Hallwilerseelauf
Abraham will beim Schloss Hallwyl die EM-Schmach vergessen machen

Tadesse Abraham will nach dem Greifenseelauf am Samstag auch am Hallwilerseelauf triumphieren. Gefordert wird die neue Schweizer Marathon-Hoffnung dabei vom Kenianer Patrick Kiplagat, der neben dem Sieg auch den Streckenrekord avisiert.

Jörg Greb
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Tadesse Abraham (r.) bei seinem letzten Sieg am Hallwilersee im Jahr 2008 – damals noch nicht als Schweizer.

Tadesse Abraham (r.) bei seinem letzten Sieg am Hallwilersee im Jahr 2008 – damals noch nicht als Schweizer.

Foto Wagner

Die prominenteste Nummer am diesjährigen Hallwilerseelauf trägt Tadesse Abraham mit der 1000.

Abraham? Richtig, der Mann, auf dem die Schweizer Marathonszene in den nächsten Jahren bauen möchte. Im Juni hat der gebürtige Eritreer, der seit 2004 in der Schweiz lebt und mit einer Schweizerin verheiratet ist, den Schweizer Pass erhalten.

Die hohen Erwartungen an den Europameisterschaften Mitte August in Zürich vermochte er nicht zu erfüllen. Der neunte Platz als zweitbester Schweizer hinter dem mittlerweile zurückgetretenen Viktor Röthlin (5.) war eine Enttäuschung. Auch für ihn selber.

Jenes Malheur konnte der 32-Jährige gut einen Monat später zumindest ansatzweise wieder gutmachen. Nach seinem Triumph am Greifenseelauf sagte er: «Im Gegensatz zur EM verstand ich es, locker zu bleiben und die Nervosität zu zügeln.» Das Loslaufen ohne grosse Erwartungen führte zu einer starken Leistung. Und Ähnliches plant Abraham auch für den heutigen Hallwilerseelauf. «Locker bleiben und sich freuen an der Natur und an der eigenen Leistung» will er.

Rollerqualitäten ausspielen

Am Greifenseelauf ist ihm die Umsetzung geglückt, obwohl die Erholungszeit von fünf Wochen nach dem EM-Marathon kurz bemessen gewesen war. Nun fühlt er sich «noch besser in Form». Beim Klassiker Murten nach Freiburg am vergangenen Sonntag sah er dieses Gefühl durch eine neue persönliche Bestmarke untermauert.

Den Sieg verpasste er dennoch klar. «Die harte Strecke mit dem vielen Auf und Ab kommt meinen Rollerqualitäten nicht entgegen», erklärte er. Diese will er nun auf dem einfacheren Parcours um den Hallwilersee ausspielen. Und er will der erste Schweizer Sieger sein seit 2000 und dem Badener Hansjörg Brücker.

Als Abraham zwischen 2006 und 2008 drei Mal in Serie als Sieger einlief, war er noch nicht Schweizer und ihm wurde darum auch nicht dieselbe Aufmerksamkeit entgegengebracht wie jetzt. Einfach gemacht haben die Organisatoren Abraham den Schweizer Sieg aber nicht.

Mit Patrick Kiplagat steht ein Mann von ähnlichem Leistungsvermögen wie Abraham auf der Startliste. Und der Kenianer hat seine Ambitionen: Sieg und Streckenrekord. Dieser steht seit 2010 bei 1:02:47 Stunden und wird gehalten von Daniel Kiptum (Ken). Im selben Jahr wurde Abraham in 1:04:49 Stunden Dritter.

Pausen machen es möglich

Und wie verdaut Tadesse Abraham das anspruchsvolle Wettkampf-Programm einer langen Saison? Seine Antwort ist kurz: indem er seinem Körper immer wieder Pausen gönnt. Nach dem EM-Marathon handhabte er dies so und auch nach dem Greifenseelauf verzichtete er eine Woche auf das Rennen.

Und das will er auch nach den Hallwilerseelauf tun, denn der Ziele warten weitere. Die Vorweihnachtsläufe nennt er. An ihnen will er brillieren. Die Gelegenheit, erstmals den Post-Cup zu gewinnen, die inoffizielle Schweizer Strassenlauf-Meisterschaft, ist für ihn ein willkommener Anreiz.

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