Auf die Frage, welchen Stellenwert die Teilnahme am Eidgenössischen Schwingfest in Estavayer-le-Lac bei ihm geniesst, braucht Kai Hügli nicht lange zu überlegen. «Für mich geht ein Traum in Erfüllung», sagt der 19-jährige Attelwiler zu seiner Selektion für den alle drei Jahre stattfindenden Grossanlass.

Die Reise in die Romandie ist für Hügli am kommenden Wochenende zusätzlich speziell, weil er erstmals am «Eidgenössischen» starten darf. «Ich habe mir das für diese Saison zum Ziel gesetzt und hart dafür trainiert», sagt Hügli.

Zu verdanken hat der angehende Landschaftsgärtner seine Premiere hauptsächlich den beiden starken Auftritten am Solothurner Kantonalschwingfest in Walterswil und dem Baselbieter Pendant in Lausen. An beiden Festen sicherte sich Hügli jeweils mit der Note 57,00 den begehrten Kranz. «Ich bin sehr zufrieden mit meinem bisherigen Saisonverlauf», sagt er wenig überraschend.

Einer von 275 Teilnehmenden

Verstecken will sich Kai Hügli in der imposanten Arena auf dem Militärflugplatz in Payerne keineswegs. Stattdessen hat sich der Sennenschwinger des Schwingklubs Aarau und Umgebung die Latte hochgelegt, was die Erwartungen betrifft. «Ich will auch am Sonntag im Einsatz stehen und alle acht Gänge bestreiten», sagt Hügli.

Ihm ist bewusst, dass für die erfolgreiche Umsetzung seines Vorhabens bereits am Samstag vieles nach Wunsch laufen muss – schliesslich ist das «Eidgenössische» für ungefähr einen Drittel der 275 Teilnehmenden nach dem ersten Wettkampftag zu Ende. In der Regel reichen je ein Sieg und Gestellter aus den vier Gängen, um sich das Ticket für den Ausstich vom Sonntag zu lösen, ehe ein weiterer Effort für den Kranzausstich nötig ist.

So weit denkt Kai Hügli indes noch nicht. «Ich nehme Gang für Gang», sagt er gelassen, «am Ende spielt es auch eine Rolle, wie mein Gegner heisst.» Obwohl Hügli im Sägemehl auf sich alleine gestellt ist, kann er zumindest auf der Tribüne auf unterstützende Zurufe zählen. «Meine Familie ist ebenfalls da, und mit ihr viele Kollegen», freut sich Hügli.

Ein Mentaltrainer hilft

So besonders der Stellenwert des «Eidgenössischen» beim 119 Kilogramm schweren und 186 Zentimeter grossen Schwinger ist, so normal läuft die Vorbereitung für seinen vorläufigen Karrierehöhepunkt ab. Nachdem Kai Hügli im Sommer zweimal pro Woche im Schwingkeller und zusätzlich am Sonntag seine Ausdauer trainiert hat, lag der Schwerpunkt an den letzten Tagen bei der Erholung.

«Ich habe gut geschlafen, aber nicht zu lange», erklärt Hügli. Nützlich seien auch die Kaderzusammenzüge mit den restlichen selektionierten Schwingern des Nordwestschweizerischen Teilverbandes Ende Juli in Magglingen gewesen. In Anwesenheit der Eidgenossen Christoph Bieri, Bruno Gisler und Remo Stalder habe Hügli viele Fragen stellen können und wichtige Informationen erhalten. Um im Kopf für das «Eidgenössische» gewappnet zu sein, nimmt er zudem die Hilfe eines Mentaltrainers in Anspruch. «Eine leichte Nervosität ist zwar vorhanden», gibt Kai Hügli zu, «aber das ist auch gut so.»