Schweizer Cup
Abwärts in die Blamage: der FC Wohlen nach dem niederschmetternden 0:4 gegen den 2. Ligisten Linth 04

Der FC Wohlen verliert im Cup gegen Linth 0:4 – was bleibt, ist die Ratlosigkeit. Captain Alain Schultz fasst die Leistung zusammen: «Nicht einer von uns hat es heute verdient, das Trikot des FC Wohlen zu tragen – wirklich niemand!»

Pascal Del Negro
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Die Spieler des FC Wohlen machen sich auf zu einem souveränen Cuperfolg. Sie sollten kläglich scheitern. Alexander Wagner

Die Spieler des FC Wohlen machen sich auf zu einem souveränen Cuperfolg. Sie sollten kläglich scheitern. Alexander Wagner

foto-net / Alexander Wagner

Es ist eine Niederlage, die punkto Peinlichkeit kaum zu überbieten ist. Die Wohler sind nicht einfach im Cup an einem Unterklassigen gescheitert, nein. Sie wurden vorgeführt, regelrecht gedemütigt.

0:4 wird der FC Wohlen an diesem Samstagnachmittag aus dem Stadion geschossen – von den drei Ligen tiefer spielenden Amateuren des FC Linth 04. «Das war arrogant und überheblich. Es gibt keine Entschuldigung für so eine Leistung», sagt denn auch Wohlen-Trainer Ranko Jakovljevic. «Aus unerklärlichen Gründen haben wir nicht umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Wir haben die Zweikämpfe nicht angenommen und zeigten keine Laufbereitschaft.» Die Ratlosigkeit und Enttäuschung stehen ihm ins Gesicht geschrieben.

«Blamage pur» schreibt der Verein Stunden nach dem Spiel auf seiner Facebook-Seite. Er fasst damit das Geschehene treffend zusammen. Wie die Wohler im Glarnerland auftreten, ist nur sehr schwer zu fassen, geschweige denn zu akzeptieren. «Diese Leistung kann man nicht in Worte fassen. Der Auftritt ist einfach nur eine Schande», hält ein sichtlich verärgerter Wohlen-Captain Alain Schultz nach dem Spiel mit Kritik nicht zurück. Und fährt fort: «Nicht einer von uns hat es heute verdient, das Trikot des FC Wohlen zu tragen – wirklich niemand!» Es sind harte Worte. Aber sie kommen nicht von ungefähr.

Wohlen-Captain Alain Schultz: «Nicht einer von uns hat es heute verdient, das Trikot des FC Wohlen zu tragen – wirklich niemand!»

Wohlen-Captain Alain Schultz: «Nicht einer von uns hat es heute verdient, das Trikot des FC Wohlen zu tragen – wirklich niemand!»

Otto Lüscher

Den Gegner unterschätzt?

Nach einem guten Start in die Partie lässt sich Wohlen, nach einer halben Stunde, ein erstes Mal auskontern – 0:1. Es ist so etwas wie der Vorbote davon, was folgen sollte. Die schnellen Linth-Stürmer überfordern die junge Hintermannschaft der Freiämter Mal für Mal. Mit 0:2 geht es in die Pause, und auch danach ist der Challenge-Ligist zu keiner Reaktion mehr fähig. Mit dem dritten Treffer (53.) der Glarner fällt die Entscheidung, kurz vor Schluss (88.) erfolgt der vierte Stich in das bereits tote Wohler Herz.

Es ist eine brutale Niederlage – und eine verdiente. Auch Goalie Flamur Tahiraj ist entsprechend ratlos: «So etwas habe ich noch nie erlebt, es ging einfach nichts.» Tahiraj ist es gar zu verdanken, dass es am Ende «nur» 0:4 steht. Linth hat einige gute Chancen ungenutzt gelassen. Auch, weil der Freiämter Goalie hält, was es zu halten gibt. Trotzdem überwiegt natürlich auch bei ihm die Enttäuschung: «Das darf gegen so einen Gegner nicht passieren – nie im Leben! Wir haben verdient verloren ... Mir fehlen die Worte.» Unterschätzt wolle man den Gegner nicht haben, so Tahiraj. Ranko Jakovljevic jedoch sieht das anders: «Meine Mannschaft hat wohl geglaubt, es ginge alles einfach und von alleine, auch nach dem ersten Gegentor. Aber so läuft das einfach nicht.» Was bleibt, ist die Ernüchterung.

Ranko Jakovljevic: «Meine Mannschaft hat wohl geglaubt, es ginge alles einfach und von alleine, auch nach dem ersten Gegentor. Aber so läuft das einfach nicht.»

Ranko Jakovljevic: «Meine Mannschaft hat wohl geglaubt, es ginge alles einfach und von alleine, auch nach dem ersten Gegentor. Aber so läuft das einfach nicht.»

KEYSTONE/WALTER BIERI

Noch viele Minuten nach dem Schlusspfiff stehen einige Wohler Spieler im Mittelkreis und sprechen gemeinsam mit ihrem Trainer über das Geschehene. Ihre Blicke sind leer, die Köpfe lassen sie hängen. Von der anderen Seite her dröhnt laute Musik aus der Garderobe der Glarner. Immer wieder hört man Freudenschreie und das Klirren der Flaschen, wenn sie auf ihren Triumph anstossen. Es sind Welten, die in diesem Augenblick zwischen den Gefühlslagen der beiden Mannschaften liegen.

Eigentlich hätte diese Cuppartie dazu dienen sollen, das angeknackste Selbstvertrauen wieder aufzupolieren. In der Liga hat man zuletzt dreimal verloren. Mit Rapperswil und Chiasso warten als Nächstes zwei Mannschaften, die man schlagen muss, will man nicht in den Abstiegskampf verwickelt werden. Gegen das kleine Linth 04 wollten sich die Freiämter den Schwung für diese beiden so wichtigen Partien holen. Stattdessen gab es die totale Erniedrigung, an welcher die Mannschaft noch lange zu beissen haben wird.