Judo-WM
Aargauer Judokas vor der WM: «An einem Supertag können wir jeden schlagen»

Am Freitag sind die beiden Aargauer Judokas Ciril Grossklaus (23) und Domenic Wenzinger (26) nach Russland gereist, wo mit der WM der Höhepunkt des Jahres ansteht. In der Vorbereitung haben sie nichts dem Zufall überlassen.

Fabio Baranzini
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Domenic Wenzinger (links) und Ciril Grossklaus vor dem Leistungszentrum der Judokas in Windisch.

Domenic Wenzinger (links) und Ciril Grossklaus vor dem Leistungszentrum der Judokas in Windisch.

Fabio Baranzini

«Die WM ist Prestige pur. Sie hat einen enorm hohen Stellenwert und keiner wird diesen Wettkampf verpassen.» Das sagte Judoka Domenic Wenzinger kurz vor der gestrigen Abreise nach Russland, wo er in Tscheljabinsk seine erste WM bestreiten wird.

Doch nicht nur weil es für den 26-Jährigen die erste Weltmeisterschaft ist, ist der Wettkampf in der russischen Millionenstadt direkt am Ural eine besonders wichtige Angelegenheit.

Kampf um ein Olympiaticket

In diesem Sommer hat die Olympiaqualifikationsperiode für Rio 2016 begonnen. Dort wollen sowohl Wenzinger als auch der drei Jahre jüngere Ciril Grossklaus aus Hottwil unbedingt auf der Matte stehen. Entsprechend wichtig ist daher ein gutes Abschneiden an der WM, denn bei diesem Grossanlass können sich die beiden besten Aargauer Judokas viele Punkte gutschreiben lassen im Kampf um ein Olympiaticket.

In der Vorbereitung haben Grossklaus und Wenzinger daher nichts dem Zufall überlassen. «Seit zwei Monaten dreht sich alles nur um die WM. Anfangs haben wir lange, harte Kampftrainings absolviert und viel im Kraftbereich gearbeitet. Zuletzt ging es eher um die Schnelligkeit und die Explosivität», sagt Grossklaus.

Gezielte Vorbereitung

In Parma, Isola und Rom haben die Schweizer Judokas an ihren Fähigkeiten gefeilt und sich dabei auch immer wieder mit Kämpfern anderer Nationen gemessen. «Ich habe gezielt mit Linksauslegern gekämpft, denn gegen diese hatte ich in der Vergangenheit oft Mühe», so Wenzinger.

Dass die beiden Aargauer Judokas vom JJJC Brugg in der Lage sind, an der WM in Tscheljabinsk ein gutes Resultat zu erzielen, haben sie schon vor der intensiven Vorbereitungsphase bewiesen. Bei zwei Wettkämpfen in Mittelamerika konnten Domenic Wenzinger (Plätze 2 und 7) und Ciril Grossklaus (3. und 5.) überzeugen.

«Ich bin super in Form und habe auch keine Verletzungssorgen wie das beispielsweise vor der EM im Frühling noch der Fall war», gibt sich Wenzinger zuversichtlich. Dasselbe gilt auch für Grossklaus.

Mehr als nur ein Mittelfeldplatz

Die beiden sind bereits gestern mit der Schweizer Delegation nach Russland gereist – genau eine Woche bevor ihr Wettkampf in der Kategorie bis 90 kg auf dem Programm steht.

So früh anzureisen hat den Vorteil, dass genügend Zeit bleibt, um sich an die Gegebenheiten zu gewöhnen, birgt aber auch Gefahren.

«Normalerweise reisen wir zwei oder drei Tage vorher an und beginnen sofort mit den Vorbereitungsritualen für den Wettkampf. Dies müssen wir in Russland unbedingt verhindern, denn wenn wir die Spannung sieben Tage aufrecht halten müssten, würde dies enorm viel Kraft kosten», erklärt Wenzinger. Sie versuchen deshalb, genau gleich weiter zu trainieren wie in der Schweiz, ergänzt Grossklaus.

Mittelfeldplatz ist nicht das Ziel

In der Weltrangliste werden Domenic Wenzinger und Ciril Grossklaus an 32. respektive 27. Position geführt. Im Feld der 64 WM-Starter befinden sie sich also ziemlich genau in der Mitte. Doch ein Mittelfeldplatz ist nicht das angestrebte Ziel der beiden. «An einem Supertag können wir jeden schlagen», sagt Grossklaus, der bereits mehrere Top-10-Athleten bezwungen hat. Der 23-Jährige gibt jedoch sogleich zu bedenken, dass sowohl das Losglück als auch die Unberechenbarkeit des Judosports eine wichtige Rolle spielen. Bleibt also zu hoffen, dass Glücksgöttin Fortuna den beiden Aargauer WM-Teilnehmern wohlgesinnt ist.