Kathrin Stirnemann, herzliche Gratulation zur Auszeichnung als Aargauer Sportlerin des Jahres 2017.
Kathrin Stirnemann: Wow. Es ist eine grosse Ehre. Ich freue mich riesig, dass es geklappt hat.

Als Doppel-Weltmeisterin können Sie uns sicher verraten, welches Rüstzeug man in der Disziplin Eliminator mitbringen muss, um erfolgreich zu sein?
Es handelt sich um eine Sprint-Disziplin. Deshalb ist ein explosiver Start unabdingbar. Fehler darf man sich keine erlauben. Ein Lauf dauert maximal zwei Minuten – ein Fehler und man ist weg. Ebenfalls wichtig sind eine clevere Taktik und die Technik. Zudem muss man auch die Ellenbogen rausstellen können.

Das scheinen Sie alles bestens im Griff zu haben. Hat es in Sachen Ellenbogen ausfahren geholfen, dass Ihr Bruder Matthias ebenfalls Mountainbiker ist?
Ich habe ganz sicher von ihm und auch vom ganzen Verein in Gränichen profitiert. Wenn ich dort im Stützpunkt trainiere, dann fahre ich gegen 15- bis 18-jährige Jungs. Die sind schon etwas kräftiger und die Duelle mit ihnen helfen in diesem Bereich sicher auch.
Der Mountainbike-Sport ist eng mit dem Namen von Olympiasieger Nino Schurter verbunden.

Hegen Sie selber einen Olympia-Traum?
Auf jeden Fall! Es wird nicht in der Disziplin Eliminator sein, da diese in Tokio 2020 noch nicht olympisch sein wird. Zwar ist es ein Thema die Disziplin später einmal aufzunehmen, aber bis das passiert ist, bin ich wohl zu alt für eine Sprint-Disziplin (lacht). Aber im Cross Country habe ich schon bewiesen, dass ich international vorne mitmischen kann.

Wie schwer fällt Ihnen der Umstieg auf diese Disziplin?
Meine Wurzeln liegen im Cross Country. Der Eliminator ist einfach gut auf mein Fahrerprofil zugeschnitten. Deshalb war ich da sehr schnell erfolgreich. Aber eigentlich habe ich nie spezifisch auf die Sprint-Disziplin trainiert, die waren immer nebensächlich. Trotzdem habe ich mein Training unter der Anleitung eines neuen Trainers bereits etwas angepasst. Wir haben neue Reize gesetzt und ich nehme noch einen Anlauf und werde das Ziel Tokio 2020 ganz klar im Auge behalten.

Sie fahren im Team Ihres ehemaligen Vorbildes Ralph Näf. Wie fühlt sich das an?
Er war immer sehr offen und zugänglich für uns Nachwuchsfahrer. Er hat uns motiviert, uns aufgebaut. Er war immer ein Kämpfer und hat viel erreicht. Trotzdem ist er ein Lebemann geblieben, ein lockerer Typ. Wir sind uns als Typ sehr ähnlich, deshalb läuft unsere Zusammenarbeit auch sehr gut.

Florian Vogel, Esther Süss, Ihr Bruder Matthias, Sie selber. Ist der Aargau auch so etwas wie ein Mountainbike-Kanton?
Das würde ich so unterschreiben. Das Gelände im Aargau ist ideal. Im Jura gibt es gute Routen, in Gränichen haben wir einen Lehrpfad und den Stützpunkt, wo sehr viele Talente gefördert und geformt werden. Das alles hilft unserem Sport hier sicher.

Was kann Ihre Auszeichnung dem Mountainbike-Sport im Kanton bringen?
Ich hoffe, dass junge Fahrerinnen und Fahrer, die vielleicht schon jetzt zu mir hochsehen, dadurch motiviert werden. Sie sehen, dass man auf dem Bike etwas erreichen kann, dass sich die Menschen hier dafür interessieren.

Was bedeutet die Auszeichnung für Sie persönlich?
Es ist schön, in der Heimat geehrt zu werden – zumal es etwas ist, das ich nicht selber in der Hand gehabt habe. Vielmehr ist es die Anerkennung der Menschen da draussen, dass sie meine Leistungen mitbekommen, es cool finden und entsprechend honorieren.

Sie sind zwei Mal Weltmeisterin geworden. Lassen sich die Emotionen mit dieser Auszeichnung vergleichen?
Das sind zwei komplett unterschiedliche Dinge. Die Auszeichnung hier kann ich viel ruhiger angehen, kann es viel mehr geniessen. Das ist mega schön, ein cooles Gefühl.