Aargauer Cupfinal
Ein verdienter «Trophäen-Diebstahl»: FC Schönenwerd-Niedergösgen ist Aargauer Cupsieger

Der FC Schönenwerd-Niedergösgen gewinnt den Aargauer Cupfinal im Stadion Niedermatten gegen den FC Frick deutlich mit 5:1 und holt damit den Pokal in den Kanton Solothurn.

Martin Probst und Nik Dömer
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Grosser Jubel nach dem Spiel: Der FCSN feiert den Cupsieg.

Grosser Jubel nach dem Spiel: Der FCSN feiert den Cupsieg.

Gerry Frei

Die Aargauer Cuptrophäe wird entführt. Zwar nur einige 100 Meter über die Kantonsgrenze hinaus zum FC Schönenwerd-Niedergösgen, aber halt doch in den Kanton Solothurn. Da der Verein aber dem Aargauischen Fussballverband angehört, ist der Diebstahl für einmal ganz ­legal.

5:1 setzte sich «SchönNie» gegen den FC Frick durch und darf in der kommenden Saison in der 1. Hauptrunde des Schweizer Cups antreten. «Natürlich ist das bereits irgendwo im Hinterkopf und natürlich wünscht man sich ein tolles Los wie beispielsweise den FC Aarau. Aber im Moment bin ich einfach stolz auf diesen Cupsieg», sagt Trainer Daniel Ludäscher.

Ein Regierungsrat mit Bezug zu beiden Kantonen

Und irgendwie hatte es der Aargauer Regierungsrat und Sportminister Alex Hürzeler geahnt, dass die Trophäe nicht im Kanton bleibt. «Ich weiss nicht, ob es erneut dem vermeintlich schwächeren Team gelingt, den Grossen zu ärgern, wie es der Nati gegen Frankreich gelang», sagte er vor der Partie.

Der Cupfinal war eine deutliche Angelegenheit für den Favoriten.

Der Cupfinal war eine deutliche Angelegenheit für den Favoriten.

Gerry Frei

Hürzeler hatte als Junior einst selbst für den FC Frick gespielt, sagt aber: «Mein Heimatort ist Gretzenbach im Kanton Solothurn, ich drücke also beiden Teams die Daumen.»

900 Zuschauer sorgten für eine Cupatmosphäre

Der FC Frick spielt in der 3. Liga, Schönenwerd-Niedergösgen in der 2. Liga. Aber ­anders als an der EM, als Xhaka und Co. den Weltmeister eliminierten, war der Cupfinal eine deutliche Angelegenheit für den Favoriten.

Fehlenden Einsatz konnte man den Fricker Spielern allerdings nicht unterstellen, «SchönNie» war an diesem Abend einfach zu stark. Ludäscher sagt: «Die Rolle des Favoriten ist nicht leicht. Frick hatte auf dem Weg in den Final drei Zweitligisten ausgeschaltet, das wussten wir.»

«SchöNie» war im Cupfinal zu stark für den FC Frick.

«SchöNie» war im Cupfinal zu stark für den FC Frick.

Gerry Frei

Doch Simon Bürge und Ryan Hügi beruhigten ihren Trainer früh. Mit zwei sehenswerten Distanzschüssen brachten sie ihr Team noch vor der Pause mit 2:0 in Führung.

Frick gelang es in den ersten 45 Minuten derweil nicht, selbst Akzente zu setzen. Und als dann Jan Arnet zehn ­Minuten nach Wiederanpfiff auf 3:0 erhöhte, schien die Partie entschieden.

Emotionen machten es zu einem Cupfight

Allerdings belohnten sich die Fricker sieben Minuten später dafür, dass sie nicht aufgegeben haben. Lars Weidmann konnte auf 1:3 verkürzen – und als dann ein Mitspieler den Ball schnell zurück zum Mittelkreis tragen wollte, landete er selbst unsanft in den Maschen. Ein Spieler des Gegners verlor die Nerven und die Kontrolle über sein Handeln. Spätestens jetzt war es ein Cupfight.

In der zweiten Halbzeit wird das Spiel hitziger.

In der zweiten Halbzeit wird das Spiel hitziger.

Gerry Frei

Insgesamt 900 Zuschauer waren ins Stadion Niedermatten nach Wohlen gekommen. Und die Fans beider Teams sorgten für Cupatmosphäre – inklusive farbigem Rauch und Konfettis in der Luft. Die Sehnsucht auf Fussball nach einer von Corona arg gebeutelten Saison ist gross.

Und die Spieler befeuerten die Stimmung mit Toren. In der 67. erhöhte Jonas Hunkeler auf 4:1 und als dann Goalie Michael Simic einen Schuss des Gegners aus 50 Metern lässig-arrogant mit der Burst stoppte, sorgte das im Lager der «SchöNie»-Fans für Jubel. Und beim Gegner für Kopfschütteln.

Der FCSN kann während dem Cupfinal gleich fünfmal einen Treffer bejubeln.

Der FCSN kann während dem Cupfinal gleich fünfmal einen Treffer bejubeln.

Gerry Frei

«Das war sicher nicht angebracht», sagt Trainer Ludäscher. «Aber Michael ist sehr jung und er liess sich mitreisen.» Schliesslich stand er unmittelbar vor dem grössten Triumph seiner jungen Karriere. Und als unfaires Team ist Schönenwerd-Niedergösgen nun wirklich nicht bekannt. Die 2.-Liga-Saison schlossen sie als Sieger in der Fairplay-Wertung ab. «Das macht mich stolz», sagt Ludäscher.

Telegramm

Frick – Schönenwerd-Niedergösgen 1:5 (0:2)
Niedermatten, Wohlen. – SR: Ilmi Hoxha. – Tore: 11. Bürge 0:1. 40. R. Hügi 0:2. 50. Arnet 0:3. 57. Weidmann 1:3. 67. Hunkeler 1:4. 91. Petralito 1:5.
Frick: G. Herzog; Würgler (46. Saner), Schmid, Boss, Meier; R. Herzog, Weidmann, Iseni (72. M. Herzog), Karadal (55. Deiss); Ibrahimi (37. Habibija), Leuthard (72. Müller). Schönenwerd-N’gösgen: Michael Simic; J. Hügi (81. Herzog), R. Hügi, F. Liloia (62. L. Liloia), Lo Priore; Bürge (67. Studer), Malundama, Nünlist (22. Ludäscher), Petralito; Hunkeler (80. Mario Simic); Arnet.
Bemerkungen: Feldspieler Deiss ersetzt den verletzten Frick-Goalie Herzog, weil Frick schon fünfmal gewechselt hatte.

In der 91. Minute sorgte Angelo Petralito für den Endstand. Dem 2.-Liga-Schreck Frick – das Team von Ivan Petrovic hatte seit dem Corona-Restart in den vergangenen zweieinhalb Wochen 2.-Liga-Meister Mutschellen und Fislisbach besiegt – blieb der Stolz, es überhaupt in den Final geschafft zu haben. «Natürlich sind wird enttäuscht. Aber vor drei Wochen hätte niemand gedacht, dass wir es soweit schaffen könnten», sagte Petrovic. Und so reiste der Pokal in den Kanton Solothurn.

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