Kickboxen
Aargauer Kickboxer sind hart im Nehmen

Im Volksmund wird der Sport schnell mal mit Prügeln gleichgesetzt. Dass es dabei in Tat und Wahrheit aber viel mehr um Gesundheit und Fitness geht, zeigt ein Trainingsbesuch.

Elia Diehl
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«Wer denkt, man könne hier einfach drauflosprügeln, der irrt», sagt Vereinspräsidentin Eveline Lehner, die hier gerade einen Schlag zeigt.Edi

«Wer denkt, man könne hier einfach drauflosprügeln, der irrt», sagt Vereinspräsidentin Eveline Lehner, die hier gerade einen Schlag zeigt.Edi

Versteckt im Buchser Industriequartier, befindet sich das Trainingslokal (Dojo) des Aikido-Clubs Aarau. Hier hat sich der Verein Kickboxing-aargau dreimal in der Woche eingemietet. Mit etwas mehr als 20 Aktiven ist die Sportschule für Kickboxen zu klein für eine eigene Trainingsstätte.

Beim Besuch ist das Dojo prall gefüllt, 17 Kickboxer haben sich zum Training mit Eveline Lehner und Jeanette Schneider eingefunden. Die Stimmung ist entspannt, und mit Springseil ausgerüstet verteilt man sich sofort auf dem Mattenboden. Schneider leitet das Aufwärmen. Seilspringen, Schattenboxen, Hunderte von Sit-ups und Liegestützen und immer wieder Dehnen – die «Schleiferin» Schneider nimmt ihre Schüler und Schülerinnen hart ran. Es ist still im Dojo, einzig die Stimme der Trainerin und das Piepsen der Timeruhr durchdringt den mit dem Geräusch schweren Atems und bereits stickiger Luft gefüllten Raum.

Das ist also Kickboxen? «Wer denkt, man könne hier einfach drauflosprügeln, der irrt», weiss Vereinspräsidentin Lehner. Die Mittvierzigerin gründete 2001 den Verein, um etwas für die Gesundheit zu leisten und Kickboxen als Breitensportart und Fitnesssport zu fördern. «Wir machen hier nur Leicht- und Semikontakt-Kickboxen», erklärt die Trägerin des fünften Dan. Ein eigener Verein sei schon immer ihr Traum gewesen, fügt die Schweizer Meisterin von 1997 im Light-Kickboxen an. Mit René Bösch, welcher den siebten Meistergrad trägt, hat sie zudem einen der besten Trainer der Welt und den Mann der ersten Stunde im Schweizer Kickboxen an Bord.

Auch in der Grundschulung während der zweiten halben Stunde ist kein Körperkontakt, geschweige denn Gewalt zu sehen. Bewegungen, Schritte, Schläge und Kicks werden trocken geübt. Schneider hält die Intensität hoch, der Schweiss fliesst nur so. Nach einer Stunde werden (endlich) Schutzausrüstung und Boxhandschuhe übergezogen. Unter dem scharfen Auge von Meisterin Lehner übt die Anfängergruppe paarweise verschiedene Schlag- und Kickkombinationen. Dynamischer und komplexer geht es bei den Fortgeschrittenen zu, aber auch sie üben nur exemplarische Kampfsituationen. Erst in der letzten Viertelstunde kommt es zum Sparring. Zwei Teams stehen sich gegenüber, im Ring sind aber stets nur zwei Boxer.

Es wird fliegend gewechselt. Touch Score nennt sich diese Kampfart, wobei die Teams mit ihren Treffern Punkte sammeln. Nach eineinhalb Stunden verlassen alle heil, erschöpft und zufrieden das Dojo in Buchs – ohne blaue Augen und blutige Nasen. Prügel gab es keine einzustecken – dennoch sind die Kickboxer im Training überaus hart im Nehmen.