Automobil

Aargauer Formel-1-Hoffnung Fabio Leimer peilt grossen Erfolg an

Fabio Leimer kann sich in einer Woche in Abu Dhabi den Traum vom prestigeträchtigen GP2-Gesamtsieg verwirklichen, einer Serie in der wichtigsten Nachwuchsrennsportklasse. Der 24-Jährige aus Rothrist möchte bald Formel-1-Rennen fahren.

Gebannt schaut Fabio Leimer auf die Strecke. Auf dem Yas-Marina-Rundkurs in Abu Dhabi will er jede Kurve perfekt erwischen.

Er lenkt den Sauber-Boliden geschickt über den Parcours. Dann ist das Qualifying zu Ende.

«Mit dieser Leistung stehen die Chancen schlecht für ein gutes Resultat im Rennen», sagt eine Stimme, allerdings nicht die von Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn, sondern die des Computerspiel-Sprechers.

Fabio Leimer sitzt nicht wirklich im Cockpit des Sauber-Wagens, sondern daheim auf seinem Sofa, das Steuerrad gehört zur Xbox. «Die Verzögerung, die der Fernseher hat, ist furchtbar», sagt der Rothrister, der sich von seinem GP2-Wagen andere technische Finessen gewöhnt ist.

Es geht um die sportliche Zukunft

Die Formel-1-Saison auf der Xbox fährt Fabio Leimer fürs Team Marussia. «Ich habe keine Chance vorne mitzufahren.»

Besser läuft es ihm in der GP2 im wahren Leben. In gut einer Woche kann Fabio Leimer die Serie in der wichtigsten Nachwuchsrennsportklasse für sich entscheiden.

Nutzt ihm dazu das «Training» auf der Spielkonsole? «Wohl kaum», meint der 24-Jährige, erzählt aber vom Rennsimulator, den sein Racing Engineering Team in Italien besitzt.

Leimer will bestens vorbereitet nach Abu Dhabi reisen zum Showdown, in dem es um den GP2-Meistertitel geht und somit um seine Zukunft. Denn der Rothrister möchte bald nicht nur im Wohnzimmer Formel-1-Rennen fahren, sondern in echt.

Keine Spur von Nervosität

Obwohl für ihn also viel auf dem Spiel steht in gut einer Woche, wirkt Fabio Leimer erstaunlich gelassen. Woher nimmt er diese Ruhe?

«Am besten kann ich zu Hause auf dem Sofa, bei meiner Freundin und bei unseren zwei Büsis entspannen und abschalten», sagt der Aargauer und krault die Tigerkatze Roxy am Kopf.

Ihr Schwesterchen Luna lässt sich derweil nur mit einem «Leckerli» anlocken und streicht vor allem Reina Blum um die Beine. «Sie hat mich lieber als dich», sagt Fabio Leimers Freundin und lacht.

Die gelernte Malerin, die heute als kaufmännische Angestellte tätig ist und die Handelsschule absolviert, und der Profisportler kennen sich seit vielen Jahren.

Sie waren als Teenager bereits liiert und fanden nach einer Beziehungspause 2011 wieder zusammen.

Reina Blum verfolgt die Rennen ihres Schatzes oft vor Ort «mit einem Puls von 380». Die Reisekosten zahlt die 21-Jährige aus eigener Tasche. Bei Rennen in der Ferne fiebert Reina Blum via Liveticker mit dem GP2-Leader mit und sagt: «Ich bin jeweils sehr froh, wenn er wieder gesund daheim eintrifft.»

Die falsch verschraubte Bar

In den eigenen vier Wänden teilen sich die beiden die Hausarbeit. «Wer gerade Zeit hat, macht die Wäsche», sagt Fabio Leimer, der allerdings nicht nur unterwegs, sondern auch daheim mehrheitlich aus dem Koffer lebt.

«Was er am besten kann ist Staubsaugen», verrät Reina Blum, «das Kochen übernehme meistens ich.» Als Rennfahrer ernährt sich ihr Partner möglichst kohlenhydratarm.

«Mehr als ein Spiegelei oder Salat mit Speckwürfel kriege ich selber nicht hin, da wär wohl mal ein Kochkurs angebracht», gibt Fabio Leimer zu und beisst genüsslich auf einen Caramba-Stengel.

Damit solche Leckereien nicht ansetzen, nutzt er regelmässig die Trainingsgeräte, die ebenso das Wohnzimmer dekorieren wie eine Spirituosenbar.

«Die habe ich falsch zusammengeschraubt, wie einem Kollegen kürzlich aufgefallen ist», sagt Fabio Leimer. In Reih und Glied stehen nicht nur die Flaschen in der Bar, sondern auch Fabio Leimers Pokale auf einem Tablar.

Auf die neusten Trophäen wartet er noch, von jenen werden erst Duplikate erstellt, andere lagern am Hauptsitz von Racing Engineering oder im «Racing-Stübli» bei Leimers Eltern. Silvia und Ronny Leimer werden ihren Sohnemann wie Reina Blum nach Abu Dhabi begleiten.

«Mein Grosi kommt vielleicht auch», sagt Fabio Leimer, der an den Rennwochenenden zwischen Teammeetings und Presseterminen nur wenig Zeit hat für die Liebsten. «Trotzdem ist es schön, dass sie da sind.»

Am Samstag an der Regiomesse in Zofingen

Ehe es nach Abu Dhabi geht, gastiert Fabio Leimer am Samstag an der Regiomesse in Zofingen. «Wo muss ich da genau hin?», fragt er in die Runde.

«Ich kümmere mich drum», sagt Reina Blum, «schliesslich bin ich deine rechte Hand. Und irgendwie auch die linke». Nur eines liegt ganz in Fabio Leimers Händen: Das Steuerrad des GP2-Autos.

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