitig ihr Trainer. Die 33-Jährige hat sich die Basis für ihren dritten Single-Gigathlon beim Wien-Marathon im Frühling geholt. «Auf dieser Kondition habe ich alles aufgebaut», sagt Cina. Sie war bei ihren bisherigen Einzelauftritten am Gigathlon nicht vom Glück verfolgt. 2009 beendete sie das Rennen trotz eines gebrochenen Knochens im Schultergelenk auf Platz 16, ein Jahr später musste sie aufgeben. «Dieses Jahr liebäugle ich mit den Top Ten», sagt sie. Ihr Mann Guido sieht das ähnlich: «Ich traue Barbara eine brillante Leistung zu.»

Dennoch stehen beim Gigathlon weder die Zeit noch der Rang im Vordergrund. «Zum Teil motiviert man sich unter den Teilnehmern gegenseitig», sagt Müller. Beeindruckend sei aber auch der Support von den Zuschauern. «Als Single-Frau spürt man eine extreme Anerkennung», meint Cina. Das gebe einen grossen Motivationsschub, genauso wie das Betreuerteam, das die ganze Zeit beschäftigt ist. Von der umfangreichen Ausrüstung müssen schliesslich immer die richtigen Teile zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.

Wenn auch die Leistung der Einzelteilnehmer angesichts der vielen Teams am Gigathlon beinahe etwas untergeht – in Wölflinswil kennt man seine zwei Botschafterinnen, die mit ihren Inlineskates aufs Benkerjoch fahren. Immer wieder.

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