FC Aarau

Absturz ins Niemandsland: Nach dieser Vorrunde müssen im Brügglifeld alle über die Bücher

Bezeichnend - der Gesichtsausdruck von Patrick Rossini beim 3:3 gegen Chiasso

Bezeichnend - der Gesichtsausdruck von Patrick Rossini beim 3:3 gegen Chiasso

Vom 3:1 zum 3:3 in 60 Sekunden: Die letzten Funken Hoffnung des FC Aarau auf die Barrage erlischen in der Nachspielzeit gegen Chiasso. Die Euphorie nach dem aufregenden Frühling 2019 und der erfolgreichen Stadion-Abstimmung ist vorbei. Das Gute: Ab sofort kann die Saison 2020/21 geplant werden. Doch zuvor müssen die Mannschaft und Trainer Patrick Rahmen über die Bücher. Die Analyse zur Vorrunde.

94. Minute: Der FC Aarau führt gegen Chiasso 3:1. 95. Minute: Aarau - Chiasso 3:3. 60 Sekunden, die aus einer soliden eine ungenügende Vorrunde machen. Elf statt neun Punkte Rückstand auf den Tabellenzweiten GC. Statt mit Barrage-Ambitionen in die Rückrunde zu starten, winkt dem FCA ein Frühling im trostlosen Challenge-League-Mittelfeld. Das einzig Gute: Ab sofort kann man die Saison 2020/21 planen, in der bekanntlich der Aufstieg das erklärte Ziel ist.

Gemäss den Zahlen hat Aarau nach der ersten Saisonhälfte nichts anderes verdient als den Fall ins Niemandsland: Nur drei Heimsiege, insgesamt lediglich fünf, sieben Remis, sechs Niederlagen und mit 35 Gegentoren die zweitschlechteste Abwehr hinter Tabellenschlusslicht Chiasso. Bezeichnend die Bilanz aus den zwei Direktduellen gegen die Tessiner: Ein mageres Pünktchen von möglichen sechs, sieben Gegentore.

Optimisten halten dagegen, es sei nicht alles schlecht: Schliesslich habe Aarau seit dem 27. Oktober nicht mehr verloren (ein Sieg, fünf Unentschieden), habe zwei Mal das drittplatzierte Kriens geschlagen und war in den Partien gegen GC die bessere Mannschaft. Einverstanden. Doch wenn wir schon beim Vergleich mit den Zürchern sind: Auch GC überzeugte bislang nicht, doch es behielt stets eine gewisse Stabilität, verlor nur drei Mal und nie mit mehr als einem Gegentor Abstand. Der FC Aarau hingegen leistete sich zu viele Totalaussetzer: Das 2:4 in Chiasso nach 2:0-Führung, das 2:5 in Vaduz trotz spielerischer Dominanz, die Startphase im Heimspiel gegen Lausanne mit drei Gegentoren bis zur 11. Minute, der liederliche Auftritt beim 0:3 in Wil und nun, bezeichnend für die Vorrunde, die Nachspielzeit gegen Chiasso.

Die Gründe dafür? Einerseits hat die Mannschaft nach dem Abgang von fünf Stammspielern nicht mehr die Qualität der vergangenen Saison: Es fehlt ein Abwehrchef, der auch den jungen Goalie Nicholas Ammeter entlasten würde. Und in der Offensive verpasste es die sportliche Führung, mit mehr Vehemenz einen Nachfolger von Entscheidungsspieler Varol Tasar zu verpflichten - im Nachhinein ein Fehler.

Qualitätsverlust hin oder her: Der FC Aarau gibt hinter Lausanne und zusammen mit GC in der Challenge League am zweitmeisten Geld für seine Profiabteilung aus. Und gemessen an den individuelle Fähigkeiten ist die Mannschaft gut genug, um zumindest ein Wörtchen um die Barrage mitzureden. Dass sie in der Realität im Mittelfeld gefangen ist, hat viel mit dem 2. Juni 2019 zu tun: Den Spielern ist es nicht gelungen, den Schock und die Enttäuschung über den vergeigten Aufstieg aus den Kleidern zu schütteln. Es braucht nicht viel, ein unglückliches Gegentor oder eine falsche Schiedsrichter-Entscheidung, dass der FCA wie ein Kartenhaus zusammenfällt. Und dass es gestandenen Profis wie Neumayr, Schneuwly und Maierhofer schwer fällt, sich erneut für Gegner wie Lausanne-Ouchy oder Chiasso zu motivieren, können sie nicht verheimlichen.

Die mentale Blockade zu lösen und den Spielern klarzumachen, dass sie in erster Linie für die Aussendarstellung des Vereins verantwortlich sind, ist vor allem Aufgabe des Trainers. An der Motivation fehlt es Patrick Rahmen nicht. Aber um das bröckelnde FCA-Gefüge wieder zu kitten, muss auch er über die Bücher. Stichwort Emanzipation von den Spielern, von denen es einigen zu wohl ist.

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