Tennis

Aargauer Tennistalent Karin Kennel gewöhnt sich an die grosse Bühne

Aargauer Tennisspielerin Karin Kennel (Archiv)

Aargauer Tennisspielerin Karin Kennel (Archiv)

Den Traum vom Wimbledonsieg muss die Aargauer Tennisspielerin Karin Kennel verschieben. Bei ihrem zweiten Grand-Slam-Turnier sammelte die 18-jährige Juniorin aber wichtige Erfahrungen.

Nur zu gerne hätte Karin Kennel heute in Wimbledon gefeiert. 18 Jahre alt wird sie und hoffte, an diesem Tag den Einzug in den Final der Juniorinnen zu schaffen. Daraus wird nun nichts.

In der dritten Runde riss die Amerikanerin Taylor Townsend die Aargauerin aus ihrem Träumen, von einem Triumph beim «wichtigsten Tennisturnier der Welt», wie sie selbst sagt.

Nach Irrwegen angekommen

Unzufrieden sollte Kennel allerdings nicht sein. Nach dem French Open in Paris spielte sie erst ihr zweites Grand-Slam-Turnier und gewann immerhin zwei Matches. «Für mich ist das auch ungewohnt, weil ich vorher noch nie auf Rasen spielte», erklärte sie. «Aber das ist mein Belag, das ist wie auf Teppich», betont sie.

Gefallen hat es ihr in Wimbledon. «Ich habe schon erwartet, dass es so ähnlich ist, aber dieses Turnier live zu erleben, das ist schon sehr schön», sagt sie.

Nach einigen Irrwegen scheint Kennel in der Welt des Spitzensports angekommen. Zwei Jahre ist es her, da verliess sie das Leistungszentrum von Swiss Tennis in Biel, nicht ohne Nebengeräusche.

Sie kehrte in ihre Heimat zurück. Nach Oberentfelden. In der Tennisschule Aarau-West arbeitete sie mit Freddy Blatter, holte ihre ersten Punkte für die WTA-Tour, die Profitour der Frauen und verbesserte sich im Ranking der Juniorinnen um 200 Plätze.

Vor genau einem Jahr kam es zum Bruch. Die beiden Seiten hatten zu unterschiedliche Ansichten. Kennel kehrt nach Biel zurück ins Leistungszentrum.

«Dort stimmt es jetzt für mich», sagt sie. Sie wohne nun nicht mehr in der alten Villa, sondern direkt im Zentrum in einem der neuen Appartements. Das mache alles viel einfacher.

Nebenbei büffelt sie Englisch, für das First Diplom. «Dann kann ich nachher noch das Bürofachdiplom machen», erklärt sie. Um am Gymnasium die Matura anzustreben, fehle ihr schlicht die Zeit.

Mit Trainer Glen Schaap

Seit einem Jahr arbeitet sie mit Glen Schaap. Der Holländer war auch schon bei Blatter in Oberentfelden, nun steht er in Diensten von Swiss Tennis. Der Holländer bringt viel Erfahrung mit.

Unter anderem trainierte er schon Dinara Safina, Nadja Petrowa, Jelena Dokic und Andrea Petkovic. Seit Beginn des Jahres kletterte Kennel bei den Juniorinnen auf 13, bei den Profis von 1012 auf Platz 594 der Weltrangliste.

So gut war sie noch nie. «Wir haben viel an der Technik und der Kondition gearbeitet», erklärt Kennel. Und mental hilft ihr Jürg Bühler, der als Psychologe und Mentaltrainer bei Swiss Tennis angestellt ist.

Bis Ende des Jahres kann sie noch bei den Juniorinnen spielen. «Vielleicht nehme ich noch das US Open mit, sonst spiele ich aber ausser den Europameisterschaften in Klosters in zweieinhalb Wochen nur noch bei den Profis», sagt Kennel.

Der grösste Unterschied zwischen den Juniorinnen und den Profis liege im mentalen Bereich. «Die Frauen spielen jeden Punkt konzentriert, eines meiner Ziele ist, bei den wichtigen Punkten mein bestes Tennis zu spielen», erklärt die 18-Jährige.

Die Persönlichkeit formen

«Die Grand Slams bei den Juniorinnen bestreiten wir, um Erfahrung zu sammeln», sagt Schaap. Karin solle sich an die grosse Bühne gewöhnen. «So grosse Turniere, mit all ihrem Trubel formen die Persönlichkeit, die es braucht», betont Schaap.

Kennel wisse, um was es gehe. «Sie ist sehr gut unterwegs, aber noch wartet viel Aufbauarbeit», betont Schaap.

Die Top 300 bei den Frauen nennt Kennel als Ziel bis Ende des Jahres. Doch dann soll noch lange nicht Schluss sein. «Früher war der Wimbledonsieg ein Traum, heute spüre ich, dass ich es schaffen kann», sagt sie. Dabei lässt sie offen, ob sie sich diesen Triumph auch bei den Profis zutraut.

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