Fussball
Aargauer Schüler träumen vom EM-Rendezvous in Frankreich

Die Selektion für die «Euro Foot Jeunes» läuft. Wer nach Frankreich fahren darf, entscheidet sich in Baden.

Calvin Stettler
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Aargauer kämpfen um Teilnahme an Schüler-EM
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Die Passübungen werden von den Schülern akribisch umgesetzt.
Auch Sportlehrer Tobias Kägi verfolgt das Geschehen auf dem Rasen mit Argusaugen.
Die Torhüter wärmen sich gegenseitig ein.
Jeder will sich in diesem Selektionstraining von seiner besten Seite zeigen.
Sportlehrer Oliver Graf hält vor Trainingsbeginn eine Ansprache.
Oliver Graf beobachtet die Ausführung der einzelnen Übungen.
Viel Bewegung im Trainingsspiel.
Ein Schüler schickt den Ball mit einer Flanke auf die Reise.

Aargauer kämpfen um Teilnahme an Schüler-EM

Calvin Stettler

Selektion erfolgt meist durch klare Kriterien. Wer ist am schnellsten, wer hat die beste Übersicht, wer überzeugt durch teamdienliches Verhalten. Attribute, die allerdings schwer messbar sind. Auch darum kann eine Selektion unfair sein. Vielleicht missrät unter Beobachtung genau dieses eine Passspiel. Vielleicht ist es nur diese eine schlampige Zweikampfführung, die von den Entscheidungsträgern verfolgt wird. Auch das Glück ist eine Variable in dieser Rechnung. Innert weniger Minuten müssen die eigenen Stärken akzentuiert werden. Man muss auffallen, ohne dabei als Individualist wahrgenommen zu werden. Nur dann kommt man seinem Traum einen Schritt näher: die Teilnahme an der Schüler-EM.

45 Nationen am Start

Diesen Sommer wird neben der Fussball-EM der Herren nämlich auch ein kontinentales Kräftemessen zwischen Schülerinnen und Schülern ausgetragen. «Euro Foot Jeunes» heisst das Projekt, eine Art Stellvertreter-EM. 45 Nationen kämpfen vom 29. Mai bis 5. Juni in Lille respektive Lens um den EM-Titel. Rund 1000 fussballverrückte junge Frauen und Männer werden in diesen Tagen ihre Spielzüge vortragen. Mit dabei ist auch die Schweiz, vertreten durch Schülerinnen und Schüler aus Baden respektive Aarau. «Der Schweizerische Fussballverband ist kurz vor Weihnachten auf mich zugekommen, ob wir eine Mannschaft stellen könnten», erinnert sich Oliver Graf, Sportlehrer der Kantonsschule Baden. Er war von der Idee gleich angetan. Skeptisch stimmten ihn einzig die Terrorereignisse, die kurz zuvor in Frankreich stattfanden. «Ich war mir nicht sicher, ob die Schüler respektive die Eltern mitmachen würden.» Heute weiss Graf: «Die Resonanz ist sehr positiv.»

Das sieht man auch an diesem Nachmittag auf dem frisch gemähten Rasen der Sportanlage Aue. Erstes Selektionstraining. Rund 40 junge Männer wollen heute überzeugen. Die Frauen versammeln sich an einem anderen Tag. Graf hält eine Ansprache. «Gebt alles. Die Zeit, um zu überzeugen, ist begrenzt. Nur die Besten kommen mit.» Plötzlich wird aus Sportlehrer Graf Nationaltrainer Petkovic. Sandro soll wirbeln wie Shaqiri, Luca orchestrieren wie Xhaka und Tim grätschen wie Lichtsteiner. 18 Spieler dürfen nach Frankreich reisen. An diesem Nachmittag würde erst einmal negativ selektioniert, erklärt Graf. Rund die Hälfte erhält noch in dieser Woche ein Schreiben, dass das Gezeigte leider nicht für eine Nomination reiche. «Selektionen sind für Mannschaftssportler nichts Neues», relativiert Graf. Und doch weiss auch er: die Auslese ist schwierig – und manchmal nicht einfach zu rechtfertigen. Graf aber entscheidet nicht allein. Tobias Kägi, Toni Hasler und Chiara Boggia unterschützen ihn. Letztere zwei werden Graf und die beiden Teams an die Schüler-EM begleiten. Unterstützung erhalten die Fussballer der Kanti Baden zusätzlich aus der Kantonshauptstadt. Die Alte Kanti Aarau schickt fürs nächste Training je fünf fussballaffine Schülerinnen und Schüler.

Plus-Minus-System entscheidet

An diesem Nachmittag stehen erst einmal Passübungen auf dem Programm. Graf und Co. arbeiten mit einem Plus-Minus-System. Wer am Ende die meisten Plus hinter seinem Namen findet, ist in der nächsten Runde. Das Arbeitsethos stimmt. Die Stimmung ist leicht angespannt. Unterschiede sind früh augenscheinlich. Doch das Gros der Schüler gibt alles für dieses eine Rendezvous im Frühsommer. So lautet nämlich der Slogan der diesjährigen EM in Frankreich: «Le Rendez-Vous». Ein Leitsatz, der zur EM der Schüler fast noch besser passt als zu jener der Elite. Vor allem aber unterstreicht er das, um was es in diesem Sport wirklich geht: zusammenfinden, Spass haben, sich austauschen.

«So, wie es aussieht, wird an dieser Schüler-EM einiges geboten», sagt Sportlehrer Graf. Eine professionelle Infrastruktur, einige Feierakte und ein Kulturprogramm. Graf freut sich auf die einmalige Reise. Ambitionen sind zu diesem Zeitpunkt sekundär. Für ihn ist klar, dass er dabei sein wird. Für die Spieler hat das Bibbern eben erst begonnen. Drei weitere Selektionstrainings und ein Testspiel stehen bis Ende Mai an. Dann wissen wir, wer die Schweiz an der Schüler-EM vertreten wird. Fest steht: Es sind Aargauer.