1. Liga

Aargauer Derby in der 1.Liga: Wer ist hinter dem FCA die Nummer 2?

Baden, 28.09.2019. Sport, Fussball, 1. Liga Saison 2019 / 2020. FC Baden - Zug 94. Jubel beim FC Baden. v.l.n.r.: Dejan Jakovljevic, Leo Mooser und Mileta Matovic. Copyright by: Alexander Wagner Baden, 28.09.2019, Fussball, 1. Liga: FC Baden - Zug 94

Das Aargauer Derby steht an: Der FC Baden gastiert beim FC Wohlen.

Baden, 28.09.2019. Sport, Fussball, 1. Liga Saison 2019 / 2020. FC Baden - Zug 94. Jubel beim FC Baden. v.l.n.r.: Dejan Jakovljevic, Leo Mooser und Mileta Matovic. Copyright by: Alexander Wagner Baden, 28.09.2019, Fussball, 1. Liga: FC Baden - Zug 94

Das 1. Liga-Spiel zwischen Wohlen und Baden (Samstag, 16 Uhr) ist ein Leckerbissen für Aargauer Fussballfans. Im Fokus stehen dabei die beiden Trainer, die jeweils auch schon beim Gegner an der Seitenlinie engagiert waren und das Derby (Dritter gegen Vierter) auf keinen Fall verlieren wollen.

Beim FC Wohlen läuft es derzeit – trotz einer Niederlage gegen GC II am vergangenen Wochenende stehen die Freiämter in der 1. Liga Gruppe 2 auf dem dritten Rang.

In Enthusiasmus verfällt der Trainer deswegen nicht. Thomas Jent spricht mit viel Bedacht über die ersten zwölf Saisonspiele und die acht Siege. «Es ist fast besser gelaufen, als es wir mit der neu zusammengestellten Mannschaft erwarten durften. Ich bin vor allem froh, dass wir den Verein nach zwei schwierigen Jahren stabilisieren konnten», sagt Jent. Nach dem freiwilligen Abstieg aus der Challenge League konnte sich der FC Wohlen nicht in der Promotion League halten.

Stadion Niedermatten: Hier kommt es zum Duell zwischen dem FC Wohlen und dem FC Baden.

Stadion Niedermatten: Hier kommt es zum Duell zwischen dem FC Wohlen und dem FC Baden.


Am Samstag kommt es zum Derby gegen den FC Baden. Für den Trainer ein spezielles Spiel – in zweifacher Hinsicht. Zum einen, weil es darum geht, wer hinter dem FC Aarau die Nummer zwei im Kanton Aargau ist. Das zweitletzte Spiel vor der Winterpause ist ein absolutes Highlight.

Wohlen ist Zweiter, Baden mit zwei Punkten weniger Dritter. «Das ist ein richtiges Derby und beide Vereine wollen zeigen, zu was sie fähig sind», sagt Jent. «Es ist auf jeden Fall ein spezielles Spiel, weil sich alle Spieler untereinander kennen und weil zwei starke Teams aufeinander treffen. Das Spiel lege ich jedem Fan nahe.»


Zum anderen ist das Spiel für ihn speziell, weil Jent drei Jahre lang den FC Baden trainiert hat. Im März 2018 wurde er aufgrund fehlender Resultate entlassen. Böse ist er dem Verein deswegen nicht. «Das ist der normale Lauf der Dinge, ich habe die Entscheidung verstanden. Ich möchte aber deswegen keinen Tag beim FC Baden missen. Ich habe viel gelernt und dem Verein viel zu verdanken.»

Jent kann verstehen, warum er beim FC Baden entlassen wurde.

Jent kann verstehen, warum er beim FC Baden entlassen wurde.


Keine Ambitionen auf eine höhere Liga


Nun fühlt er sich ebenso wohl im Freiamt, Ambitionen auf einen Job in einer höheren Liga hegt er nicht. «Ich bin in einem Alter, in welchem ich mich freue, dass es mir und meiner Familie gut geht. Weil mir die Arbeit beim FC Wohlen schlichtweg Spass macht, werde ich auch nicht gleich abspringen, falls irgendein Verein aus einer höheren Liga anruft.» Das Umfeld passe, deshalb freue er sich auf die weiteren Aufgaben.


Zurück zum Derby: Thomas Jent trifft auch auf Freunde, wenn er den FC Wohlen gegen den FC Baden coachen wird. «Wir sind wirklich im Guten auseinander», sagt er und betont, dass er mit dem aktuellen Baden-Assistenten Rino Luongo, immer noch regelmässig in Kontakt stehe. Trotz aller Freundschaft will Jent natürlich mit dem FC Wohlen als Sieger aus dem Derby hervorgehen.

