Orientierungslauf
Aargauer Kyburz und die Lust auf ein genüssliches Dessert

Der Aargauer Matthias Kyburz kann beim Finale in Prag den Gesamtweltcup zum dritten Mal in Serie gewinnen. Für den Läufer wäre es das Sahnehäubchen auf dem Dessert nach einem äusserst erfolgreichen ersten Gang an der EM im Winter und einer WM-Hauptspeise in Lettland, bei der lediglich die letzte Prise Salz fehlte.

Rainer Sommerhalder
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Wird der Aargauer Matthias Kyburz beim Finale in Prag den Gesamtweltcup für sich entscheiden?

Wird der Aargauer Matthias Kyburz beim Finale in Prag den Gesamtweltcup für sich entscheiden?

KEYSTONE

Es war eine Saison mit vielen Eindrücken für den OL-Ausnahmekönner Matthias Kyburz. Und nicht jeder Gang seines Jahresmenüs mundete gleichermassen. Quasi als Amuse Bouche reiste der Fricktaler im letzten Winter zum ersten Mal nach Kenia ins Trainingslager. Das Aufeinandertreffen mit einigen der weltbesten Läufer machte Appetit auf mehr. Der erste Gang schmeckte denn auch exquisit. Vier Medaillen aus vier Rennen an der Heim-Europameisterschaft im Tessin – ein Genuss für alle Sinne.

Beinahe vorhersehbar, dass die Hauptspeise dies nicht wird toppen können. An der Weltmeisterschaft in Lettland verpasste der 28-Jährige in den drei Einzelrennen eine Medaille; im Sprint und über die Mitteldistanz als undankbarer Vierter jeweils um einen Hauch. Es fehlte lediglich die entscheidende Prise Salz.

Einzig das Rennen über die Langdistanz geriet für Kyburz zu einer richtig faden Angelegenheit. Der achte Rang entsprach weder seinem Appetit, noch den Qualitätsansprüchen. Gerettet wurde der Höhepunkt im Jahr jedes Athleten durch die äusserst schmackhafte Beilage. WM-Silber mit der Staffel versöhnte Kyburz.

Die üblichen Verdächtigen

Und nun also folgt die Nachspeise in Form des Weltcupfinals. In den drei letzten Einzelrennen in und rund um die tschechische Hauptstadt Prag entscheidet sich, wer aus dem Trio Matthias Kyburz, Daniel Hubmann und dem Norweger Olav Lundanes den Gesamtsieg im Weltcup holt.

Es sind die üblichen Verdächtigen, die seit vielen Jahren genau in dieser Zusammensetzung am Schluss des OL-Mehrgängers das Podest bilden. Das bessere Ende blieb bisher stets bei den Schweizern, die seit zehn Jahren immer den Weltcupsieger stellten. Zwischen 2008 und 2011 gelang dies viermal in Serie dem Ostschweizer Hubmann. Nun kann sich Kyburz mit dem Hattrick in den OL-Geschichtsbüchern verewigen.

Der bislang vierfache Gesamtweltcupsieger, der die Saison seit 2012 stets auf dem Podest abschloss, verspürt nicht nur deswegen grosse Lust auf ein genüssliches Dessert. Im Gegensatz zu den aktuellen Weltmeistern Hubmann und Lundanes wartet Kyburz noch auf die ultimative Gaumenfreude. Die Ausgangslage ist spannend wie selten. Die Entscheidung wird mit grosser Wahrscheinlichkeit erst im abschliessenden Sprint am Sonntag fallen.

Eine weitreichende Reform

Kyburz hat ein gutes Gefühl. Die Form stimmt, der Aargauer hat beide Selektionsrennen des Schweizer Kaders gewonnen. Der Sieg im Gesamtweltcup sei vor allem «eine Anerkennung für meine aussergewöhnlichen Fähigkeiten als Allrounder», sagt Kyburz. «Ich kann über alle Distanzen in allen Geländetypen Rennen gewinnen – und das seit acht Jahren mit grosser Konstanz.»

Nach diesem Jahr folgt im OL die weitreichendste Reform seit langem. Ab 2019 gibt es abwechslungsweise eine Wald- und eine Sprint-WM. Dies stellt gerade Allrounder Kyburz vor neue Herausforderungen punkto Trainingsgestaltung. Wie er diese meistern soll, darüber will er sich erst nach dem Saisonabschluss Gedanken machen. Wenn möglich mit einem zuckersüssen Geschmack im Gaumen.