Als Sportminister ist Regierungsrat Alex Hürzeler an der heutigen Sport-Gala in der Bärenmatte Suhr Gastgeber. Im Interview spricht er über die Neuausrichtung in der Aargauer Sportförderung und verrät, dass die Stadt Aarau 2019 sehr gut Chancen hat, das Eidgenössische Turnfest zu beherbergen.

Regierungsrat Alex Hürzeler, wann kamen Sie sportlich das letzte Mal ins Schwitzen?

Alex Hürzeler: Das war am vergangenen Donnerstag, als ich das Skilager der Schule Gansingen-Laufenburg in Elm besuchte. Am Skirennen der Schülerinnen und Schüler war ich aktiv als Vorfahrer dabei.

Und was war der letzte Sportevent, den Sie im TV gesehen haben?

Das war das Champions-League-Spiel des FC Basel gegen Bayern München. Mich interessieren fast alle Sportarten, mein Amt lässt es aber nicht zu, dass ich allzu viele Sportevents im Fernsehen verfolgen kann.

Sie interpretieren Ihre Rolle als Sportminister ziemlich aktiv: Sind Sie der Adolf Ogi des Aargaus?

Als Bildungs-, Kultur und Sportdirektor möchte ich Sport und Bewegung allen Einwohnerinnen und Einwohnern im Kanton Aargau nahebringen. Es ist mir ein Anliegen, dies auch vorzuleben und politisch zu unterstützen. Was Adolf Ogi national für den Sport gemacht hat, kann ich mir durchaus auch für den Aargau vorstellen. Aber auf meine Art, wie ich auch sonst auf meine Art politisiere.

Hat Sie 2011 eine sportliche Leistung eines Aargauers besonders beeindruckt?

Was auffällt, ist, dass wir im Aargau keine dominierende Sportpersönlichkeit haben. Wir sind sehr breit aufgestellt, was mich freut. Wir haben sehr viele Schweizer Meisterinnen und Meister, aber nicht in jenen Disziplinen, die international das ganz grosse Renommee geniessen.

Sie haben es angesprochen, es gibt kein grosses Aushängeschild aus dem Aargau. Woran liegt das?

Das liegt wohl am Fehlen eines klaren Zentrums, wo auch punkto Sponsoring ganz andere Möglichkeiten bestehen. Selbst Einzelsportler zieht es häufig in die Vereine der grossen Städte. Trotzdem sind wir in etlichen Sportarten führend. Der Aargau ist und bleibt beispielsweise ein Radsportkanton. Mit Kunstturnen, Judo, Ringen, Landhockey und OL gibt es weitere Sportarten, in denen wir seit Jahrzehnten national an der Spitze stehen.

Wie viel Geld investiert der Kanton Aargau jährlich in den Sport?

Der Sport beansprucht im kantonalen Budget einen absolut marginalen Anteil. Hingegen haben wir durch die Jugend+Sport-Beiträge des Bunds sehr gute Möglichkeiten, in den Breiten- und Nachwuchssport zu investieren. Unser Paradepferd ist der freiwillige Schulsport, der im Aargau aufgestellt ist wie nirgendwo in der Schweiz. Wunderbar, wie Schulen und Sportvereine hier zusammenarbeiten. Zusätzlich erhält der Kanton aus dem Reingewinn von Swisslos rund 6 Mio. Franken pro Jahr zugunsten des Swisslos-Sportfonds Aargau.

Welche Möglichkeiten hat der Kanton in der Sportförderung?

Viel ist vom Bund vorgegeben. Es gibt Elemente in der Nachwuchsförderung, bei denen wir als Kanton subsidiär mithelfen. Wir haben aber die Möglichkeiten, gezielt Einzelsportler oder Teams zu unterstützen, was wir in Zukunft vermehrt tun wollen. In der Strategie des Departements BKS ist ein Schwerpunkt Leistungssport verankert. Mittels finanziellen Anreizen für national und international erfolgreiche Sportlerinnen und -sportler in Einzel- und Teamsportarten wollen wir erreichen, dass noch mehr Aargauerinnen und Aargauer in den höchsten Leistungsklassen vertreten sind.

Der Leistungssport soll in Zukunft gepusht werden. So deutlich hat man das bisher nie definiert!

Ich bin überzeugt, dass es an der Spitze Vorbilder für den Breiten- und Jugendsport braucht, die eine Sogwirkung auslösen. Wir möchten unsere Möglichkeiten im Rahmen der heutigen Sport-Toto-Verordnung zur Förderung von Sportlerinnen und Sportlern mit olympischem Potenzial deshalb noch besser ausschöpfen.

Vereine aus den höchsten Ligen sagen, der Aargau sei im Gegensatz zu anderen Kantonen bei den direkten Fördergeldern sehr zurückhaltend. Können Sie diese Kritik nachvollziehen?

Ich habe Verständnis für die Anliegen unserer Aargauer Spitzenvereine. Wir prüfen weitergehende Unterstützungsmöglichkeiten. Der Weg, den wir bei der Überarbeitung des Kulturgesetzes 2010 mit der gezielten Förderung unserer kulturellen Aushängeschilder gegangen sind, wäre allenfalls ein Ansatz.

Auch die Infrastruktur im Aargau ist höchstens zweitklassig.

Insbesondere was grosse Sportzentren anbetrifft, haben wir eindeutig einen Nachholbedarf. Wenn der Aargau bessere Infrastrukturanlagen präsentieren kann, haben wir die Möglichkeit, neben Judo weitere nationale Leistungssportzentren in den Aargau zu holen. Dies ist dank unserer zentralen Lage und den hervorragenden Ausbildungsangeboten für Nachwuchs-Leistungssportler – ich denke hier an die Sportklassen an der Alten Kanti oder die Spitzensport unterstützenden Lehrstellen – ein durchaus realistisches Ziel. Dazu fehlt uns aber insbesondere ein kantonales Sport- und Kurszentrum mit einer grossen Wettkampfhalle.

Wo muss der Sport im Aargau in Zukunft sonst noch besser werden?

Ich möchte forcieren – auch im Sinne von Standortmarketing und Imageförderung –, dass der Kanton Aargau national auch im Sportbereich mehr wahrgenommen wird. Das kann sowohl durch sportliche Erfolge als auch durch entsprechende Veranstaltungen geschehen.

Nimmt der Kanton deshalb eine aktive Rolle ein, wenn es darum geht, das nächste Eidgenössische Turnfest 2019 in den Aargau zu holen?

Der Aargau ist ein Turnkanton und als Gründungsort und Sitz des Schweizerischen Turnverbandes prädestiniert, nach 1972 wieder einmal ein Eidgenössisches Turnfest zu organisieren. Der Kanton präsentiert sich so einer breiten Öffentlichkeit, das haben das Schwingfest, das Schützenfest und das Jodlerfest klar gezeigt. Ich habe deshalb zusammen mit dem Aargauer Turnverband eine Kandidatur persönlich initiiert und es freut mich sehr, dass inzwischen klar ist, dass wir mit der Stadt Aarau einen hervorragenden Austragungsort gefunden haben. Wir werden bis Ende März eine ganz starke Bewerbung einreichen, die hoffentlich auch den STV überzeugen wird.