Michelle Heimberg, EM-Bronze im Synchron-Mixed vom 3-Meter-Brett, ein grossartiger Erfolg!

Michelle Heimberg: Ein sehr schöner Erfolg, vor allem, weil wir stets unter schwierigen Umständen trainieren müssen und jeweils erst drei, vier Tage vor den Wettkämpfen die Feinjustierungen vornehmen können, während unsere Konkurrenz das gesamte Jahr über zusammen trainiert.

Wie? Sie trainieren gar nicht mit Jonathan Suckow?

Es ist nicht einfach. Jonathan trainiert in den USA und ich in der Schweiz. Wir trainieren individuell und treffen uns erst wenige Tage vor dem Wettkampf vor Ort. Umso glücklicher sind wir, dass es zur Medaille gereicht hat.

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Michelle Heimberg

Vor einem Jahr wurden Sie mit Jonathan Suckow in der Mixed-Disziplin noch Fünfte, nun hat es zur Medaille gereicht, nachdem sie lange auf dem vierten Platz standen.

Am Anfang haben wir jeweils zwei einfachere Sprünge, die sogenannten Pflichtsprünge. Sie sind aber nicht wirklich unsere Stärke. Ich muss ehrlich sein: Ich habe danach überhaupt nicht mitbekommen, dass wir auf dem vierten Platz sind und Chancen auf das Podest haben. Ich wollte mich bloss auf unsere nächsten Sprünge konzentrieren. Es ist grossartig, dass es gereicht hat.

Zwischen Ihnen und Jonathan Suckow scheint es zu harmonieren. Warum?

(überlegt) Wir haben die gleiche Trainerin, was vieles einfacher macht. Denn dadurch haben wir den gleichen Stil, die gleiche Technik. Das macht dann oftmals auch die Feinabstimmung etwas einfacher.

Michelle Heimberg gewinnt EM-Bronze mit Jonathan Suckow

Das ist bereits die zweite Medaille für Sie innert zwei Jahren. Das feiert man ausgiebig?

Ja, sicher, aber erst, wenn ich zu Hause bin. Hier in Kiew komme ich nicht dazu, da bin ich im Wettkampfmodus und lege grossen Wert auf die sportlichen Ziele. Am Donnerstag steht der Wettkampf vom 3-Meter-Brett an, am Samstag der 1-Meter-Wettkampf. Nach der EM habe ich Ferien, da wird es dann sicher ein feines Nachtessen geben.

Was hat den höheren Stellenwert? Einzel-Silber vor zwei Jahren oder nun die Synchron-Mixed-Bronze?

Es ist natürlich beides sehr toll. Aber Synchron-Mixed ist leider keine olympische Disziplin, deshalb ist die Silbermedaille im Einzel doch noch etwas spezieller.

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Michelle Heimberg

 

Ihre Bronzemedaille haben Sie fast exakt ein Jahr vor den Olympischen Spielen von Tokio gewonnen.

Ja, das gibt noch einmal einen Motivationsschub, nach den Ferien hart zu trainieren und alles zu geben.

Sie müssen sich für das grosse Ziel, die Olympischen Spiele, erst noch qualifizieren.

Ja, die grösste Chance besteht beim Weltcup-Springen im April, an dem sich die Top 18 qualifizieren wird. Ich bin zuversichtlich.

Mit Ihren Erfolgen nimmt auch das Interesse an Ihrer Person zu. Fernsehauftritte, Interviews – und vor wenigen Tagen sogar die 1.-August-Rede in Ihrem Wohnort Fislisbach. Behagt Ihnen das?

Ja, ich mache das sehr gerne. Ich wurde vor der Rede oft gefragt: «Bist du nicht nervös?» Ich habe kein grosses Problem damit, vor Leute zu stehen oder Interviews zu geben. Und vielleicht hilft es auch unserer Sportart, sie bekannter zu machen. Denn mir ist bewusst, dass ich eine Randsportart ausübe und freue mich immer wieder, wenn das Wasserspringen auf Interesse stosst.

Beide Medaillen haben Sie in Kiew gewonnen. Ukraines Hauptstadt scheint ein gutes Pflaster zu sein. Aber die grosse Frage ist: Wie viel kostet ein Kaffee dort?

(lacht) Deutlich weniger als sechs Franken. Ja, Kiew wird nach den beiden Medaillengewinnen immer ein spezieller Ort für mich sein.

Sie haben bei Ihrer 1.-August-Rede gewitzelt, dass Heimat dort ist, wo Sie immer wieder gerne zurückkehren, auch wenn der Kaffee sechs Franken kostet. Sie sind viel unterwegs. Ist das Reisen ein schöner Nebeneffekt oder eher belastend?

Ich habe das Glück, dass ich mich überall gut erholen kann. Ich kann auch im Flieger relativ gut schlafen. An den Wettkämpfen kommen wir vor Ort leider kaum dazu, uns etwas anzuschauen. Hier in Kiew war ich noch nicht einmal im Stadtzentrum. Ich bin dann schon froh, wenn ich wieder einige Tage in der Schweiz sein kann.

Michelle Heimberg in Edinburgh