Super League
Abstiegskandidat? – Der FC Aarau und das Spiel mit dem Feuer

Wie stark ist der FC Aarau in der am Samstag beginnenden Super-League-Saison? Ist der FCA ein Abstiegskandidat? Klar ist: Das Kader ist knapp genügend mit der schwächsten Offensive der Liga. Eine Analyse vor dem Saisonstart.

Ruedi Kuhn
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Schon Platz 9 wäre ein Erfolg für den FC Aarau: Die Feuertaufe in der Super League steht heute Samstag auf dem Programm.

Schon Platz 9 wäre ein Erfolg für den FC Aarau: Die Feuertaufe in der Super League steht heute Samstag auf dem Programm.

Alex Spichale

Meister wird der FC Aarau mit der aktuellen Mannschaft in dieser Saison nicht. Das ist auch nicht das Ziel. Es käme einer Sensation gleich, wenn die Mannschaft von Trainer Sven Christ einen Platz in den Top 6 erreichen würde. Rang 7, 8 und 9 wären ein Erfolg.

Und Rang 10? Ist der FC Aarau ein Abstiegskandidat? Ja: Auf dem Papier ist er das mit Sicherheit. Zumindest dann, wenn man das aktuelle Kader mit jenen der neun Konkurrenten vergleicht.

Der FC Basel, YB, GC, der FCZ, Luzern und Sion sind stärker als Aarau. Der FC St. Gallen, Thun und vor allem Aufsteiger Vaduz liegen in Reichweite, haben im Sturm aber mehr Qualität.

Die schwächste Offensive der Liga

Beim Blick auf das FCA-Kader ist ein Schwachpunkt augenfällig: Mit Dante Senger und neu Edgars Gauracs findet man gerade mal zwei klassische Stürmer.

Senger, 31 Jahre alt, ist zwar kopfballstark und einsatzfreudig, mehr aber nicht. Ob der kostengünstige Lette Gauracs eine Verstärkung ist, wird man sehen.

So oder so hat der FC Aarau die schwächste Offensive der höchsten Spielklasse. Das ist ein Fakt. Ein Fakt ist allerdings auch, dass die Mittelfeldspieler Sven Lüscher, Stephan Andrist, Sandro Burki und Daniel Gygax an einem guten Tag eine Partie im Alleingang entscheiden können.

Abwehr: Knapp genügend

Die Abwehr mit Igor Nganga, Nauris Bulvitis, Olivier Jäckle, Juan Pablo Garat, Kim Jaggy und Bruno Martignoni genügt knapp den Ansprüchen der Super League.

Der 22-jährige Torhüter Joël Mall stand zuletzt im Schatten von Lars Unnerstall – um nicht zu einer Schiessbudenfigur zu werden, muss Mall nun die Reifeprüfung ablegen.

Nach dem Erreichen des Ligaerhalts Anfang Mai hatte der FC Aarau mehr als zwei Monate Zeit, um einen oder sogar zwei Transfercoups zu landen. Passiert ist nichts.

Gilles Yapi hatte man zwar an der Angel, der finanzielle Köder des FC Zürich schmeckte dem Ivorer aber besser.

Yapi ist nur einer von vielen Spielern, die dem FC Aarau aus finanziellen Gründen eine Absage erteilten. Chris Malonga hat zwar einen Vertrag unterschrieben, ist aber nie im Brügglifeld erschienen.

Zu allem Übel kam auch noch Pech hinzu: Frank Feltscher brach sich einen Tag nach der Unterschrift unter einen Zweijahresvertrag das Wadenbein.

Natürlich gibt es im Vorfeld auch positive Aspekte: Die Mannschaft ist eingespielt. Gegen den FC Basel werden heute mit Ausnahme des Liechtensteiner Talents Sandro Wieser ausschliesslich Spieler zum Einsatz kommen, die schon in der Rückrunde der letzten Saison mit dabei waren. Das kann ein Vorteil sein.

Eine interessante Rolle spielt Trainer Sven Christ. Im Vergleich zum stets fordernden, gegen Ende der letzten Saison gar motzenden Vorgänger René Weiler blieb Christ im Vorfeld der Meisterschaft trotz ungenügender Transferaktivitäten sachlich, nüchtern und vor allem positiv. Zumindest in der Öffentlichkeit.

Christ lobt sein Team für den Einsatz in den Trainings und spricht von Fortschritten. Der 40-Jährige will die Resultate der vergangenen Saison bestätigen, wenn möglich sogar verbessern. Das wäre mindestens Rang 8. Das ist ein hohes, ein sehr hohes Ziel.

Christ setzt sich damit ganz schön unter Druck. Man darf auf seine Feuertaufe in der Super League gespannt sein. Klar ist: Bleibt Christ bis Ende Saison Trainer des FC Aarau und schafft den Ligaerhalt, ist er ein kleiner Held.

Der FC Aarau steht vor einem schwierigen Jahr. Um zuversichtlich in die zweite Super-League-Meisterschaft zu gehen, fehlt es dem Team an Qualität, an Klasse. Mit Davide Callà in der Winterpause und Artur Ionita haben zwei Reisser den Verein verlassen.

Sie wurden bis heute nicht adäquat ersetzt. Dem Klub fehlt es neben dem Spielfeld an Mut und an Dynamik. Er ist viel zu berechenbar. Das hat nicht nur mit den fehlenden finanziellen Mitteln zu tun. Mal schauen, ob für den FC Aarau das Spiel mit dem Feuer in der Meisterschaft 2014/15 aufgehen wird.