Fussball
Alain Sutter: «Ich wollte mit dem Spielabbruch ein Zeichen setzen»

Der Juniorentrainer des FC Baden provozierte im Spiel gegen Tägerig einen Spielabbruch. Der Aargauer Fussballverband will den Fall bis nächste Woche analysieren. «Ich erlebte ihn eigentlich immer als ruhigen Trainer», sagt der Coach von Tägerig.

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Ex-Nati-Spieler Alain Sutter im Einsatz als Juniorentrainer

Ex-Nati-Spieler Alain Sutter im Einsatz als Juniorentrainer

Keystone

«Es stimmt, dass ich den Spielabbruch provoziert habe. Ich wollte ein Zeichen setzen, weil die Grenzen des Fairplays klar überschritten wurden. Den Schiedsrichter habe ich aber nicht beleidigt», sagt Alain Sutter auf die Vorfälle. Der 62-fache Internationale wehrt sich vehement gegen die vom Spielleiter im «Blick» geäusserten Vorwürfe.

Spielabbruch bei den D-Junioren

Beim D-Juniorenspiel zwischen dem FC Tägerig und dem FC Baden überschlugen sich am vergangenen Dienstagabend die Ereignisse. Der klubinterne Tägeriger Jungschiedsrichter brach die Partie auf dem Sportplatz Kleinzelg beim Stand von 6:3 für die Gastgeber ab. Der Grund: Baden-Trainer Alain Sutter fühlte sich vom 15-jährigen Spielleiter benachteiligt, unterbrach dreimal die Partie, um sich beim Unparteiischen zu beschweren und holte seine elf- bis zwölfjährigen Spieler schliesslich vier Minuten vor Schluss vom Platz.

Sutter fügt hinzu: «Ich soll dem Schiedsrichter die Worte zugerufen haben, aus welchem Heim er denn komme. Das stimmt ganz einfach nicht. So etwas würde ich nie tun. Ich habe eine Schwester, die an einer Behinderung leidet. Ich weiss also, was ein solches Leiden bedeutet und würde nie eine solche Äusserung machen.»

Gelassenheit beim FC Baden

Die Führungscrew des FC Baden reagiert gelassen auf die Vorfälle. Das für den Breitensport zuständige Präsidiumsmitglied Urs Käser war beim Spiel in Tägerig zwar nicht mit dabei, hätte sich vom früheren Star des FC Bayern München und TV-Experten aber etwas mehr Coolness und Souveränität gewünscht: «Emotionen gehören zwar zum Fussball, aber Alain Sutter hätte seine Mannschaft sicherlich nicht vom Spielfeld nehmen sollen», sagt Käser.

«Wir werden mit ihm das Gespräch suchen. Dass sich Sutter im Nachhinein für sein Verhalten entschuldigt hat, ist ein gutes Zeichen.»

«Das Spiel war nie unfair»

Der kleine FC Tägerig erlebte gestern einen grossen Mediensturm. «Plötzlich wollten alle etwas von uns wissen», sagt ein Vereinsverantwortlicher. «Wir haben, um nicht noch mehr Öl ins Feuer zu giessen, jedoch entschieden, momentan nichts dazu zu sagen.» Dem Freiämter Verein ist vor allem wichtig, dass nun nicht der Anschein entsteht, als seien die eigenen Junioren «alle kleine Rowdys».

Er verstehe Alain Sutters Entscheid, den Platz zu verlassen, nicht. «Und ich bin überzeugt, dass er ihn schon in der Garderobe bereut hat», sagt das Vorstandsmitglied. Tägerigs D-Juniorentrainer Giorgio Gaetani ist bereits seit acht Jahren als Coach im Nachwuchs des Vereins tätig. Er hat schon mindestens dreimal gegen Teams des FC Baden, die von Alain Sutter geführt wurden, gespielt.

«Ich habe ihn immer als sehr ruhigen Coach - auch zu den eigenen Spielern - erlebt. Deshalb war ich selber überrascht, als er diesmal mehrmals während der Partie aufs Spielfeld lief, um mit dem Schiedsrichter zu reden.» Gaetani gibt zu, dass es zwei, drei Entscheide des Unparteiischen zu-ungunsten des FC Baden gegeben habe, «aber das Verhalten der Spieler war deswegen nie aggressiv oder gar beleidigend.

Es war einfach ein intensives, körperbetontes und nie unfaires Juniorenspiel zweier Teams, die gewinnen wollten.» Sutter habe zwar während des Spiels das eine oder andere gesagt, dass er nicht unbedingt hätte sagen sollen, «aber unter die Gürtellinie ging er dabei nie». Kritik übt er am Alt-Internationalen nur für dessen vorzeitigen Abgang. «Eine solche Entscheidung fällt man vier Minuten vor Spielschluss nicht.

Er hätte in aller Ruhe nach dem Spiel mit dem Schiedsrichter und uns reden können.» Allerdings hat Gaetani auch lobende Worte für Alain Sutter übrig: «Später ist er aus der Kabine gekommen, hat jedem unserer Spieler zum Sieg gratuliert und sich auch bei uns Trainern in aller Ruhe freundlich verabschiedet». So wie es Juniorentrainer Alain Sutter eigentlich immer macht.

Zurückhaltung beim Fussballverband

Aufseiten des Aargauischen Fussballverbandes (AFV) gibt man sich zurückhaltend. Präsident Hans Aemisegger hebt den Mahnfinger und sagt: «Ich kenne die Sachlage des Spielabbruchs in Tägerig aus den Akten und warne vor voreiligen Schlüssen gegen die Person von Alain Sutter. Der Fall wird von der Wettspielkommission sowie der Kontroll- und Strafkommission behandelt. Sie werden die Stellungnahmen der beteiligten Vereine und Personen auswerten.»

Die Mitglieder der zwei Kommissionen werden in erster Linie über die Konsequenzen für Sutter entscheiden müssen. Ausserdem geht es um die Wertung des Spiels. Erste Ergebnisse sind Mitte nächster Woche zu erwarten. (ruku/rs/rom)

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