Dieses Vorhaben ist mit viel Aufwand verbunden. Vier Trainings, Videoanalysen, Teamsitzungen, Spiele von anderen Teams anschauen. Über 30 Stunden pro Woche wendet Thomas Jent für den FC Wohlen auf. «Es kommt schon einiges zusammen», sagt er. Klagen will er, der zu 70 Prozent als Projektleiter einer Softwareentwicklungsfirma arbeitet, aber keinesfalls. Denn die Arbeit bereitet ihm ja Freude und er ist voll im Element, wenn sich die Welt um Fussball dreht. Ob 30 Stunden Aufwand reichen, um gegen Baden den erhofften Derbysieg einzufahren?

Keine Panik beim FC Baden 

Der Traum ist geplatzt, der Traum lebt weiter: Nach dem verpassten Aufstieg in die Promotion League, dem achten (!) Scheitern in den Aufstiegsspielen seit 2011, ist im Stadion Esp alles andere als Panik ausgebrochen. «Klar, die Bilanz seit 2011 ist unschön. Doch wir müssen unterscheiden: Als ich im Sommer 2018 Trainer wurde, rief die Klubführung einen Drei-Jahres-Plan aus, an dessen Ende der Aufstieg stehen soll. So gesehen war das Scheitern im vergangenen Juni zwar schade, aber kein Weltuntergang», sagt Baden-Trainer Ranko Jakovljevic.

Mehr noch: Dass der FC Baden im Sommer 2019 an der Schwelle zur Promotion League, war ein kleines Wunder, nachdem der Verein ein Jahr zuvor nur haarscharf und dank des Kraftaktes von Präsident Heinz Gassmann den Konkurs verhinderte.


Unabhängig vom verpassten Aufstieg musste Jakovljevic den Abgang der Teamstützen Nicholas Ammeter und Kevin Spadanuda (beide zum FC Aarau) verkraften. Fluch und Segen für den FCB: Einerseits ist es im Konstrukt Team Aargau Aufgabe der Badener, talentierte Junioren an den Erwachsenenfussball zu gewöhnen, die im besten Fall den Sprung zum Profiklub in Aarau schaffen. Andererseits hegt Baden selber sportliche Ambitionen, was das mittelfristige Ziel «Promotion League» beweist.

Ammeter spielte vergangene Saison noch in Baden.

Ammeter spielte vergangene Saison noch in Baden.

Die wertvolle Nähe zum FC Aarau


Für diese Doppelfunktion ist Jakovljevic der ideale Trainer: Seine Nähe zu den Entscheidungsträgern im Brügglifeld garantiert diesen, dass sie rechtzeitig auf Talente in den Reihen des FC Baden aufmerksam gemacht werden: Etwa Spadanuda, den Jakovljevic FCA-Sportchef Sandro Burki empfahl, noch bevor der Spieler 2018 beim FC Baden unterschrieb - ein Jahr später ist Spadanuda FCA-Profi.


Doch Jakovljevic will nicht nur Ausbildner sein. Als Profitrainer verfolgt er auch persönliche Ziele. «Einen Klub in der Challenge oder Super League als Cheftrainer zu übernehmen, wird mir kaum gelingen, da bin ich realistisch», sagt er.

Nein, der 52-Jährige träumt vom Ausland. «Assistent bei einem ambitionierten Klub in einer starken Liga – das wärs.» Er habe Kontakte zu vielen Cheftrainern und es sei möglich, dass irgendwann die Tür ins Ausland aufgehe. «Konkret ist überhaupt nichts. Ich fühle mich sehr wohl als Baden-Trainer und als Teilzeitcoach beim Team Aargau. Die zwei Aufgaben machen viel Freude und die Lebensqualität in der Region ist grossartig. Es müsste schon ein seriöses und lukratives Projekt sein, damit ich den Sprung ins Ausland wage.»

Jakovljevic war auch schon beim FC Wohlen als Trainer engagiert.

Jakovljevic war auch schon beim FC Wohlen als Trainer engagiert.

Mit Blick auf das Derby gegen Wohlen gilt für Jakovljevic das Gleiche wie für sein Gegenüber Thomas Jent: Auch er hat schon den Gegner trainiert. Jakovljevic stand beim FC Wohlen in jener Saison an der Seitenlinie, als der Verein in der Winterpause den freiwilligen Rückzug aus dem Profifussball bekannt gab. «Das war im ersten Moment schlimm, aber eine nachvollziehbare Entscheidung. Für mich war es damals kein Thema, Trainer in Wohlen zu bleiben.» Das Ziel für das Aufeinandertreffen mit dem Ex-Klub ist klar: «Gewinnen und den Wohlern zeigen, dass Baden die Nummer 2 im Kanton ist.»

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