Schweizer Schwimmer, die im Sommer an den Olympischen Spielen teilgenommen haben, wurden vom Verband direkt für die Kurzbahn-Europa- sowie die Kurzbahn-Weltmeisterschaften selektioniert. So konnten die Olympioniken ihren Körpern nach London eine Trainingspause gönnen und mussten sich nicht gleich wieder an Selektionswettkämpfen beweisen. Eine schöne Geste, von der auch David Karasek aus Meisterschwanden und der Mumpfer Yannick Käser profitieren.

Pause nach Olympia

Könnten. Sie waren weder im November an der EM in Frankreich noch tauchen ihre Namen diese Tage in Istanbul in den Startlisten auf. Ist nach dem Höhepunkt in London die Motivation zu klein, der olympische Schatten zu gross? Oder ist die Trainingspause noch nicht abgeschlossen? «Ich habe die Pause voll ausgekostet. Kitesurfen, Joggen, bis im Oktober habe ich alles gemacht ausser Schwimmen», sagt Karasek. Mittlerweile ist er aber wieder bei acht, neun Wassertrainings pro Woche.

Vor vierzehn Tagen ist er für seinen neuen Verein an den spanischen Meisterschaften gestartet. Die Bilanz: Schweizer Jahresbestleistung über 200m Vierlagen und drei Podestplätze. An der Leistung wäre ein WM-Start also nicht gescheitert, auch wenn der 25-Jährige sagt: «Ich bin gut geschwommen, aber für einen WM-Halbfinal hätte es wohl nicht gereicht.»

Tatsächlich war der Startverzicht beider Aargauer schon länger klar und hängt auch ohne Olympiakater direkt mit dem Grossereignis zusammen. Dieses lässt die Athleten ihr Leben in Vierjahreszyklen planen. Karasek hat im Herbst einen Master in Madrid begonnen, Käser ist für sein Studium in die USA gezogen. Für beide ein Kaltstart: «Nach dem Zwischenjahr nach der Matur, in dem ich mich voll auf den Sport konzentriert habe, war es schwierig in den Uni-Alltag zu finden», sagt Käser. Eine Zusatzherausforderung wäre die Sprache gewesen.

Käser löst Karasek in den USA ab

Karasek, der seinen Bachelor an der University of Virginia absolviert hat, an der nun Käser studiert, hat sich für einen einjährigen Intensiv-Masterkurs an der Business School von Madrid eingeschrieben. «Es ist das strengste, was ich bislang erlebt habe, kein Vergleich zu den USA», sagt der Schwimmer, der alle zwei Wochen Prüfungen absolvieren muss.

Kommt hinzu, dass keine Rücksicht auf sein Sportlerleben genommen wird. Massagen, Eisbäder, Mittagsschläfchen: alles Vergangenheit. Neben dem Programm auch noch zu den Weltmeisterschaften zu fahren, wäre zu viel gewesen, sagt Karasek. «Ich gehe nur an einen internationalen Wettkampf, wenn ich mich einhundert Prozent bereit fühle. Aber natürlich will ich diese Stimmung einmal miterleben.»

Noch Mühe mit der Umstellung

Käser hatte gerade seine ersten Semesterprüfungen. Dass er die Kurzbahnsaison ganz auslassen würde, war mit dem Verband so abgesprochen. «Ich wollte mich hier erst eingewöhnen, an der Uni und in der neuen Mannschaft», sagt der Fricktaler. «Zudem ist es kein Geheimnis, dass ich nicht unbedingt ein Kurzbahn-Spezialist bin.» Noch nicht. Schliesslich trainiert der 20-Jährige nun auf der Yardbahn, bei der den Wenden noch grössere Bedeutung als auf der 25-Meter-Bahn zukommt. Noch sei ihm die Umstellung auf das neue Trainingsumfeld nicht ganz gelungen. Aber die Zeiten an den Trainingswettkämpfen werden besser und Messungen hätten bereits ergeben, dass er an Muskelmasse zugelegt habe.

Nächster Fixpunkt ist für beide Athleten die Schweizer Meisterschaft im März. Dort kämpfen die zwei Schwimmer, die freiwillig auf die Kurzbahn-Weltmeisterschaften verzichtet haben, um die Limite für die Langbahn-WM in Barcelona. Dies ist aber nur eine Zwischenstation in der neuen Vierjahresplanung, an deren Ende die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro stehen.