Kunstturnen
Aargauer des Jahres Lucas Fischer muss zum siebten Mal unters Messer

Der Aargauer des Jahres ist auf seiner Achterbahnfahrt an einem neuen Tiefpunkt angelangt. Statt im Mai die EM-Medaille am Barren zu verteidigen, muss sich der 23-jährige Möriker Mitte Februar der nächsten Knie-Operation unterziehen.

Andreas Fretz
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In der Rolle des Zuschauers: Lucas Fischer kann in Niederlenz nur leichte Trainings absolvieren. afr

In der Rolle des Zuschauers: Lucas Fischer kann in Niederlenz nur leichte Trainings absolvieren. afr

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In eine warme Jacke gehüllt und mit Kopfhörern im Ohr steht Lucas Fischer vor dem Regionalen Leistungszentrum in Niederlenz. Dort, wo vor 18 Jahren der Grundstein seiner Karriere gelegt wurde. Dort, wo er im vergangenen April als Barren-Vizeeuropameister empfangen wurde.

Vor jener Halle, an deren Aufbau sein Vater Peter massgeblich beteiligt war. «Das Betreten der Halle geht noch», sagt Fischer beim Öffnen der Türe, «aber die Gesamtsituation bereitet mit schon Mühe.» Er hat abgenommen in dieser schweren Zeit. Einmal mehr steht die Gesundheit seinen sportlichen Ambitionen im Weg.

Im Aargau ein Held

Die letzten Interviews, die er in Niederlenz gab, waren noch erfreulicher Natur. Der Westdeutsche Rundfunk (WDR), «Die Welt» und «Bild» kamen vorbei. Beim Gedanken daran huscht ein Lächeln über das Gesicht des 23-Jährigen. Fischers Schicksal bewegt nicht nur den Aargau, nicht nur die Schweiz. Sogar Deutschland hat den Turner mit Epilepsie entdeckt. «In seinem Kanton ist Fischer ein Held, der Mann des Jahres», schrieb «Die Welt» Ende Dezember.

Inzwischen ist der Aargauer des Jahres auf seiner Achterbahnfahrt an einem neuen Tiefpunkt angelangt. Die Operation an seinem rechten Knie brachte nicht den gewünschten Erfolg. Statt im Mai die Medaille am Barren zu verteidigen, muss der Möriker einmal mehr zuschauen.

Wegen seiner Epilepsie hat er schon zwei Weltmeisterschaften verpasst, nun also die EM. Wegen dem Knie. Mitte Februar muss sich Fischer erneut unters Messer legen. Zum siebten Mal insgesamt.

Knorpel löst sich ab

Dabei lag sein Fokus ganz auf der EM in Sofia. Im September, nach dem WM-Verzicht, wurde eine länger geplante Operation vorgezogen. Die Kniescheibe wurde gerichtet. «In den Weihnachtsferien habe ich topmotiviert das Training wieder aufgenommen», sagt Fischer. «Aber die Schmerzen waren immer noch da.» Wenig später die Diagnose: Unter der Kniescheibe löst sich der Knorpel ab. Dieser muss nun entfernt werden. Die Stelle muss sich regenerieren. 12 bis 16 Wochen Pause.

«Die Epilepsie, die Operationen, das alles ist heftig», sagt Fischer. Aber die Frage nach dem Wieso bringe nichts. «Ich kann es nicht ändern.»

Nach dem neuerlichen Rückschlag sei er verschiedene Szenarien durchgegangen und zum Schluss gekommen: «So trete ich nicht ab.»

Fischer will sich zurückkämpfen, einmal mehr. Aber er will sich Zeit lassen, nichts überstürzen. Seine nächsten Ziele sind die Europameisterschaften 2015, die Heim-EM 2016 in Bern und die Olympischen Spiele in Rio. Im laufenden Jahr wird er wohl keine Wettkämpfe bestreiten.

Momentan wohnt er wieder in seinem Elternhaus in Möriken. «Hier ist mein Zuhause, meine Familie, mein Freundeskreis», sagt Fischer. Doch er spürt auch die Unterstützung des Trainerstabs und seiner Nationalkader-Kollegen in Magglingen. Der Schweizerische Turnverband lässt das «Jahrhunderttalent» (Nationaltrainer Beni Fluck) nicht fallen. Mit Swiss-Olympic-Mentaltrainer Gareth Morgan hat Fischer wöchentlich Kontakt. «Er hilft mir beim Verarbeiten, beim Mut finden.»

Neues Musik-Projekt

Mut findet Fischer nach wie vor in der Musik. Nach diversen Auftritten und einem Musikvideo wird er im März ein neues Projekt vorstellen. «Etwas sehr persönliches», wie er sagt. Der Gesang war schon immer wichtig, hat in schweren Zeiten geholfen, die Emotionen und Gefühle zu verarbeiten. «Aber dass die Musik einmal so wichtig ist in meinem Leben sein wird, hätte ich nie gedacht», sagt Fischer.

Inzwischen hat er nicht nur ein Management für die sportlichen Belange, sondern auch ein Team an seiner Seite für den musikalischen Weg. Ihm sei klar, dass ihn die Kritiker lieber in der Halle beim Trainieren statt vor dem Mikrofon sehen würden. «Aber die Musik gibt mir die Kraft, um wieder in die Halle zu gehen», sagt Fischer, legt seine Jacke ab, verabschiedet sich vom Gast und beginnt mit einem leichten Training in der Halle, in der vor 18 Jahren der Grundstein seiner Karriere gelegt wurde.

Kurz vor der Entscheidung stehen alle Final-Kandidaten noch einmal neben einander: Lucas Fischer, Natalie Burlet und Mario Fortino
16 Bilder
Verleihung «Aargauer des Jahres 2013» in Wettingen - Lucas Fischer siegte
Rund 1500 Gäste verfolgten die Show
Sie führten durch den Abend: Sven Epiney und Jennifer Ann Gerber
Sven Epiney und Miss Schweiz Dominique Rinderknecht
Seven gab seine Single «The art ist King» zum Besten
Komiker Rob Spence
Blick in die Halle
Geri Müller mit Annina Sonnenwald,
Ständerätin Pascale Bruderer
Ständerätin Christine Egerszegi
Nadja Schildknecht und Urs Rohner
Maja und Peter Wanner, Verleger der AZ Medien
Mylen und Adrian Stern
Ursula Kühne mit Regierungsrat Alex Hürzeler
Jennifer Ann Gerber

Kurz vor der Entscheidung stehen alle Final-Kandidaten noch einmal neben einander: Lucas Fischer, Natalie Burlet und Mario Fortino

Alex Spichale