Sport Schweiz 2014
Aktivität und Interesse der Bevölkerung sind sehr hoch

Der Sport nimmt in der Schweizer Bevölkerung einen so grossen Stellenwert ein wie noch nie. Die Zahl der Sporttreibenden hat sich in den letzten 40 Jahren verdoppelt. 44 Prozent der Schweizer betätigen sich mehrmals wöchentlich sportlich.

Rainer Sommerhalder
Merken
Drucken
Teilen
Fabian Cancellara trainiert mit Rad-Junioren – die Unterstützung des Nachwuchssports stösst in der Schweizer Bevölkerung auf eine hohe Zustimmung.

Fabian Cancellara trainiert mit Rad-Junioren – die Unterstützung des Nachwuchssports stösst in der Schweizer Bevölkerung auf eine hohe Zustimmung.

KEYSTONE

Die Studie «Sport Schweiz 2014» hat im Auftrag des Bundesamtes für Sport und von Swiss Olympic mehr als 12 000 Schweizer Erwachsene und Jugendliche zu ihrer Beziehung zum Sport befragt.

Es war nach 2000 und 2008 die dritte gross angelegte Befragung der Bevölkerung. Die Resultate bilden die wissenschaftliche Grundlage für künftige sportpolitische Entscheide und die Sportplanung in der Schweiz.

Mehr Mittel für den Nachwuchs

Das Bekenntnis zum Sport ist auch ein klares Bekenntnis zur Breitensportförderung. Eine überwältigende Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer wünscht sich im Bereich der Nachwuchsleistungssportförderung sogar einen Ausbau der Anstrengungen. Auch der Spitzensport erhält gute Noten. 80 Prozent der Befragten sind der Meinung, die Schweiz dürfe stolz sein auf die Leistungen im internationalen Vergleich.

Abstriche muss sich der Spitzensport dort gefallen lassen, wo er mit unlauteren Mitteln kämpft oder dort, wo er übertrieben wird. Doping und Korruption werden ebenso als Problem erkannt wie Hooliganismus. Im Kampf dagegen fordert die Bevölkerung harte Massnahmen. Die Frage, ob in der Schweiz ein Grossanlass wie Olympische Spiele stattfinden soll, wird kontrovers diskutiert. Exakt 50 Prozent der Befragten waren dagegen.

Schweiz als Vorzeigeland

International top ist die Schweizer Bevölkerung dafür bei den eigenen Anstrengungen. Nur die Skandinavier betätigen sich in Europa ähnlich oft sportlich. Zu verdanken ist dieser Spitzenplatz der vermehrten Bewegung der Frauen, deren Anteil am Sporttreiben seit 2000 um zehn Prozent zugenommen und sich jenem der Männer angeglichen hat. Auch Senioren treiben deutlich mehr Sport als früher.

Bei den Lieblingssportarten der Schweizerinnen und Schweizer gibt es so etwas wie den «helvetischen Mehrkampf». Die Hitliste der Aktivitäten wird angeführt von Wandern, Radfahren, Schwimmen und Jogging. Im Durchschnitt betreibt der Schweizer 3,8 Sportarten, was angesichts des immer vielfältigeren Angebots nicht überrascht. Über 250 verschiedene Sportarten nannten die Befragten. Nur 5 Prozent haben mit dem Sport schlechte Erfahrungen gemacht. Gelobt und geschätzt wird insbesondere die vielfältige Infrastruktur in der näheren Umgebung.

Tragende Rolle für Sportvereine

Gross ist die Bedeutung des Vereinssportes und der Ehrenamtlichkeit. Ein Viertel der Sporttreibenden ist Mitglied in einem der mehr als 20 000 Sportvereine. Am meisten geschätzt am Verein wird die gute Arbeit der Trainer. Ein Fünftel der Schweizer Bevölkerung setzt sich freiwillig und unentgeltlich für den Sport ein.

Dank der hohen Flexibilität sind auch Fitnesscenter beliebt. Ein Sechstel der Bevölkerung – Tendenz steigend – ist dort regelmässig zu Gast. In der Deutschschweiz ist man aktiver als in der lateinischen Schweiz, und Ausländer betreiben deutlich weniger Sport als Schweizer. An Wettkämpfen nimmt ein Viertel der Aktivsportler teil.

Der Sport ist nicht nur ein wichtiger gesellschaftlicher Faktor, sondern auch ein wirtschaftlicher. 40 Prozent der Bevölkerung verbringen einmal pro Jahr Ferien, in welchen der Sport im Mittelpunkt steht, zumeist im Inland. Pro Kopf und Jahr geben die Schweizer 2500 Franken für den Sport aus.