Markus Birchmeier, wer sind Ihre Favoriten am «Eidgenössischen»?

Markus Birchmeier: Es gab wohl selten so viele Anwärter wie diesmal. Aufgrund der Konstellation müsste der neue König aus dem Berner Verband kommen. Diese Schwinger können sich gegenseitig Schützenhilfe geben. Das ist eine eingeschworene Gesellschaft. Der Heimvorteil spielt auch eine Rolle. Als ersten Favoriten möchte ich Titelverteidiger Wenger Kilian nennen. Er hat in den letzten Monaten extrem aufgedreht. Für Sempach Matthias gilt: jetzt oder nie. Nicht zu vergessen die Berner Eiche, der Stucki Christian. Aber auch wir Nordwestschweizer haben mit Gisler Bruno und Bieri Christoph zwei heisse Eisen im Feuer.

Wem drücken Sie die Daumen?

Zuallererst unserem Aargauer Bieri Christoph. Er ist ein sehr sympathischer Mensch und liegt mir sehr am Herzen. Und als Mitglied des Nordwestschweizer Verbands hoffe ich natürlich auch auf Gisler Bruno.

Wie müssen die Aargauer abschneiden, damit der Präsident zufrieden ist?

Bieri Christoph und Thürig Mario sind für mich gesetzt, sie holen einen Kranz. Thürig Guido lief es bisher nicht so gut, aber auch er hat eine Chance. Drei Kränze wären eine sehr gute und durchaus realistische Ausbeute. Mein Wunschresultat wären vier Kränze, aber dazu benötigen wir Wettkampfglück.

Von den 29 Nordwestschweizern stammen nur neun aus dem Aargau. Steckt das Schwingen hier in der Krise?

Es sind weniger geworden, das stimmt. 2010 waren von den 29 noch 14 aus dem Aargau. Aber ich bin überzeugt, dass beim nächsten Mal wieder bedeutend mehr Aargauer am Start sein werden. Wir haben viele Talente zwischen 15 und 19 Jahren, besonders aus dem Freiamt. Bei einigen haben wir überlegt, ob wir sie nach Burgdorf mitnehmen sollen, entschieden uns aber abzuwarten. Bis 2016 wird die Zahl der Aargauer nach oben schnellen.

Wann gibt es einen König aus dem Aargau?

Entweder jetzt oder wir müssen uns auf eine Durststrecke einrichten. So gut wie in Burgdorf waren unsere Chancen schon lange nicht mehr. Wenns nicht klappt, müssen wir mindestens sechs Jahre warten. Wichtig ist, dass unsere älteren Eidgenossen allmählich durch junge abgelöst werden.

Welche Erinnerungen kommen hoch, wenn Sie am «Eidgenössischen» in Burgdorf sind?

Nur schon, wenn ich das Festgelände betrete, bekomme ich eine Hühnerhaut. Das sind riesige Gefühle. Ich startete viermal an einem «Eidgenössischen». Ich fühle mich in diese Zeit zurückversetzt. Für einen Schwinger gibt es nichts Schöneres.

Sie sind im Jahr vor dem «Eidgenössischen» in Aarau zurückgetreten. Haben Sie das nie bereut?

In Aarau 2007 war ich als Fahnenträger dabei. In diesem Moment habe ich es bereut, danach nie wieder. Ich fragte mich, ob ich zu früh aufhörte, denn ein Kranz wäre möglich gewesen. Aber das Berufsleben und die Führungsaufgabe waren zum Zeitpunkt des Entscheids wichtiger.

Wie lange weilen Sie in Burgdorf?

Von Freitag bis Montag. Ausser Bieri Christoph gewinnt. Dann muss ich wohl am Sonntag die Heimreise antreten und die Siegesfeier vorbereiten. Das würde ich natürlich gerne machen. In Burgdorf werde ich unsere Schwinger unterstützen und ihnen Mut zusprechen. Aber ich geniesse auch die Rolle des Zuschauers.

Sie haben Ihrer Partnerin Sandra am Nordwestschweizer Schwingfest 2012 einen Heiratsantrag gemacht. Gab es Nachahmer?

In der Form ... nicht, dass ich wüsste.

Können Sie das Vorgehen empfehlen?

Das muss jeder selber entscheiden. Für mich war es der perfekte Tag, ich hatte ein super Gefühl im Bauch. Ich war OK-Präsident, das Schwingfest war ein Erfolg, wir waren in Döttingen, unsere Familien und Freunde waren anwesend.

Wir waren schon länger ein Paar, hatten ein gemeinsames Kind und viele fragten, wann wir endlich heiraten. Meine Frau wünschte sich einen speziellen Antrag, den hat sie erhalten. Viele Leute waren damals emotional sehr berührt. Am 15. Juni dieses Jahr haben wir geheiratet, ein grosses Fest. Und das zweite Kind ist unterwegs.