Kuhns Fussballwelt

Als 19-jähriger Spieler des FCA: David Degen und die 1800 Franken

David Degen verdiente beim FC Aarau gerade einmal 1800 Franken im Monat.

David Degen verdiente beim FC Aarau gerade einmal 1800 Franken im Monat.

Seit 35 Jahren schreibt Ruedi Kuhn über den FC Aarau. In der Kolumne «Kuhns Fussballwelt» erzählt er von unvergesslichen Begegnungen mit Menschen, die ihn geprägt haben.

David Degen hat von Basel-Besitzer Bernhard Burgener zehn Prozent der Aktien der FCB-Holding AG gekauft. Das wirft die eine oder andere Frage auf: Ist dieser Kauf ein Coup und von langer Hand geplant? Hat Degen also Machtansprüche? Oder ist der FCB für ihn schlicht und einfach eine Herzensangelegenheit?

Ich bin kein Hellseher. Aber eines weiss ich: Degen ist kein schlechter Mensch. Mag sein, dass das Energiebündel das Herz auf der Zunge trägt, die Geister scheidet und zeit seines Lebens ein Lausbub bleiben wird. Aber er ist ein Lausbub mit Stil. Ich weiss, wovon ich schreibe. Das Talent mit Offensivdrang spielte als 19-Jähriger für den FC Aarau. Weil der trickreiche und pfeilschnelle Stürmer auf und neben dem Spielfeld eine tragende Rolle übernahm, bat ich ihn damals zu einem Interview.

Das Interview warf hohe Wellen. Degen verriet mir im Gespräch unter vier Augen, dass er beim FCA einen monatlichen Fixlohn von 1800 Franken habe. Nur 1800 Franken? Für mich war dieses magere Salär eine Schlagzeile wert. Ich machte den Lohn von Degen öffentlich und kam deswegen in Teufels Küche. Die Verantwortlichen des FCA behaupteten, dass die Summe nicht stimme, und stellten mich an den Pranger. 

Die Emotionen kochten hoch

Schliesslich bekam ich ein Stadionverbot. Das Brügglifeld wurde für mich zum Sperrgebiet. Was tun? Ich meldete mich bei Degen und bat ihn, mir eine Kopie seines Lohnausweises auszuhändigen. Er zögerte keine Sekunde. Degen gab mir, was ich wollte. Und siehe da; der Fixlohn war tatsächlich 1800 Franken. Ich hatte den Beweis schwarz auf weiss und war rehabilitiert.

Ich möchte mich bei Degen für die nette Geste bedanken. Bleibt aus aktuellem Anlass trotz aller Sympathie die Frage, ob der heute 36-Jährige früher oder später aus dem Schatten von Bernhard Burgener treten will. Dem ehemaligen Profi, ideenreichen Unternehmer und früheren Spielerberater ist alles zuzutrauen. Der Kauf des Mehrheitsanteils vom Aktienpaket wäre allerdings ein teurer Spass. Da würden die 1800 Franken, die Degen beim FC Aarau monatlich verdient hat, nicht ausreichen.

Autor

Ruedi Kuhn

Ruedi Kuhn

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