Aargauer Cup
«Wäre der grösste Erfolg der Vereinsgeschichte»: Der FC Frick träumt vom eigenen Sommer-Märchen

Präsident Hans Reimann hat in den letzten 45 Jahren schon vieles mit seinem FC Frick erlebt. Einen Cupsieg durfte er jedoch noch nie bejubeln. Nun hofft er auf einen Erfolg im Final am Donnerstagabend gegen den FC Schönenwerd-Niedergösgen (wir tickern live).

Nik Dömer
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Hans Reimann, Präsident des FC Frick vor der neuen Tribüne und Clubhaus des FCF (Juni 2021).

Hans Reimann, Präsident des FC Frick vor der neuen Tribüne und Clubhaus des FCF (Juni 2021).

Alexander Wagner

Während die Schweizer Nati gerade das gesamte Land in Ekstase versetzt, will der FC Frick sein eigenes Sommermärchen schreiben. Am Donnerstag (20:15 Uhr, bei uns im Ticker) spielt der Drittligist gegen den FC Schönenwerd-Niedergösgen im Aargauer Cupfinal.

Mittendrin steckt Präsident Hans Reimann, der dem Verein seit 45 Jahren die Treue hält. Er bringt es gleich auf den Punkt: «Dieser Cupsieg wäre der grösste Erfolg in unserer Vereinsgeschichte. Ich habe bereits zweimal einen Final erlebt. 1991 sind wir gegen Spreitenbach gescheitert, 2017 gegen Gränichen. Nun wäre die Zeit reif, damit wir endlich diesen Titel holen.»

Der FC Frick gewann auf dem Weg in den Cupfinal gegen den Aargauer Meister FC Mutschellen.

Der FC Frick gewann auf dem Weg in den Cupfinal gegen den Aargauer Meister FC Mutschellen.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Mit bescheidenen Mitteln das Maximale rausholen

Dass sich Reimann noch gut an alte Zeiten erinnern kann, kommt nicht von ungefähr. Kaum jemand kennt den FC Frick so gut wie der 65-Jährige. Seit 1976 ist er beim Fricktaler Verein aktiv. «Mit 21 Jahren wechselte ich vom FC Turgi zum FC Frick. Seither bin ich für den Verein aktiv. Erst als Spieler, dann als Funktionär.»

Es besteht kein Zweifel, die Verbundenheit zwischen dem FC Frick und Hans Reimann ist gross. «Beim FC Frick landet man nicht einfach so. Hier kennen sich alle, jeder hat einen Bezug zur Region. Ausserdem ist es ein bodenständiger Verein, der mit bescheidenen Mitteln das Maximale rausholt. Das passt zu mir.»

Mit wenig glücklich zu sein und das Beste daraus zu machen, das lernte Reimann bereits in seiner Kindheit: «Ich wuchs fünf Kilometer von Frick entfernt im Bauerndorf Wölflinswil in bescheidenen Verhältnissen auf. Als Kind konnte ich nicht im Verein spielen, Fussball fand im Dorf kaum Beachtung. Ich musste mit meinen Geschwistern unserem Vater bei der Forstarbeit und dem Onkel in der Landwirtschaft helfen. Erst mit 16 Jahren konnte ich loslegen. Damals spielte ich allerdings noch beim FC Turgi, da ich bei der BBC meine Lehrstelle hatte.»

«Eigentlich gehören wir in die 2. Liga»

Vier Jahre später wechselte Reimann zum FC Frick. Der Höhepunkt als Spieler folgte 1987, als der Aufstieg in die 2. Liga gelingt. «Der FC Frick ist schon seit geraumer Zeit eine Mannschaft zwischen der 3. und der 2. Liga. Aber eigentlich gehören wir schon in die 2. Liga, wenn wir unser Potenzial ausschöpfen», erklärt der Präsident.

Seit 45 Jahren hält Reimann dem FC Frick die Treue.

Seit 45 Jahren hält Reimann dem FC Frick die Treue.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Mit 32 Jahren beendete Reimann seine Karriere bei den Aktiven. Fortan spielte er für die Senioren und später für die Veteranen. Nach der Jahrtausendwende wurde er zum ersten Mal Präsident. «Im Laufe meiner Amtszeit nahm die berufliche Auslastung zu. Ich war Produktionsleiter bei einem grossen Pharmaunternehmen und bereiste die Welt. Im Jahr 2008 gab ich dann die Klubführung ab.»

Ein Jahr später wurde Reimann für seine Treue und Verdienste zum Ehrenpräsident ernannt. Eine ganz besondere Form der Anerkennung des Vereins: «Es ist ein sehr schönes Zeichen nach aussen, das man mich und meine Arbeit schätzt. Ich finde das eine wunderbare Geste.»

In den Folgejahren engagierte sich Reimann vor allem auf politischer Ebene in der Gemeinde. Eine Herzensangelegenheit war dabei der Bau des neuen Klubhauses. Rund 1,7 Millionen Franken kostete das Gebäude, das neben dem Schulhaus steht und einen Mittagstisch für die Schulkinder bietet.

Das Klubhaus des FC Frick im Hintergrund.

Das Klubhaus des FC Frick im Hintergrund.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Die Gemeinde übernahm fast einen Drittel der Kosten. Die restliche Finanzierung wurde durch Swisslos, Gönner, Sponsoren und den Verein ermöglicht. Reimanns Engagement für dieses Projekt brachte ihm viel Wertschätzung ein.

Zweimal in Folge den Aufstieg verpasst

Als der FC Frick im Jahr 2018 auf der Suche nach einem Präsidenten war, packte es Reimann noch einmal. «Ich wollte mich zurückziehen, aber durch das Klubhaus war ich wieder stark involviert. Als dann keiner das Amt als Präsident übernehmen wollte, habe ich mich zur Verfügung gestellt. Wenn der FC Frick mich braucht, bin ich da.»

Der FC Frick möchte im Cupfinal nach den Sternen greifen.

Der FC Frick möchte im Cupfinal nach den Sternen greifen.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Seither ist Reimann wieder mit Herz und Seele als Präsident beim zweitgrössten Fussballverein des Kantons mit an Board. Dabei litt er besonders in den letzten zwei Spielzeiten mit der 1. Mannschaft mit: «Wir haben zweimal ärgerlich den Aufstieg verpasst. 2020 hatten wir fünf Punkte Vorsprung als Leader, dann wurde die Saison abgebrochen. In diesem Jahr haben uns zwei Strafpunkte zum Aufstieg gefehlt.»

Entsprechend ist er nun aufgeregt vor dem Cupfinal und hofft, dass die Mannschaft doch noch belohnt wird: «Einen Cup zu gewinnen, ist etwas ganz Spezielles. Für den Klub wäre es der grösste Erfolg in seiner Geschichte, und auch für mich wäre es die Krönung nach 45 Jahren beim FC Frick.»

Reimann erwartet beim Duell gegen FC Schönenwerd-Niedergösgen ein Spiel auf Augenhöhe: «Klar, wir gehen als Underdog in diese Partie. Aber wir haben mit Fislisbach und Mutschellen bereits zwei Zweitligisten bezwungen. Wer den Aargauer Meister schlägt, kann auch den Final gewinnen.»