Erneut rennt ein Afrikaner im Aargau allen davon. Der Äthiopier Fikru Guta erringt den Tagessieg am 51. Pfingstlauf Wohlen mit einer Zeit von 32.41 Minuten über zehn Kilometer. «Für mich war der Lauf locker, sehr locker», sagte Guta, der bereits den Lenzburger Lauf für sich entschieden hat. Für den in Aarau Rohr wohnhaften Asylbewerber war es mehr Training als Wettkampf: Er will am Hallwilerseelauf im Halbmarathon ein Wörtchen mitreden, der Pfingstlauf gehört dabei zu seinem Trainingsprogramm.

Auch für den zweitplatzierten Jens-Michael Gossauer ging es weniger um die Platzierung als um den Trainingseffekt. Der 23-Jährige bildete zusammen mit Guta die Spitze, er kam nur 15 Sekunden nach dem Äthiopier ins Ziel. Dennoch war er zunächst nicht auf der Rangliste auszumachen. Durch eine Panne war Gossauer von der Liste gerutscht, nach Intervention seinerseits aber wieder hinzugefügt worden.

Guta zeigte während des Rennens grosse taktische Disziplin. Er liess Gossauer lange führen und überholte den Zürcher auf den letzten Kilometern. Wenigstens um die Läufer hinter ihm musste sich Gossauer keine Sorgen machen: Der Erlinsbacher David Vogel verlor ganze zwei Minuten auf das Spitzenduo. Wenige Sekunden danach kam mit Marius Keller aus Endingen der erste Aargauer ins Ziel.

Den Läufern setzte vor allem die drückende Hitze zu. Verschiedentlich waren Klagen über die Temperatur zu hören. Beim drittplatzierten Vogel kam noch ein weiteres Problem hinzu: «Ich habe eine Pollenallergie, meine Nase war den ganzen Lauf über zu. Deshalb hat mir das Wetter noch mehr zugesetzt als den anderen», sagte er.

Was bei den Männern nicht klappte, konnte Monika Vogel bei den Frauen liefern: Den Sieg eines Lokalmatadors, beziehungsweise einer Lokalmatadorin. Sie startete für den TV Wohlen und lief eine Zeit von 40.22. Damit distanzierte sie ihre Konkurrentinnen Eline Gemperle und Maja Luder-Gautschi um fast eine ganze Minute.

Beim Waffenlauf, der mit einem Ordonnanzwaffe auf dem Rücken absolviert wird, war die Dominanz des Gewinners sogar noch grösser als bei den zivilen Läufen. Der 29-jährige Heinz Bodenmann aus Gais im Kanton Appenzell Ausserrhoden gewann mit drei Minuten Abstand zu seinem Verfolger Erwin Haas. 181 Läufer nahmen am Waffenlauf teil.

Für den Präsidenten des Organisationskomitees Urs Schalch war der Wettkampf ein Erfolg, obwohl er mit mehr Teilnehmer gerechnet hat: „850 hätten es schon sein können“, sagt er. 780 Läufer nahmen am Pfingstlauf teil. «Dennoch bin ich hoch zufrieden. Wir hatten keinen einzigen Verletzten und keine medizinischen Behandlungen, das ist das Wichtigste», sagt er. Schalch moderiert bereits seit Jahren von einem fünf Meter hohen Podest aus den Pfingstlauf und weist die Zuschauer mitunter scharf zurecht, wenn sie Läufern den Weg versperren.

Der Pfingstlauf ist laut Schalch die Haupteinnahmequelle der Läuferriege Wohlen. Die Start und Sponsorengelder sowie die Inseraeteinnahmen sind für den veranstaltenden Verein also existenziell. Damit der Wettkampf reibungslos über die Bühne gehen konnte, standen auch heuer wieder 120 Helfer im Einsatz. Schalch selbst möchte gerne mit seinem Einsatz zurückstecken: «Ich bin jetzt bald 60, es braucht eine frisches Blut.» Deshalb soll jemand anderes die Leitung übernehmen. Wer das allerdings sein soll, steht in den Sternen: «Wenn wir niemanden finden, mache ich es weiterhin. Der Pfingstlauf darf nicht sterben, er gehört einfach zur Region.»